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29.08.2013

17:03 Uhr

Krankenhausgruppe

Personalkosten drücken Gewinn von Asklepios

Setzt sich der Trend des ersten Halbjahres fort, sind die Gewinnziele von Asklepios-Chef Wandscheider nicht nur ambitioniert, sondern unerreichbar. Ein Sparprogramm soll nun die Effizienz erhöhen.

Asklepios-Klinik in Hamburg: Der Überschuss im ersten Halbjahr ist deutlich gesunken. Reuters

Asklepios-Klinik in Hamburg: Der Überschuss im ersten Halbjahr ist deutlich gesunken.

FrankfurtGestiegene Personalkosten und höhere Aufwendungen für Energie und Versicherungen haben den Gewinn des Klinikbetreibers Asklepios geschmälert. Der Überschuss fiel im ersten Halbjahr um 19,5 Prozent auf 45 Millionen Euro, wie die Krankenhausgruppe am Donnerstag mitteilte. Asklepios-Chef Ulrich Wandschneider will mit einem Sparprogramm gegensteuern. Um seine Jahresziele zu erreichen, muss sich Asklepios strecken.

„Wir werden in der Asklepios-Gruppe alle Möglichkeiten nutzen, die Leistungsstärke und Effizienz unserer Häuser weiter zu erhöhen“, sagte Wandschneider. So sollen die Geschäfte zentraler gesteuert werden. Bislang ist die Asklepios-Gruppe, zu der unter anderem der börsennotierte Offenburger Klinikbetreiber Mediclin gehört, eher dezentral organisiert.

Asklepios besitzt über 140 Kliniken und Gesundheitszentren und hat rund 45.000 Beschäftigte. Neben der zum Gesundheitskonzern Fresenius gehörenden Klinik-Gruppe Helios und dem fränkischen Rhön-Klinikum -Konzern gehört Asklepios zu den größten privaten Klinikbetreibern in Deutschland. Im ersten Halbjahr versorgte Asklepios mehr als eine Million Patienten.

Was Sie über IGel-Leistungen wissen müssen

Was sind IGel-Leistungen?

Gesetzlich Versicherte erhalten nicht jede ärztliche Behandlung auf Krankenschein. Wer Leistungen in Anspruch nimmt, die nicht im Kassenkatalog aufgeführt sind, muss sie selber zahlen. Die Rede ist von „Individuellen Gesundheitsleistungen“, kurz IGeL. Ärzte raten häufig zu solchen IGeL-Behandlungen: Die können sie anschließend den Patienten gesondert in Rechnung stellen.

Welche Untersuchungen sind besonders häufig?

Nach Angaben der Krankenkassen zählen Glaukom-Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt und vaginale Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung von Eierstock- und Gebärmutterkrebs beim Frauenarzt zu den am häufigsten angebotenen IGeL. Auch Verfahren der Alternativmedizin zu „ganzheitlicher“ Behandlung gehören dazu.

Was ist an IGel-Leistungen problematisch?

Unproblematisch ist die Entscheidung immer dann, wenn Patienten von sich aus medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, die von den Kassen nicht bezahlt werden: Etwa Tauglichkeitsuntersuchungen fürs Fallschirmspringen. Da es sich dabei um Hobbys handelt und die Untersuchung für den Erhalt der Gesundheit nicht notwendig ist, sind die Kosten für den Medizin-Check selbst zu tragen.

Schlägt dagegen der behandelnde Arzt eine IGeL-Behandlung vor, kann der Patient selten beurteilen, ob dies zweckmäßig und medizinisch notwendig ist. Und: Bei manchen der Leistungen bestünden erhebliche Zweifel daran, ob sie medizinisch sinnvoll seien, heißt es aus dem Gesundheitsministerium NRW. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums betonte, die Patienten müssten umfassend informiert werden und auch wissen, dass sie die
Kosten selbst tragen. Im neuen Patientenrechtegesetz, das im Herbst vom Bundesrat behandelt werden solle, sei eine weitere Stärkung der Informationsrechte vorgesehen. Die SPD vermutet, dass viele Patienten zum Teil durch aggressives Marketing zu den Leistungen gedrängt werden. Sie fordert deshalb, dass Ärzte nicht mehr am selben Tag IGeL- und Kassenleistungen vornehmen dürfen, damit die Patienten Bedenkzeit bekommen.

Warum gibt es Verkaufstrainings für Ärzte

Verkaufstrainings für die IGeL-Leistungen werden bisher vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert. Grundlage sei eine Richtlinie zur Entwicklung unternehmerischen Know-hows für kleine und mittlere Betriebe sowie Freie Berufe, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Ziel sei es, den Unternehmen Hilfestellungen bei wirtschaftlichen und finanziellen Fragen der Unternehmensführung zu geben. Damit stehe sie auch Ärzten offen, die sich am freien Markt behaupten müssen. Dies enthebe diese aber nicht von ihrer Pflicht, den Patienten nur medizinisch sinnvolle Leistungen anzubieten, betonte die Sprecherin. Genau aus diesem Grund überprüfe das Wirtschaftsressort derzeit zusammen mit dem Gesundheitsministerium und dem BAFA die bisherige Förderpraxis. Der Spitzenverband der Krankenkassen verlangte, die Förderung sofort zu stoppen.

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, missbilligte das Förderprogramm: „Ärzte sind keine Kaufleute und deshalb brauchen wir auch keine Verkaufsseminare für Individuelle Gesundheitsleistungen.“

Wo kann man sich informieren?

Wer sich nicht allein auf die Empfehlung des Arztes verlassen will, sollte einen zweiten Mediziner befragen oder sich in Internet-Portalen von Krankenkassen informieren. Ein solches bietet zum Beispiel der Kassen-Spitzenverband an, und zwar unter dem Namen „IGeL-Monitor“. Einen Patientenratgeber mit dem Titel „Selbst zahlen?“ gibt es auch von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung.

Bei annähernd gleicher Bettenzahl behandelte Asklepios 5,6 Prozent mehr Patienten als vor einem Jahr. Der Umsatz legte jedoch nur um 2,8 Prozent auf 1,51 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn (Ebitda) schrumpfte um 7,1 Prozent auf 120,4 Millionen Euro, die operative Rendite (Ebitda-Marge) ging auf 8,0 von 8,8 Prozent zurück.

Die Personalkosten seien deutlich stärker gestiegen als der Umsatz, unter anderem wegen höherer Tarifabschlüsse. Zudem sei der Wettbewerb unter den Klinikbetreibern scharf. Die Jahresziele seien „ambitioniert“, gestand Wandschneider ein. Der operative Gewinn soll steigen, der Umsatz soll – ohne Zukäufe – um zwei bis vier Prozent zulegen.

Zu dem schwelenden Gerichtsstreit mit Rhön-Klinikum um eine umstrittene Satzungsänderung bei dem Rivalen hielt sich Asklepios bedeckt. Der Konzern werde sich weiter bei Rhön alle Optionen offen halten. Asklepios hatte ursprünglich vor, seine Beteiligung an Rhön aufzustocken. Der Klinikbetreiber brach aber dann den vom Kartellamt geforderten Verkauf der Harzkliniken in Goslar ab. Die Kartellwächter hatten deshalb die Anteilserhöhung untersagt. Asklepios will dennoch weiter mit Interessenten sprechen und einen Verkauf prüfen. „Bei Bedarf müsste dann später ein erneuter Antrag beim Kartellamt gestellt werden“, erklärte Asklepios.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Nachwuchs

29.08.2013, 19:11 Uhr

Personalkosten? Welch ungeheure Lüge! Es sind die Manager, die die Firmen ausbluten!!! Man sehe nur Experten! Nur noch unfähig und dafür horrende Bezüge! Wieviel Leute kann man beschäftigen für 1 Manager ( Ackermann = 20 Mill. Euro Einkommen )????

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