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26.06.2014

11:20 Uhr

Krankenhausreport

2015 droht das große Kliniksterben

VonMaike Telgheder

Der Krankenhausreport untermauert die schlechte Lage der Kliniken mit Zahlen: Jedes zweite Krankenhaus hat nicht genug Geld für Investitionen. Wenn sich nichts ändert, droht 2015 fast jeder fünften Klinik die Insolvenz.

Patient in einem Hamburger Krankenhaus: „Ohne ausreichende Investitionen ist die Zukunft in Gefahr“. dpa

Patient in einem Hamburger Krankenhaus: „Ohne ausreichende Investitionen ist die Zukunft in Gefahr“.

FrankfurtDie wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser verschlechtert sich zusehends. Zwar lindert der Milliardenzuschuss, den noch die schwarz-gelbe Bundesregierung im vergangenen Sommer für die rund 2000 Kliniken in Deutschland beschloss, die aktuelle Lage. Aber schon 2015 droht fast jeder fünften Klinik die Insolvenz. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Krankenhaus-Rating-Reports, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

„Die Kliniken müssen weitere Fortschritte bei der Produktivität erzielen. Sowohl auf der Ebene des einzelnen Krankenhauses, als auch mit Blick auf die gesamte Versorgungsstruktur. Denn ab 2015 steigen die Kosten wieder schneller als die Einnahmen“, sagt Sebastian Krolop, Partner der Unternehmensberatung Accenture und einer der Autoren des Reports.

Die Volkskrankheiten der Deutschen

Wirtschaftlicher Schaden

Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.

Todesursachen

Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.

Krebs

Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.

Depression

Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.

Burn-out

Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.

Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.

Atemwege

Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.

Übergewicht

Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.

Diabetes

Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.

Rückenschmerzen

Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.

Bluthochdruck

25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Viele Branchenexperten kritisieren seit Jahren, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gibt. Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte sich unlängst dafür ausgesprochen, in Deutschland Klinikbetten abzubauen. Denn im Jahresdurchschnitt sind nur 77 Prozent der knapp über 500.000 Krankenhausbetten belegt, und das trotz steigender Patientenzahlen.

Politisch ist die Forderung indes nur schwer durchzusetzen. Kaum ein öffentliches Krankenhaus ist in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Schwer haben es vor allem kleine Kliniken mit bis zu 100 Betten, die sich auch nicht durch eine besondere Spezialisierung auszeichnen. Und auch einige in Ballungsräumen wie Berlin oder im Rhein-Main-Gebiet, wo die Krankenhausdichte hoch ist.

Die Überkapazitäten schlagen sich in schlechten Ergebnissen vieler Häuser nieder: Rund 40 Prozent der Kliniken in Deutschland machen laut Rating-Report Verlust, nicht einmal die Hälfte der Häuser war zu Investitionen in der Lage. Das haben die Autoren auf Basis von fast 1000 Jahresabschlüssen aus den Jahren 2011 und 2012 analysiert. Der Report ist ein Gemeinschaftswerk vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), der Unternehmensberatung Accenture und dem Institute for Health Care Business.

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