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18.04.2012

10:00 Uhr

Kreative Bewerbung

Schummeln im Lebenslauf - was ist erlaubt?

VonBritta Mersch

Bewerber wollen ein gutes Bild von sich vermitteln - und gehen sehr kreativ vor. So wird die Arbeitslosigkeit einfach zur Zeit der Selbstständigkeit. Mancher aber wird kriminell, um seine Unterlagen aufzubessern.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

KölnBei einer Bewerbung darf man ruhig kreativ sein, heißt es oft. Manche setzen auf knallige Farben, um das Auge des Betrachters sofort auf die eigenen Unterlagen zu lenken. Andere basteln etwas oder wollen mit einem selbst gedrehten Video überzeugen. Und dann gibt es auch noch die Frage, wie man sich gekonnt in ein gutes Licht rückt – selbst wenn der Lebenslauf vielleicht nicht ganz so perfekt ist, wie Personaler ihn gerne hätten.

Denn das Problem ist: Viele Arbeitgeber werden skeptisch, wenn Bewerber lange arbeitslos waren oder sich nur kurz in einem Unternehmen halten konnten. Und deshalb raten Experten auch dazu, in solchen Fällen die Wahrheit etwas aufzuhübschen: „Wenn es sich um mehrere Monate Arbeitslosigkeit handelt, sollte man sich schon eine Geschichte ausdenken, die die Lücke plausibel füllt“, sagt der Karrierecoach Christian Püttjer. Das könne eine ehrenamtliche Tätigkeit bei einem Verein oder eine freie Mitarbeit sein.

Zuviel erfinden sollten Bewerber dabei allerdings nicht. Denn sie müssten auch Kunden nennen und auch darstellen können, um was für eine Tätigkeit es genau ging. Der Rat von Christian Püttjer ist deshalb: „Man sollte nicht die Wirklichkeit verdrehen. Aber man darf sie ruhig ausschmücken.“

Was in Bewerbungen erlaubt ist - und was nicht

Werbung

Worum es geht, steckt schon im Namen: Mit einer Bewerbung macht man Werbung für die eigene Person. Und das heißt auch, dass man manche Fakten etwas aufhübschen darf, sagt Karriereberater Christian Püttjer.

Arbeitslosenzeiten

Längere Zeiten der Arbeitslosigkeit machen sich in keiner Bewerbung gut. Die lassen sich mit Fort- oder Weiterbildungen überbrücken. Oder mit Tätigkeiten in Vereinen oder als Freiberufler.

Plausibilität

Mitarbeiter dürfen manche Tätigkeiten ruhig etwas ausschmücken – allerdings sollten sie alles später im Vorstellungsgespräch auch plausibel erklären können. Denn sonst können sie damit keinen Arbeitgeber überzeugen.

Weglassen

Manche Erfahrungen allerdings müssen in der Bewerbung vielleicht aber auch gar nicht erwähnt werden. Etwa, wenn man bei der letzten Stelle nicht die Probezeit überstanden hat. Doch Vorsicht: Manche Chefs sind so gut untereinander vernetzt, dass sich die Stationen gar nicht lange geheim halten lassen.

Fälschen

Manche Bewerber greifen aber auch zu drastischen Mitteln: Sie fälschen Zeugnisse, erfinden Doktortitel oder machen sich zum Geschäftsführer einer Firma, die es so gar nicht gab. In diesem Fall ist der Rahmen der Legalität weit überschritten.

Konsequenzen

Mit solchen Maßnahmen täuschen Bewerber nicht nur ihren Arbeitgeber. Sie müssen auch mit Strafen rechnen, wenn sie damit auffliegen. Vor zwei Jahren zum Beispiel überzeugte ein Bewerber seinen späteren Arbeitgeber mit seinen guten Noten – die er aber gar nicht hatte. Seinen ersten Auftrag machte er so schlecht, dass seine Chefs skeptisch wurden und die Noten überprüften. Die Konsequenz: Er musste sein Gehalt zurückzahlen und bekam eine Haftstrafe von zehn Monaten.

Prüfung

Nicht jede Bewerbung wird von Detektiven durchleuchtet, das wäre auch gar nicht erlaubt. Oft werden sie erst engagiert, wenn etwas vorgefallen ist. Und dann kann es passieren, dass auch die Bewerbung von Mitarbeitern unter die Lupe genommen wird, um zum Beispiel Beweise dafür zu finden, dass ein Mitarbeiter nicht die Qualifikationen mitbringt, die er vorgegeben hat.

Eine Lücke im Lebenslauf erscheint zum Beispiel weniger dramatisch, wenn diese Zeit für Fort- und Weiterbildungen genutzt wurde. Vielleicht gab es ja auch den Versuch, eine Selbstständigkeit aufzubauen – die dann aber doch nicht weiter verfolgt wurde: „Die Bewerber müssen lernen, nicht die negativen Erlebnisse zu betonen, sondern auf die positiven zu sprechen kommen“, sagt Christian Püttjer, „wer etwas verkaufen möchte, stellt schließlich auch die Vorzüge heraus und verunsichert den Interessenten nicht durch die Auflistung negativer Punkte.“

Eine gute Methode sei auch die Kunst des Weglassens: „Wenn man zum Beispiel in der Probezeit gekündigt wurde, kann man schon überlegen, ob man diese Stelle überhaupt erwähnt“, sagt der Karriereberater. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Denn manche Chefs sind so gut vernetzt, dass es nicht lange ein Geheimnis bleibt, wer in welchem Unternehmen gearbeitet hat: „Diese Strategie funktioniert eigentlich nur, wenn man in eine ganz andere Branche wechselt.“

Etwas schummeln ist in Bewerbungen also erlaubt. Doch es gibt welche, die den Bogen weit überspannen. Sie nehmen zum Beispiel Zeugnisse von Freunden oder Bekannten, fügen ihre eigenen Daten ein und legen sie ihren Unterlagen bei. Oder sie mogeln beim letzten Arbeitszeugnis einfach ein paar Absätze dazu, fälschen die Unterschrift und schon haben sie eine Referenz in der Tasche, die sich sehen lassen kann.

Kommentare (3)

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Diskutierender

18.04.2012, 13:04 Uhr

Bei dem Bewerbungszirkus, den Deutsche Arbeitgeber veranstalten, haben es diese nicht besser verdient. Wie sieht es den z.B. mit Stellenanzeigen aus? Da wird doch auch nur alles beschönigt beschrieben. Und ein widerwärtiger Fangfrager im Vorstellungsgespräch hat nun mal verdient, beschummelt zu werden. Die Schummelei bei der Bewerbung stellt nur Waffengleichheit her bei Unternehmen, die eine Stelle selbst für einen normalen Sachbearbeiter mit Olympia-reifen Anforderungen beschreiben

Also, kein Mitleid mit den Unternehmen!

sACHTe

19.04.2012, 08:56 Uhr

Ehrlich währt am längsten - ich möchte nicht "beschummelt" werden! Denke so geht es auch der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Da, wo zu dick aufgetragen wird - werden Geschäftsbeziehungen abgebrochen!

Lügen, sich nicht entschuldigen können, nicht Bitte und Danke sagen,...
ist scheinbar ein aktuelles Zeitproblem - ich ächte soetwas - Wer macht mit?

Account gelöscht!

20.04.2012, 18:59 Uhr

... "Bewerber wollen ein gutes Bild von sich vermitteln" ... vielleicht bald über anonymisierte Bewerbungsverfahren: http://www.servicereport.eu/2012/vorurteile-trotz-fachkraeftemangel-anonymisierte-bewerbung-propagiert

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