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27.01.2010

08:29 Uhr

Kreativität

Die klangevollen Namen der Sparprogramme

VonUlf Sommer

Wer behauptet, unsere Großkonzerne standardisieren und verlangweilen damit ihre Arbeitsprozesse immer weiter, um Ressourcen zu sparen und noch mehr Geld zu verdienen, der irrt. Denn ausgerechnet wenn es ums Sparen geht, dann setzen Deutschlands Entscheider auf klangvolle und vor allem unverwechselbare Wortschöpfungen.

DÜSSELDORF. Mit „Climb 2011“ betitelt die Deutsche Lufthansa keineswegs ihren künftigen Betriebsausflug, sondern ihr bis in das Jahr 2011 reichendes Sparprogramm.

Zugegeben, wenn BMW sein Sechs-Milliarden-Programm als „Number one“ umschreibt, dann scheint sich der Autobauer immer noch recht enge Fesseln zu setzen. Denn Number one suggeriert: Keiner spart so viel wie wir – oder strebt es zumindest an. Obendrein schreit solch ein Programm nach Number two und three. Also Sparen ohne Ende. Doch wirkliche Geistesblitze reichen noch weiter.

Weltoffener und nicht auf den schnöden Mammon reduziert, auch wenn es genau darum geht, erscheinen Kreationen wie „Save for Service“, „Global Excellence“ und „Shape“. Letzteres meint übrigens nicht das Nato-Hauptquartier im belgischen Mons, sondern die Ausgabenkürzungen des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro.

Fit für die Krise – aber für welche denn bloß?

Um wie viel spröder klingen da die holprigen deutschen Übersetzungen wie „Sparen für den Service“. Doch geschenkt, das flüssigere Englisch eignet sich bei unseren milliardenschweren Unternehmen wirklich besser. Schließlich sollen doch alle und nicht nur die teuren Mitarbeiter in der deutschen Zentrale sparen.

Um mehrere Ecken gedacht haben die Wortschöpfer bei Infineon. Mit „IFX 10+“ meint der Chiphersteller keineswegs einen neuen Virus. Anleger, die die Aktie einmal in Händen hatten und sich an ihr verbrannten oder eine goldene Nase verdienten, wissen, dass IFX für das Börsenkürzel des schwankungsfreudigsten Dax-Mitgliedes steht. 10+ wiederum lenkt zielorientiert auf die erhoffte Ebitmarge von mindestens zehn Prozent hin. Unverwechselbarer geht es wirklich nicht.

Gemeinsam ist allen Sparprogrammen nur eines: Mit ihnen machen sich die Unternehmen fit für die Krise. Sagen sie zumindest wortgewaltig. Natürlich auch Infineon – ohne aber darauf hinzuweisen, welche Krise im Moment gemeint ist. Denn abgesehen vom Jahr des Börsengangs, als Anleger im Frühjahr 2000 die Aktie für über 80 Euro handelten (gestern waren es 3,86 Euro), häufte Infineon unter dem Strich immer neue Verluste an. In Krisen- wie in Boomzeiten. Wie gut, dass sich die Münchener jetzt fit für die Krise machen.

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