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16.10.2013

22:30 Uhr

Kreditkarten

Amex legt weiter zu

Die Konsumfreude füllt auch Kreditkartenkonzern American Express die Kassen. Der Anbieter, der die Darlehen selbst vergibt, konnte den Quartalsgewinn erneut steigern. Dennoch stellt Amex sich in Teilen neu auf.

American Express hat die konsumfreudigsten Kunden. AFP

American Express hat die konsumfreudigsten Kunden.

New YorkSpendierfreudige Konsumenten haben dem Kreditkartenkonzern American Express auch im dritten Quartal die Kasse gefüllt. Der Gewinn des US-Unternehmens stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,0 Mrd Euro).
Pro Aktie lag der Gewinn bei 1,25 Dollar, was mehr war als die 1,26 Dollar die Analysten erwartet hatten. Die Aktie stieg am Mittwoch nachbörslich um knapp 1 Prozent.

Die Zahlungen mit Karte seien in allen Regionen gestiegen, erklärte Firmenchef Kenneth Chenault. Dieser Zuwachs sei „trotz eines unsicheren Umfeldes“ gelungen. Insgesamt legten die Einnahmen um 6 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar zu, während die Kosten samt der Rücklagen für Kreditausfälle in geringerem Maße stiegen.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Im Kampf gegen steigende Kosten streicht Firmenchef Chenault dieses Jahr 5400 Jobs, vor allem im Bereich der Reiseservices und treibt damit Pläne voran, diesen Bereich in eine eigene Firma auszugliedern. American Express versucht außerdem das Bezahlnetzwerk zu vergrößern und ging dafür eine Partnerschaft mit der US-Retailbank Wells Fargo ein.

American Express gehört zusammen mit Visa und Mastercard zu den drei großen Kreditkarten-Anbietern. Im Unterschied zur Konkurrenz vergibt American Express auch den eigentlichen Kredit. Visa und Mastercard fungieren dagegen als Abwickler für Banken. Sie leben vor allem von den Gebühren, die bei jeder Zahlung mit Karte anfallen. Die Rivalen legen ihre Geschäftszahlen in zwei Wochen vor.

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