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25.07.2013

00:33 Uhr

Kreditkarten-Firma

Visa kehrt in die Gewinnzone zurück

Im vergangenen Jahr ist Visa wegen eines Kartellverfahrens tief in die roten Zahlen gerutscht. Nun schmückt ein Milliardengewinn die Quartalszahlen. Doch der nächste Ärger wartet schon auf den Kreditkartenanbieter.

Eine Kreditkarte von Visa hat die Kundschaft im letzten Quartal oft gezückt. dpa

Eine Kreditkarte von Visa hat die Kundschaft im letzten Quartal oft gezückt.

Foster City/BangaloreDer US-Kreditkartenanbieter Visa schreibt wieder schwarze Zahlen. Im dritten Quartal stand unter dem Strich ein Gewinn von 1,23 Milliarden Dollar, wie der Mastercard-Konkurrent am Mittwoch nach Börsenschluss mitteilte. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen wegen eines milliardenschweren Kartellvergleichs noch einen Verlust von 1,84 Milliarden Dollar.

Bei den Kunden der weltgrößten Kreditkarten-Firma sitzt das Geld anhaltend locker. Im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni stiegen die abgewickelten Zahlungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 1,1 Billionen Dollar (838 Mrd Euro). Das war ein noch stärkerer Anstieg als im Frühjahr.

Von der Kauflust profitiert Visa über Gebühren. Die EU-Kommission will jedoch nun die Gebühren begrenzen, die Banken und Kreditkartenfirmen den Händlern für die Kartenzahlung in Rechnung stellen. Dies werde zu geringeren Kosten im Einzelhandel führen, der wiederum den Vorteil über niedrigere Preise an die Kunden weitergeben könnte, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaqin Almunia. Die Kartenanbieter sollen künftig nur noch 0,3 Prozent der bezahlten Summe als Gebühr verlangen.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

In Deutschland berechnete Visa im vergangenen Jahr mit mehr als 1,6 Prozent den höchsten Satz in allen 28 EU-Staaten. Die Kreditkartenanbieter und eine spanische Verbraucherorganisation bezweifeln jedoch, dass die niedrigeren Abgaben den Einzelhandelskunden zugute kommen werden.

Nachbörslich stieg die Visa-Aktie um 2 Prozent. Zuletzt hatte Rivale American Express von höheren Gebühren profitiert und den Gewinn gesteigert.

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