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25.09.2011

13:14 Uhr

Kriminelle Banker

Nick Leeson plant sein großes Comeback

Etwas flapsig ausgedrückt, könnte man Nick Leeson als Vorgänger von Kweku Adoboli bezeichnen. Während der Prozess gegen den UBS-Skandalhändler gerade begonnen hat, plant Leeson das große Comeback in der Finanzbranche.

Nick Leeson ist wieder da: Das Foto zeigt ihm bei seiner Ankunft am Heathrow Airport in London vor wenigen Tagen. dapd

Nick Leeson ist wieder da: Das Foto zeigt ihm bei seiner Ankunft am Heathrow Airport in London vor wenigen Tagen.

London, DüsseldorfNick Leeson versucht es inzwischen mit vergleichsweise ehrlicher Arbeit. 7500 Pfund pro Abend muss auf den Tisch legen, wer der den früheren Investmentbanker als Redner für ein Dinner engagieren will. Nebenbei zockt er ein wenig als Online-Pokerspieler. Verglichen mit den Summen, die er bei der ältesten englischen Investmentbank Barings bis Mitte der 1990er-Jahre verzockt hat, sind das Kleinigkeiten.

Auf weit über 800 Millionen Pfund (heute 917 Millionen Euro) wird der Verlust beziffert, den Leeson damals angerichtet hat. Das hatte gereicht, um die bis dahin ehrenwerte Baring-Bank zu ruinieren und sogar das einst stabile britische Pfund ins Wanken zu bringen. Leeson wurde damit zum Prototyp aller kriminellen Investmentbanker - und musste rund vier Jahre in einem unschönen Gefängnis in Singapur verbringen.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Der Franzose Jérôme Kerviel, der der französischen Bank Société Générale 2008 Verluste von fast fünf Milliarden Euro einbrockte, toppte die Verfehlungen seines prominenten Vorgängers bei weitem. Der Ghanaer Kweku Adoboli verzockte jetzt in nur drei Monaten 2,3 Milliarden US-Dollar seines Schweizer Arbeitgebers, der Großbank UBS.

Alle machten im Prinzip das Gleiche - Arbitragegeschäfte, das Abgreifen kleiner Preisdifferenzen ein- und desselben Wertpapiers an verschiedenen Börsen. Der Händler nutzt einfach unterschiedliche Preise an unterschiedlichen Börsenplätzen der Welt aus. Er kauft zum billigeren Preis ein und verkauft zum teureren Preis sofort wieder.

Kommentare (7)

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Petra

25.09.2011, 13:41 Uhr

Zuerst hat der Anleger das Geld und Leeson die Erfahrung. Nachher ist es genau umgekehrt! Wer diesem Mann nur noch einen Cent anvertraut ist selbst schuld. Er wird dennoch Geldgeber finden, da bekanntlich Gier das Hirn frisst!

Bankster

25.09.2011, 13:50 Uhr

Ein neues Finanzmarktprodukt, das hat der Welt noch gefehlt.
Ich denke, Nick hat es jetzt verstanden: die Kunst besteht darin, nicht die Bank zu ruinieren, sondern deren Kunden.
Go for it Nick! Möge die Dummheit der Anleger mit dir sein.

dummlauf

25.09.2011, 14:14 Uhr

na und,nick hat sich schlicht verspekuliert,genau wie unsre griechenretter,die ham doch vor nem jahr alles klar gemacht.

is natürlich viel teurer wenn unsre hirarchen zuschlagen,was solls

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