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16.01.2006

12:29 Uhr

Krisenmanagement in Familienunternehmen

Wenn Leidenschaft Leiden schafft

VonRuth Vierbuchen

Familienunternehmen wachsen dynamischer als börsennotierte Konzerne - im vorigen Jahr erhöhten die 30 größten deutschen Familienkonzerne den Umsatz im Schnitt zweieinhalbmal so stark wie die Dax-30- Werte. In Krisenfällen kann die Enge Verbindung zwischen Inhaber und Unternehmen aber zum Problem werden.

DÜSSELDORF. Nicht immer sind die Inhabergeführten mit ihrem familiären System überlegen: "In der Krise versagen viele Familienunternehmen völlig", beobachtet Anton Stumpf, Gründer und Chef der Unternehmensberatung Elias Group. Dann können Vorteile wie langfristige Strategie, Leidenschaft fürs Geschäft und die enge Verbindung zwischen Inhaber und Unternehmen zum Problem werden.

Krisenmanager Stumpf kennt die "enorme Schwingung im Negativen", die bei typischen Familienfirmen in der Krise einsetzt. Der gebürtige Österreicher hat bislang 180 familiendominierte Unternehmen durch die Krise begleitet mit seiner Unternehmensberatung, deren Name "Elias" sich auf den Propheten im Alten Testament bezieht, der den Erlöser ankündigte. Auch Stumpf sieht sich als Retter gebeutelter Unternehmen.

Andere Experten bestätigen Stumpfs Erfahrung: "Eine Familie ist immer auch ein Risiko", sagt Fritz B. Simon, Professor an der Uni Witten-Herdecke. In der Krisenphase kann dieses soziale Gebilde die Firmenexistenz bedrohen. Vor allem die starke emotionale Beziehung zwischen dem Eigentümer und seinem Betrieb hat zwei Seiten. Zum einen sind Leidenschaft, Identifikation und Herzblut des Unternehmers Grundlagen des Erfolgs. "Familien hängen mit Haut, Haaren und Herz am Unternehmen", sagt Burkhard Jung, der als Krisenmanager für mittelständische Unternehmen bei der Berliner CMS Sozietät für Unternehmensberatung arbeitet. Dies führe zu der günstigen Mischung aus Verantwortungsbewusstsein und Engagement.

Doch die enge emotionale Bindung ans Unternehmen verhindert laut Jung in vielen Fällen die kritische Distanz, die notwendig ist, um Krisensignale rechtzeitig zu erkennen, objektive Entscheidungen zu treffen und schnell zu handeln. Beispiel Grundig: Kritiker sehen im Eigensinn des 1989 verstorbenen Gründers Max Grundig bereits den Grundstein für den späteren Niedergang des Konzerns.

Der Unternehmertyp, der einen familiär bedingten Lebensauftrag erfüllen müsse, neige zur Verdrängung, erläutert Elias-Chef Stumpf. "Er lässt die Krise nicht zu, sie darf einfach nicht sein." In der Illusion, dass es schon wieder gut werde, suchten sich viele ihre Anerkennung in Nebenjobs - wie etwa als Präsident in einem lokalen Verein oder Verband.

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