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23.11.2016

08:43 Uhr

Kritik an der Firmenführung 4.0

Irre Abenteuer aus der Start-up-Welt

VonThorsten Giersch

Ein Journalist verliert seinen Job und heuert bei einem Start-up an. Was er dort erlebt, macht ihn fassungslos. In einem Buch geht er mit den Praktiken hart ins Gericht. Man sollte daraus lernen.

Das Buch von Dan Lyons „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“ ist eine Abrechnung mit der Gründerszene. obs

Start-ups

Das Buch von Dan Lyons „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“ ist eine Abrechnung mit der Gründerszene.

DüsseldorfBetroffenheitsjournalismus ist eine schwierige Sache. Noch komplizierter ist Betroffenheitspublizistik: Einem Autor wird aus seiner Sicht übel mitgespielt und daraus entsteht ein Buch. Rachegefühle sorgen dann schnell für eine Subjektivität, die dem Anspruch eines Sachbuchschreibers nicht gerecht wird. Manchmal sind diese Bücher aber dennoch lesenswert.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Bei Dan Lyons ist das der Fall. Sein Buch „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“ ist grundsätzlich eine Abrechnung mit einem Start-up. Das wäre grundsätzlich okay, schließlich darf man dem Autor eine scharfe Beobachtungsgabe und Präzision zutrauren. Allerdings verallgemeinert Lyons sehr stark und wirft leicht übertrieben gesagt alle Start-ups in einen Topf. Rund 25 Jahre als IT-Journalist geben ihm scheinbar Hintergrundinformationen en masse.

Aber weil das so gefährlich ist, sollte das Buch – um es mit Nietzsche zu sagen – mit spitzen Fingern gelesen werden. Des Öfteren schießt der Autor über das Ziel hinaus mit seinen Verallgemeinerungen und der Boshaftigkeit, mit der die Vorgänge in der Firma kritisiert, in der er gearbeitet hat. Aber – und darin liegt der Wert seines Buches – es ist ein hervorragender Gegenentwurf zu den Mythen und Klischees der Silicon-Valley-Welt. Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte.

Dan Lyons war viele Jahre lang Journalist. Als er mit 52 beim Newsweek-Magazin dem Sparzwang zum Opfer fiel, musste er bei einem Start-up anheuern – der Software-Schmiede HubSpot. Was er hier erlebte, spottet jeder Beschreibung aus Sicht eines kritischen IT-Journalisten, der mit den Vorstellungen der “alten” Unternehmenswelt ausgestattet ist. Dem Leser amüsiert und schaudert es auf jeder Seite, wenn es zum Beispiel heißt: “Ein Großteil dieser Gründergeneration besteht aus ziemlich unangenehmen Typen”.

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