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11.08.2011

17:22 Uhr

Kritik an Eon-Chef Teyssen

Wenn Energiebarone zu Feindbildern werden

Der Versorger RWE hat einen designierten neuen Chef - und Jürgen Großmann ist ein Auslaufmodell. Der war in der Debatte um die Energiewende zum Prügelknaben geworden. Auch für diese Rolle ist ein Nachfolger gefunden.

Eon-Chef Johannes Teyssen hat einen schweren Stand. Quelle: AFP

Eon-Chef Johannes Teyssen hat einen schweren Stand.

DüsseldorfSie waren so etwas wie Deutschlands Vorzeige-Unternehmer: Jürgen Großmann, der Bärbeißige; Johannes Teyssen, der Schnelldenker. Doch mit der Energiewende der Bundesregierung, wendete sich auch für die Energiebarone das Blatt. Sie wurden zu den Buhmännern an der Spitze von Konzernen, die sich gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung gestellt hatten.

Jetzt erhalten sie dafür die Quittung. Großmann hat bereits einen designierten Nachfolger, und Teyssen muss zur Stunde den Eon-Mitarbeitern erklären, wieso er massenweise Stellen streicht. Erst stellte er sich den Beschäftigten in der Düsseldorfer Zentrale. Um 15 Uhr hat dann in Essen bei der wichtigsten Eon-Tochter, Ruhrgas, eine Belegschaftsversammlung begonnen, die bis in den Abend angesetzt war. Die 200 Millionen Euro teure neue Zentrale des Sorgenkinds steht laut Gerüchten zur Disposition. Dabei haben die Ruhrgas-Mitarbeiter sie erst im vergangenen Oktober bezogen. Das damals verlassene alte Gebäude in guter Innenstadtlage hat noch immer keinen neuen Nutzer. Wenn Ruhrgas jetzt geht, hätte die Stadt zwei riesige leerstehende Konzernzentralen.

Die Kritik ist heftig, nachdem Eon am Mittwoch angekündigt hatte, bis zu 11.000 der konzernweit 79.000 Stellen zu streichen. Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist düster. Und die Bereitschaft, Journalisten Auskunft zu geben, ist gering. „Hier hat jeder Angst. Ich möchte nicht darüber sprechen“, sagt ein Essener Eon-Angestellter im Vorbeigehen. In Düsseldorf vor der Konzern-Zentrale sieht es ähnlich aus: „Kein Kommentar“, lautet die häufigste Äußerung. Zu groß ist die Sorge, in der jetzigen Situation das Falsche zu sagen und der erste zu sein, der gehen muss. Um die Mittagszeit laufen kleine Gruppen tuschelnd aus den Gebäuden. Die Frage, die immer wieder zu hören ist: „Welche Leute gehen weg?“

Über den Arbeitsplatzabbau war zuvor schon tagelang spekuliert worden. Der Konzern begründete ihn mit den hohen Ertragseinbußen in Folge des von der Politik beschlossenen vorzeitigen Atomausstiegs. Details will der Konzern im Herbst bekanntgeben. Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass bis zu 60 Prozent der Stellen in Deutschland wegfallen könnten, wo Eon derzeit noch 35.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Damit macht sich Teyssen viele Feinde. Eon-Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer wetterte: „Scheinbar fällt dem Vorstand außer Personalanpassungen und Sparmaßnahmen nichts ein.“ Prüfer zeigte sich empört, weil er nach eigenen Worten vom Vorstand nicht zu den Veranstaltungen am Mittwoch eingeladen worden war. „Anstand zählt hier offenbar nicht mehr.“ Verdi-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott warf dem erst seit Mai 2010 amtierenden Teyssen vor, das Unternehmen „auf dem Rücken der Beschäftigten“ neu auszurichten.

Massive Kritik kommt auch aus dem Regierungslager und der Opposition. Prüfer hat für Freitag SPD-Chef Sigmar Gabriel zu einer außerordentlichen Sitzung des Konzernbetriebsrats in Düsseldorf eingeladen. Gabriel hat ebenso wie der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider zugesagt. Der SPD-Vorsitzende hatte Eons Ankündigung kritisiert. „Entscheidend ist, dass die Folgen von Fehlentwicklungen im Unternehmen nicht einseitig den Arbeitnehmern aufgebürdet werden. Aktionär ist man nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten.“

Kommentare (2)

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Andsy

11.08.2011, 17:57 Uhr

Wenn die gesamte Vorstandschaft auf die Hälfte ihrers Gehaltes verzichten würden,müssten die andern nicht darunter leiden.Aber es stört die Hohen Herren nicht, was aus den Familien und anderen wird. Hier steht die Gier an Erster stell.

Axel

12.08.2011, 12:04 Uhr

Sehr geehrter Herr Gabriel,
die Aktionäre (Eigentümer des Konzernes) haben bereits mehr als genug, Dividendenkürzung Aktienkursverfall zur zukünftigen Neuaufstellung des Konzerns beigetragen. Natürlich haben die Kernkraftwerke einen erheblichen Teil des vergangenen Konzerngewinnes beigetragen und konnten so eventuell die Verwaltungsarbeitsplätze quersubventionieren. Auch die einseitige Darstellung in der Presse gegenüber den jetzt einschneidenen Maßnahmen der Energiekonzerne ist so nicht mehr nachvollziehbar. Warum hat man nach Fukushima keine Volksabstimmung zum Ausstieg angesetzt? - Ich bin der Überzeugung das der überwiegende Teil der Bevölkerung für günstigen Strom votiert hätte. Wenn die Bevölkerung die Wahl zwischen grünen Strom zu einem Preis von 25 Cent die Kilowallstunde und einen Preis von 20 Cent Atomstrom die Wahl hätte, bin ich mir sicher wie sich die überwiegend arbeitende Bevölkerung entscheiden würde. Nur dass ich nicht falsch verstanden werde, der Atomausstieg ist langfristig mit Sicherheit richtig. Dieser hätte aber in einem europäischen Konsens erfolgen müssen. Jetzt auf die Konzernlenker von RWE und E-on auch seiten Medien und auch Politik eindzudreschen ist auch nicht fair. Schließlich müssen diese nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunken gegenüber den Eigentümern verantworten und nicht wie in der Politk bei dieser Energiewende der Planwirtschaft zuwenden.

Außerdem: Wenn jetzt gesagt wird die Energiekonzerne haben den Eintritt in die erneuerbaren Energien verschlafen, kann ich dem nur entgegnen, dass die Konzerne da investieren wo die Rendite am höchsten ist (Kernenergie), alles andere wäre dumm.

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