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25.01.2007

08:25 Uhr

Kritik an Konzernführung

Ein Siemens-Patriot gegen von Pierer

VonChristoph Hardt

Heinrich von Pierer wird es nicht leicht haben. Der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende muss nach dem schrecklichen Jahr 2006 auf der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag Rede und Antwort stehen. Sein größter Widersacher in der Münchner Olympia-Halle: Manfred Meiler, Vertreter des Vereins der Belegschaftsaktionäre.

MÜNCHEN. Bis zu einem gewissen Grade sind Karrieren planbar. Doch dann kommt es anders. Heinrich von Pierer hat vieles erreicht, aber am Donnerstag muss der langjährige Konzernchef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende auf der Hauptversammlung der Siemens AG sogar um seinen guten Ruf kämpfen. Es wird ihm die Aufgabe nicht leichter machen, dass er es dabei mit Leuten zu tun bekommt, die alles andere im Sinn haben, als ihrer aller Unternehmen zu schädigen.

Wäre Siemens ein Land, dann würde Manfred Meiler als Patriot durchgehen. Sein ganzes Berufsleben hat der Volkswirt dem Technikriesen gewidmet, er ist politisch aktiv und ehrenamtlich tätig. Dazu gehört auch der Job, der ihn heute in der Olympia-Halle zu einem der wohl am meisten beachteten Gegenspieler von Vorstand und Aufsichtsrat machen wird: Meiler führt den Verein der Belegschaftsaktionäre. Auf dem Papier ist dieser Club natürlich so gut wie unbedeutend, knapp 150 Mitglieder, ein paar Stimmrechte. Dennoch ist Meiler wichtig, er ist keiner der üblichen HV-Spötter oder berufsmäßigen Kleinaktionärsvertreter. Er wird heute mit der Autorität eines Siemensianers reden, er ist einer von den Hunderttausenden, die lange Jahre mit Stolz bei der Arbeit waren. Und die nun erleben, wie ihr Konzern so gut wie jeden Tag öffentlich als Schmiergeld-Unternehmen durch den Kakao gezogen wird. Zudem: Meiler weiß 5 000 Beschäftigte hinter sich, die ihre Stimmrechte an den Club abgetreten haben. So kommt es zu einem seltenen Schauspiel, einem Stück ehrlicher Mitbestimmung: Die Belegschaft sagt den Chefs mittels Meiler öffentlich die Meinung.

Und diese Abrechnung dürfte deftig ausfallen, der Mann mit dem Schnauzbart pflegt eine bajuwarisch-deutliche Sprache, er wird Vorstand und Aufsichtsrat wegen der Gehaltserhöhung der Vorstände und der Pleite von BenQ die Gefolgschaft, sprich die Entlastung verweigern. Von Entlassung oder Rücktritt aber wird keine Rede sein. Gerade weil der Korruptionsskandal Siemens in den Grundfesten erschüttert, könne man sich kein Vakuum an der Spitze erlauben, sagt Meiler. Er spricht damit das aus, was viele Kleinaktionäre denken. Eine unkalkulierbare Führungskrise will niemand.

Denn derzeit ist völlig unklar, ob nicht noch weitere Mitglieder des Zentralvorstands in die Reihe der Beschuldigten geraten. Schon haben die Anwälte der bisher Beschuldigten den Namen Joe Kaeser, des Finanzchefs, in die Öffentlichkeit gespielt. Unsicher ist zudem, ob und wie Konzernchef Klaus Kleinfeld aus der Krise findet. Meiler wird daher Watschen verteilen, vielleicht sogar eine Abreibung erteilen. Nur eine Hinrichtung wird es nicht geben.

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