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12.01.2011

08:00 Uhr

Kritischer TV-Bericht

Streit zwischen AWD-Gründer Maschmeyer und ARD eskaliert

VonThomas Schmitt, Hans-Peter Siebenhaar

Der Streit um die ARD-Dokumentation "Der Drückerkönig und die Politik" verschärft sich. Carsten Maschmeyer, Gründer des Finanzvertriebs AWD, hat versucht, die Ausstrahlung der Sendung am heutigen Mittwoch zu verhindern. Der Grund: Der Film zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild des Managers.

Carsten Maschmeyer mit Lebensgefährtin Veronica Ferres: Eine Reportage zeigt den AWD-Gründer in keinem guten Licht. Quelle: dpa

Carsten Maschmeyer mit Lebensgefährtin Veronica Ferres: Eine Reportage zeigt den AWD-Gründer in keinem guten Licht.

DÜSSELDORF. Der Film zeigt sein enges Verhältnis zur rot-grünen Regierung ("Hannover-Clique") und analysiert, wie die engen Kontakte dorthin - allen voran zu Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) - dem Geschäft des AWD nutzten.

Aus der Sicht von Maschmeyer sei die Reportage "unter eklatantem Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht entstanden". Das schreibt sein Anwalt, Matthias Prinz, an den NDR. Der Hamburger Promi-Anwalt kritisiert, dass der NDR seinem Mandanten keinerlei Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben habe. Es seien keine Recherchefragen gestellt worden. Das geht aus einem Schreiben vom 10. Januar hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Der NDR weist die Darstellung Maschmeyers zurück. "Seit 2008 hat das NDR-Fernsehen zehn Interviewanfragen an Herrn Maschmeyer gestellt", sagte NDR-Reporter Christoph Lütgert dem Handelsblatt. Nur am Rande einer Veranstaltung in Frankfurt gab Maschmeyer dem NDR ein "Spontaninterview".

Die ARD will deswegen trotz der Intervention des Medienanwalts Prinz die Dokumentation über Maschmeyer an diesem Mittwoch (21.45 Uhr) senden. „Bislang gibt es nichts, was einer Ausstrahlung der Dokumentation entgegenstünde“, sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke. Bei der redaktionellen Abnahme des Films „ARD-exclusiv: Der Drückerkönig und die Politik. Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer“ habe auch das NDR-Justiziariat mitgewirkt.

Kommentare (38)

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Harry

12.01.2011, 09:22 Uhr

Warum wollen bonzen wie Maschmeyer nicht, dass die Wahrheit öffentlich dargestellt wird ? Jeder weiß doch, dass solche imperien auf betrug und persönlichen beziehungen zur Herrschaftsklasse basieren !

Mickey Mouse

12.01.2011, 10:55 Uhr

ist es denn nicht so, dass sich derjenige, der sich am meisten verteidigt auch selber anklagt?
Der AWD hat in der Finanzbranche nicht den besten Namen und Maschmeyer ist absolut Geld- und Karriergeil.
Seine Anteile am AWD hatte er für einen Hammerpreis an die Swiss-Live verscherbelt mit der Maßgabe, dass er einen Posten im Vorstand bekommt. Maschmeyer im Vorstand einer Lebensversicherung! Whow, das hat er sich wohl irgendwann einmal gewünscht.
Das sein Geschäftserfolg teilweise auf dem beschiss von Anlegern und Kleinkunden beruht scheint ihn nicht zu jucken.
Das Unternehmen wie der AWD auf dem Finanzdienstleistungssektor so erfolgreich sein konnten, liegt allerdings auch an den laschen Zugangsvoraussetzungen für Verkaufsmitarbeiter.

Jeder "Depp" der seinen Namen fehlerfrei schreiben kann, ein Telefon festhalten kann und in der Lage ist mit einem Auto zu einem Kunden zu fahren, war in der Vergangenheit Ruck-Zuck ein übermotivierter Außendienstmitarbeiter. Chaka-chaka, hier kommen die Finanzberater.
Und wo kommen deren Kunden her? Na, erst mal aus dem Freundes- und Verwandtenkreis. Nachdem die abgegrast worden sind, hatten viele keine Freunde mehr oder ein gestörtes Verhältnis zu ihren Familien.
Maschmeyer und Co. haben mit ihren Geschäftspraktiken oftmals mehr als nur finanziellen Schaden bei Kunden und Mitarbeitern angerichtet.
Die Finanzdienstleistungsbranche ist viel zu finanzträchtig und zu wichtig, als das man nicht über sie berichten sollte.

Herrr Lütgert, haben Sie den Mut weiter in dieser Art und Weise zu recherchieren und zu berichten. Seien Sie ein bißchen "WikiLeaks"!!

B. Giertz

12.01.2011, 10:57 Uhr

Wer einmal in dieser branche gearbeitet hat, der weiß dass der AWD nie so objektiv und unabhängig war wie er immer vorgegeben hat.
Alleine die Anzahl der Vetragspartner war dazu viel zu gering !
(banken, Versicherungen + investment-Gesellschaften)
Hinzu kommt der Druck auf die Mitarbeiter, die ja kein festes basis-Gehalt bekommen.
Spätestens durch die direkte beteiligung an oder durch eine bank/Versicherung ist es dann entgültig vorbei mit der Objektivität und Unabhängigkeit.

Das sind Fakten, da kann man nichts wegdiskutieren !

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