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19.01.2004

07:00 Uhr

HB ST. PETERSBURG. Manchmal, wenn Swjatoslaw Luther bis morgens um drei Uhr in seiner kleinen Küche sitzt, Partituren liest und dabei seine Gedanken schweifen lässt, verliert sich der 32-Jährige in einen Traum.

Es ist ein Traum, der schon jetzt in seinen Ohren klingt und den er sehen kann, wenn er die Augen schließt. Luther sieht sich, wie er im Jahr 2011 auf einem Podest steht und dirigiert, neunmal, nacheinander jede einzelne Symphonie von Gustav Mahler.

„Acht Jahre habe ich da noch.“ Luther sagt das mit einem Lächeln, aber er meint es mit ganzem Ernst. Und kaum einer aus der Musikerszene in St. Petersburg würde darauf wetten, dass er dieses Ziel nicht erreicht – wenn er es wirklich will.

Denn Swjatoslaw Luther ist einer von jenen russischen Nachwuchskünstlern, die sich in einer Zeit einen Namen gemacht haben, die es nicht gut meinte mit der Kunst. Als er Mitte der 90er-Jahre die Petersburger staatliche Rimskij-Korsakov-Akademie für Musik verließ, hatten die Menschen nur noch wenig Geld übrig für Konzertkarten. Es war immer noch die Zeit des Überlebens nach dem Ende der Sowjetunion, und es war auch bald die Zeit der Rubel-Krise.

Doch Luther ließ sich nicht von seinem Weg abbringen, zu fest war er in einer Musikerfamilie verwurzelt: Sein Vater war Professor für Musik, die Mutter unterrichtete am Konservatorium. „Mit vier fing ich das Klavierspiel an.“ Und ab diesem Moment gehörte sein Leben der Musik. „Ich habe nicht viele andere Hobbys“, sagt er. „Aber die brauche ich auch nicht.“ Luther wirkt auf sympathische Art wie einer, der sich selbst genug ist.

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