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05.01.2007

08:00 Uhr

L. Vaughan Spencer

Englands Coach und Komödiant

VonDirk Heilmann

L. Vaughan Spencer ist Englands ungewöhnlichster Management-Trainer. Denn eigentlich heißt er Neil Mullarkey und ist Stand-up-Comedian. Vor sieben Jahren hat er begonnen, Kurse für Unternehmen anzubieten – und kann sich vor Aufträgen kaum retten.

LONDON. Zu fetziger Pop-Musik stürmt L. Vaughan Spencer die Bühne. Selbstgewiss breitet der drahtige Mann im orangefarbenen Anzug die Arme aus und streut Lebensweisheiten ins gespannt wartende Publikum. „Ich glaube an die Kraft des ,Ja’“, schmettert der Managementguru mit Pferdeschwanzfrisur, Kinnbart und Ohrring. Heute Abend könne er nur eine kleine Einführung in seine Philosophie geben, doch wer Kurse wie das „Watford Warrior Weekend“ besuche, dessen Karriere werde garantiert abheben. Bis dahin helfe die Lektüre seines Buchs „Die sieben Hobbys erfolgreicher Menschen“.

Dann greift sich „L-Vo“, wie seine Jünger ihn nennen, zielsicher Dave, einen Buchhalter mit leicht gebeugter Körperhaltung, aus dem Publikum und fragt ihn aus: „Dave, du bist kein Versager, du bist ein Nicht-Erreicher“, baut er ihn auf. Dann animiert er das Publikum zu motivierenden Sprechchören in Richtung des Gesprächspartners: „Dave, wir schätzen dich!“ Bis hierhin könnte das Ganze noch als eines jener Managementseminare durchgehen, wie sie jeder insgeheim fürchtet. Gekonnt mischt Spencer Trivialpsychologie mit Esoterik und klischeehaften Managementweisheiten, nötigt Zuschauer zu peinlichen Rollenspielen und lässt sie Zettel ausfüllen.

Doch der Abend findet nicht im Tagungszimmer eines Kettenhotels am Stadtrand statt, wie so manche Firmen-Fortbildung – sondern in einem Keller im Londoner Amüsierviertel Soho, genauer gesagt im Comedy Store, einem der besten Clubs der Metropole für Fans von Stand-up-Comedy.

Auch L. Vaughan Spencer ist eigentlich Stand-up-Komödiant. Oder besser: Er ist die Erfindung eines Stand-up-Komikers. Der ebenso eitle wie geschäftstüchtige Coach ist eine Kunstfigur, entsprungen dem Hirn von Neil Mullarkey. Alle paar Wochen tritt Mullarkey als L-Vo mit dem preisgekrönten Programm „Don’t be needy, be succeedy“ (etwa: Sei nicht bedürftig, sei erfolgig“) auf. Öfter allerdings – und das gibt Spencer die authentische Würze – gibt er selber als Management-Coach Seminare. „Meine Inspiration für L-Vo sind Seminare anderer Trainer, die ich gesehen habe. Und Managementbücher“, sagt Mullarkey, „und ein bisschen auch ich selbst.“

Vor sieben Jahren hat er begonnen, Kurse für Unternehmen anzubieten, zwei Jahre später kreierte er die Bühnenfigur Spencer. Bei seinen Kursen nutzt Mullarkey die Methoden des Improvisationstheaters, um Rollenverhalten aufzubrechen und zum Beispiel drögen und verstaubten Vertriebsmitarbeitern beizubringen, wie man eine interessante Geschichte erzählt.

Mullarkeys Comedywurzeln reichen viel weiter zurück: Schon als Student der Wirtschaftswissenschaften, Soziologie und Politologie in Cambridge leitete er die dortige Theatertruppe „Cambridge Footlights“. Nach dem Studienabschluss konzentrierte er sich auf die Bühnenkarriere, die ihn als Improvisationskomiker zum Comedy Store brachte. Trotz seiner Erfolge – unter anderem eine Nebenrolle im weltweiten Filmhit „Austin Powers“ – stellte er sich irgendwann die Frage, ob er den Rest seines Lebens als Komiker auftreten wolle.

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