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24.04.2017

12:45 Uhr

Lafarge-Holcim

Syrien-Affäre kostet Konzernchef den Job

Lafarge-Holcim wird vorgeworfen, Schutzgelder an den IS gezahlt zu haben. Nun wechselt der Zementriese den Konzernchef aus. Eine Verwicklung in den Syrien-Fall leugnet Eric Olsen allerdings.

Die Suche nach einem Nachfolger werde umgehend eingeleitet, teilte der Konzern mit. Reuters

Eric Olsen

Die Suche nach einem Nachfolger werde umgehend eingeleitet, teilte der Konzern mit.

ZürichDie Affäre um Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg holt nun auch den Konzernchef des Schweizer Zementriesen Lafarge-Holcim ein. Eric Olsen trete Mitte Juli nach nur zwei Jahren in dem Amt zurück, teilte der Weltmarktführer am Montag mit. Einer internen Untersuchung zufolge seien die Maßnahmen zur Weiterführung des Betriebs in dem nordsyrischen Werk 2013 und 2014 nicht akzeptabel gewesen. Olsen trage aber keine Verantwortung für die Fehler.

Der CEO erklärte, er trete zurück, um die Spannungen beizulegen, die sich rund um den Syrien-Fall entwickelt hätten. „Obwohl ich in keinerlei Fehlverhalten involviert war oder davon Kenntnis hatte, denke ich, dass mein Rücktritt dazu beitragen wird, Ruhe in ein Unternehmen zu bringen, das während Monate diesbezüglich im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.“

Menschenrechtsorganisationen hatten 2016 eine Anzeige eingereicht. Sie warfen dem Unternehmen vor, die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezahlt zu haben, um den Betrieb eines Werks in Syrien aufrechtzuerhalten. Inzwischen räumte Lafarge-Holcim ein, dass das Unternehmen über Mittelsmänner Zahlungen an bewaffneten Gruppen gemacht habe, um die Versorgung des Werks und die Bewegungsfreiheit der Mitarbeiter sicherzustellen. Der Fall könnte auch ein juristisches Nachspiel haben. Im Oktober hatte die französische Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit Geschäften in Syrien Ermittlungen aufgenommen.

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Dem Zementkonzern Lafarge-Holcim wird vorgeworfen, Schutzgelder an den IS gezahlt zu haben. Auch für eine Mitwirkung am Mauerbau an der Grenze zu Mexiko zeigt sich der Konzern offen. Die Kritik wird immer lauter.

Lafarge-Holcim habe umgehend die Suche nach einem Nachfolger für Olsen eingeleitet. Solange die Stelle nicht besetzt sei, übernehme Verwaltungsrats-Präsident Beat Hess interimistisch die Leitung des Unternehmens. Europa-Chef Roland Köhler trete zudem Mitte Juli die Funktion als Chief Operating Officer an. Obwohl Lafarge-Holcim nicht mit wesentlichen finanziellen Belastungen durch den Syrien-Fall rechnet, reagierten die Anleger negativ. Die Aktie sank um 1,2 Prozent, während der europäische Bauaktienindex aus Erleichterung über die Frankreich-Wahlen um 2,7 Prozent kletterte.

„Das gegenwärtige Management-Vakuum dürfte die ohnehin schon ambitiösen Ziele um zwölf Monate zurückwerfen“, erklärte Bernstein-Analyst Phil Roseberg. Die Suche nach einem neuen, wahrscheinlich von außen kommenden CEO und mögliche strategische Korrekturen kosteten Zeit. Bis 2018 will das Zürcher Unternehmen den bereinigten Betriebsgewinn auf sieben Milliarden Franken steigern von zuletzt 5,8 Milliarden.

Der Zusammenschluss der französischen Lafarge und der Schweizer Holcim Mitte 2015 war eine schwere Geburt, weil die Kulturen der beiden Firmen nicht richtig zusammen passten. Viele Manager verließen das Unternehmen in dem Prozess, darunter auch Präsident Wolfgang Reitzle. Olsen, der als Konzernchef nur zweite Wahl war, hatte einen schweren Start, der neugeschaffene Konzern hinkte Konkurrenten wie Heidelberg Cement zunächst hinterher. Immerhin begannen die Sparanstrengungen inzwischen zu greifen begonnen und das Unternehmen schien Kurs auf ruhigere Gewässer zu nehmen.

Die Syrien-Affäre kommt deshalb zur Unzeit. Der von externen Anwälten erarbeitete Bericht kommt zum Schluss, dass neben lokalen Mitarbeitern auch Mitglieder des Konzernmanagements von den Verletzungen der Geschäftsgrundsätze wussten. Namen nannte Lafarge-Holcim keine. Der Verwaltungsrat habe aber nicht den Eindruck, dass Olsen von dem Fehlverhalten Kenntnis hatte. Der Manager, der einen US- und einen französischen Pass besitzt, war in der betreffenden Zeit für die operativen Abläufe bei Lafarge verantwortlich.

Das inzwischen aufgegebene Werk gehörte damals der französischen Lafarge. Olsen ist nicht der erste, der über die Syrien-Affäre stolpert. Zuvor hatte bereits der frühere Lafarge-Lenker Bruno Lafont seinen Rückzug aus dem Lafarge-Holcim-Verwaltungsrat angekündigt, ohne allerdings einen klaren Grund zu nennen.

Von

rtr

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