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30.04.2017

08:10 Uhr

Aktionärsbriefe mit Kultstatus

„Lieber Aktionär!“

VonKatharina Kort

Von Weltlage bis Managementtipp: In den USA sind Briefe an die Anleger Kult. Das lässt sich von den beliebtesten Autoren, ob Investoren-Legende Warren Buffett, Banker Jamie Dimon und Online-Händler Jeff Bezos, abgucken.

Investoren-Legende Warren Buffett gilt als „Vater“ der Aktionärsbriefe. Der 86-jährige Milliardär hat in diesem Jahr den 53. Aktionärsbrief seiner Berkshire Hathaway Holding veröffentlicht. Das „Orakel von Omaha“ hat seinen Anlegern über Jahrzehnte extrem hohe Renditen beschert, daher gilt  Buffetts Schreiben als Pflichtlektüre für Klein- und Großanleger. picture alliance / AP Photo [m]

Warren Buffett

Investoren-Legende Warren Buffett gilt als „Vater“ der Aktionärsbriefe. Der 86-jährige Milliardär hat in diesem Jahr den 53. Aktionärsbrief seiner Berkshire Hathaway Holding veröffentlicht. Das „Orakel von Omaha“ hat seinen Anlegern über Jahrzehnte extrem hohe Renditen beschert, daher gilt Buffetts Schreiben als Pflichtlektüre für Klein- und Großanleger.

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„Lassen Sie es nie zu Tag 2 kommen, denn Tag 2 ist Stillstand. Gefolgt von Irrelevanz. Gefolgt von qualvollem, schmerzhaftem Niedergang. Gefolgt vom Tod. Und deshalb ist immer Tag 1.“ Mit diesen markigen Worten in seinem jüngsten Brief an die Aktionäre hat Amazon-Gründer Jeff Bezos gerade für Aufregung gesorgt. Auf drei Seiten kondensierte der Unternehmenschef seine Weisheiten für Firmenlenker, die ein Management-Handbuch locker ersetzen können.

In den USA haben viele Aktionärsbriefe Kultstatus erreicht. Das gilt vor allem, wenn sie von Unternehmern wie Jeff Bezos, von Investoren-Legende Warren Buffett oder vom JP-Morgan-Banker Jamie Dimon stammen. Keine langweiligen Traktate, sondern Weisheiten, die die Erfolgreichen mit der Welt teilen. Aus ihnen kann der Leser nicht nur viel über das Management des jeweiligen Unternehmens erfahren. Oft kann er auch Management-Lehren für sich selbst daraus ziehen. Dabei ist das Schreiben der Epistel an die Anteilseigner eine Kunst für sich, die längst nicht alle Vorstände beherrschen.

Was gute Führung ausmacht

Flexibilität und Diversität

Laut einer Umfrage der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" unter 400 Führungskräften sind Flexibilität und Diversität sind weitgehend akzeptierte Erfolgsfaktoren. Das Arbeiten in beweglichen Führungsstrukturen, mit individueller Zeiteinteilung und in wechselnden Teamkonstellationen ist aus Sicht der meisten Führungskräfte bereits auf einem guten Weg. Die Idee der Förderung von Unterschiedlichkeit ist demnach in den Unternehmen angekommen und wird umgesetzt. Die Beiträge zur Führungskultur gerade aus weiblichen Erfahrungswelten werden äußerst positiv bewertet.

Prozesskompetenz

Prozesskompetenz ist für alle das aktuell wichtigste Entwicklungsziel. 100 Prozent der interviewten Führungskräfte halten die Fähigkeit zur professionellen Gestaltung ergebnisoffener Prozesse für eine Schlüsselkompetenz. Angesichts instabiler Marktdynamik, abnehmender Vorhersagbarkeit und überraschender Hypes erscheint ein schrittweises Vortasten Erfolg versprechender als die Ausrichtung des Handelns an Planungen, deren Verfallsdatum ungewiss ist.

Netzwerke

Selbst organisierende Netzwerke sind das favorisierte Zukunftsmodell. Die meisten Führungskräfte sind sich sicher, dass die Organisation in Netzwerkstrukturen am besten geeignet ist, um die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu bewältigen. Mit der kollektiven Intelligenz selbst organisierender Netzwerke verbinden diese Führungskräfte die Hoffnung auf mehr kreative Impulse, höhere Innovationskraft, Beschleunigung der Prozesse und Verringerung von Komplexität.

Ende der Hierarchie

Hierarchisch steuerndem Management wird mehrheitlich eine Absage erteilt. Die meisten Führungskräfte stimmen darin überein, dass Steuerung und Regelung angesichts der Komplexität und Dynamik der zukünftigen Arbeitswelt nicht mehr angemessen sind. Zunehmende Volatilität und abnehmende Planbarkeit verringern die Tauglichkeit ergebnissichernder Managementwerkzeuge wie Zielemanagement und Controlling. Überwiegend wird die klassische Linienhierarchie klar abgelehnt und geradezu zum Gegenentwurf von „guter Führung“ stilisiert.

Kooperationsfähigkeit

Kooperationsfähigkeit hat Vorrang vor alleiniger Renditefixierung. Über die Hälfte der interviewten Führungskräfte geht davon aus, dass traditionelle Wettbewerbsstrategien die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben und das Prinzip Kooperation weiter an Bedeutung gewinnt. Nur noch 29,25 Prozent der Führungskräfte präferieren ein effizienzorientiertes und auf die Maximierung von Profiten ausgerichtetes Management als ihr persönliches Idealmodell von Führung.

Persönliches Coaching

Persönliches Coaching ist ein unverzichtbares Werkzeug für Führung. Mit dem Übergang zur Netzwerkorganisation schwindet der selbstverständliche Schonraum hierarchischer Strukturen. Die Durchsetzung eigener Vorstellungen über Anweisung werde immer schwieriger oder sei gar nicht mehr möglich. Mächtig ist nur, was auf Resonanz trifft. Einfühlungsvermögen und Einsichtsfähigkeit werden dadurch immer wichtiger. Alle Akteure, ob nun Führungskraft oder geführte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bräuchten im Unternehmen mehr Reflexion und intensive Entwicklungsbegleitung.

Selbstbestimmung und Wertschätzung

Motivation wird an Selbstbestimmung und Wertschätzung gekoppelt. Die Führungskräfte gehen davon aus, dass die motivierende Wirkung von Gehalt und anderen materiellen Anreizen tendenziell abnimmt. Persönliches Engagement wird mehr mit Wertschätzung, Entscheidungsfreiräumen und Eigenverantwortung assoziiert. Autonomie werde wichtiger als Statussymbole und der wahrgenommene Sinnzusammenhang einer Tätigkeit bestimme den Grad der Einsatzbereitschaft.

Soziale Verantwortung

Gesellschaftliche Themen rücken in den Fokus der Aufmerksamkeit. In der intuitiven Schwerpunktsetzung der Führungskräfte nimmt die Stakeholder-Perspektive des Ausgleichs der Ansprüche und Interessen von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen einen wachsenden Raum ein. Über 15 Prozent aller frei genannten Beschreibungen im Führungskontext beschäftigen sich mit Fragen der gesellschaftlichen Solidarität und der sozialen Verantwortung von Unternehmen.

Vater des Genres ist der 86-jährige Warren Buffett. Der zweitreichste Amerikaner hat in diesem Jahr den 53. Aktionärsbrief seiner Berkshire Hathaway Holding veröffentlicht. Buffetts Schreiben gilt als Pflichtlektüre für Klein- und Großanleger. Dabei liest der Investment-Guru nach eigenen Angaben auch die Aktionärsbriefe der anderen. Als Muss für alle ernsthaften Unternehmenschefs empfiehlt er den jährlichen Brief von JP-Morgan-CEO Jamie Dimon.

Schließlich hat sich der amerikanische Spitzenbanker Dimon sein eigenes Denkmal unter den Briefeschreibern gesetzt, als er Anfang 2007 darin de facto die Finanzkrise voraussagte: „Wir wissen nicht genau, was passieren wird oder wann, aber wir wissen, dass schlimme Dinge geschehen werden“, schrieb er kurz vor Ausbruch der Krise und begründete damit die Entscheidung, bei den Subprime-Produkten in seinem Hause Vorsicht walten zu lassen. Das stellte sich später als Segen heraus.

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