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24.11.2016

10:24 Uhr

Britta Heidemann

„Jede schlechte Phase ist irgendwann zu Ende“

VonBritta Heidemann

Wer mit Elan durchs Leben geht, dem bieten sich viel mehr Möglichkeiten. Trotzdem geht es nicht immer bergauf, weiß Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann. Ein Gastbeitrag über die schlimmste Niederlage ihrer Karriere.

Die Kölner Fecht-Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin, gewann drei Medaillen bei drei olympischen Spielen. dpa

Britta Heidemann in London 2012

Die Kölner Fecht-Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin, gewann drei Medaillen bei drei olympischen Spielen.

KölnZu einem glücklichen, erfüllten Leben gehören auch Herausforderungen – und je mehr Spaß wir bei deren Bewältigung haben, desto eher meistern wir sie. Durch das Fechten hat die Olympiasiegerin Britta Heidemann gelernt, dass die innere Einstellung entscheidend ist. Denn wer sein richtiges Tempo findet und mit Druck umgehen kann, bewahrt auch in kritischen Situationen das innere Gleichgewicht. In ihrem Gastbeitrag, den sie für unser Businessnetzwerk Leader.In geschrieben hat, erzählt Britta Heidemann, wie sie mit Niederlagen umgeht und warum die Freude an der eigenen Leistung der Schlüssel zum Glück ist.

Was das Leben so spannend macht? Dass es so unvorhersehbar ist. Vor ein paar Monaten wurde ich bei den Olympischen Spielen in Rio von den teilnehmenden Athleten in die internationale Athletenkommission gewählt, um als Stimme der Athleten an der Olympischen Bewegung mitzuwirken. Gerade erst komme ich zurück aus Lausanne vom Internationalen Olympischen Komitee, wo ich einen Einblick in die unterschiedlichen Aufgaben bekommen habe, die in den nächsten acht Jahren auf mich zukommen. Vor ein paar Jahren noch hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal in die internationale Sportpolitik gehen würde, dass ich Autorin von zwei Büchern sein oder beruflich Vorträge zu meinen Erfahrungen aus dem Spitzensport halten würde.

Eine Grundüberzeugung von mir ist: Chancen erarbeitet man sich, und wer offenen Auges und mit Elan durchs Leben schreitet, dem bieten sich ganz einfach mehr Möglichkeiten. Trotzdem geht es nicht immer nur bergauf. Auf der Fechtbahn ist es nämlich wie im echten Leben: Es gibt emotionale Höhenflüge ebenso wie Momente der totalen Verzweiflung. Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Catania beispielsweise lief alles schief und bescherte mir die schlimmste Niederlage meiner Karriere.

Mit diesen Sofortmaßnahmen meistern Sie Rückschläge

1. Keine Panik!

Egal, wie schwer Ihre Krise auch sein mag, reagieren Sie nicht panisch auf die aktuelle Situation. Kurzschlussreaktionen lassen aus lösbaren Problemen kapitale Katastrophen entstehen. Lassen Sie sich nicht von Ihren Emotionen zu unüberlegtem Handeln verleiten. Panik ist kein guter Ratgeber. Stattdessen: Einatmen, ausatmen, weiterleben!

2. Ist-Situation analysieren!

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie Ihre rosarote Brille absetzen müssen. Schluss mit dem Selbstbetrug! Nur ein schonungsloser Realitätscheck kann Sie weiterbringen. Hören Sie auf, anderen die Schuld zu geben. Verlassen Sie die Opferrolle und übernehmen Sie Verantwortung. Nur so werden Sie zum Steuermann Ihres Krisenkahns.

3. Kraft tanken!

In herausfordernden Zeiten ist es besonders wichtig, gut zu sich selbst zu sein. Unabhängig davon, wie viel Arbeit zu leisten ist oder welche Probleme es zu meistern gilt: Nehmen Sie sich Zeit, um neue Kraft zu sammeln. Machen Sie Musik, meditieren Sie, lassen Sie sich verwöhnen. Gerade jetzt! Auch wenn andere es vielleicht nicht verstehen können, tun Sie es trotzdem! Tanken Sie körperliche und geistige Energie. Sie werden sie brauchen.

4. Verbündete suchen!

Machen Sie nicht den Fehler und verfallen Sie in eine Macho-Attitüde wie "Ich bin da allein reingekommen, ich komm da allein auch wieder raus." Sie brauchen Menschen an Ihrer Seite, die Sie als "Förderer und Forderer" unterstützen. Förderer helfen Ihnen, Ihr angeknackstes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Sie brauchen aber auch Forderer! Das sind diejenigen, die Ihnen notfalls in den Hintern treten, wenn Sie nicht ins Handeln kommen. Lassen Sie sich von Profis helfen, die sich mit Ihrem Dilemma auskennen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und sagen Sie: "Ich brauche Hilfe." Ab diesem Moment können Fachleute erst eingreifen, um Sie erfolgreich zu unterstützen.

5. Lösungen erarbeiten!

Erstellen Sie einen Plan, der Sie aus Ihrer Misere herausholen soll. Schreiben Sie glasklar auf, welche Schritte Sie kurz-, mittel- und langfristig durchführen wollen, damit Sie den Turnaround schaffen. Lassen Sie Ihren Plan von Verbündeten und Profis analysieren. Vergessen Sie bitte nicht: Beim letzten Mal hatten Sie sich auch alles vorher ausgemalt, und es hat trotzdem nicht funktioniert! Daher ist es überaus wichtig, dass Sie es diesmal besser machen. Feedback und Input von außen sind dabei sehr hilfreich.

6. Gas geben!

Nachdem sich die Panik gelegt hat, Sie Kraft getankt und sich Hilfe besorgt haben, ist es nun an der Zeit, ins Handeln zu kommen. Setzen Sie Ihren Plan um. Seien Sie diszipliniert: Bleiben Sie am Ball und seien Sie hart zu sich selbst. Denken Sie immer daran: Sie können Ausreden erfinden oder erfolgreich sein - beides zur gleichen Zeit geht nicht!

7. Erfolge feiern und dankbar sein!

Festigen Sie Ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung, indem Sie kleine und große Erfolge zelebrieren - es muss ja nicht gleich eine Magnum-Flasche Schampus sein. Gönnen Sie sich schöne Momente mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden. Bei allen Sorgen, die Rückschläge mit sich bringen, ist es überaus wichtig, Lebensfreude zu verspüren. Diese gibt Ihnen Energie und die Sicherheit, dass sich das Kämpfen lohnt! Und wenn Sie Ihren Frust und Ihre Niederlagen erfolgreich überwunden haben, vergessen Sie nicht, dankbar zu sein, denn Dankbarkeit ist der Schlüssel zu einem erfüllten Leben.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Noch heute erinnere ich mich an diese bitteren Stunden, als sei es erst gestern gewesen. Nach dem Ende der Vorkämpfe war ich wie benebelt. Apathisch saß ich, immer noch schwitzend von der Anstrengung der vorangegangenen Gefechte, in der deutschen Teambox. Ich konnte nicht fassen, was gerade passiert war: Von sechs Gefechten hatte ich nur eines gewonnen! Den ganzen Morgen stand ich neben mir und hatte mir gewünscht, überhaupt nicht hier zu sein. Die Ergebnisse der Vorkämpfe wurden auf den Aushängen am anderen Ende der Halle angeschlagen. Wie ferngesteuert stand ich auf und schlich mich hinüber – mit der dumpfen Hoffnung, es möge doch durch ein Wunder irgendwie gereicht haben, um die nächste Runde der besten Vierundsechzig zu erreichen.

Mein Körper gehorchte mir kaum, jeder Schritt war ein Kampf, meine Beine waren schwer wie Blei. Ich näherte mich der Tafel, wo sich schon eine Traube aus Fechterinnen und Trainern versammelt hatte. Aus dem Augenwinkel nahm ich die Blicke der deutschen Presse wahr, die in der Nähe stand. Ich hielt unwillkürlich die Luft an, während ich auf die Ergebnisliste schaute und nach meinem Namen suchte. Dann sah ich es: Heidemann – Platz 126. Natürlich hatte es nicht gereicht!

Kommentare (1)

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24.11.2016, 12:15 Uhr

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