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07.05.2017

09:27 Uhr

Constanze Klotz

„Wer arbeitet, fühlt sich gebraucht“

VonCarina Kontio

Die Sozialunternehmerin Constanze Klotz führt ein Label, das Menschen Brücken in den ersten Arbeitsmarkt baut. Die Idee: aus alten Stoffresten werden Designstücke. Aus Langzeitarbeitslosen Menschen, die Hoffnung machen.

Das Label Bridge&Tunnel, hinter dem Constanze Klotz (r.) und Lotte Erhorn stecken, arbeitet mit Stoffen, die sonst auf dem Müll landen. (Foto: PR)

Zweites Leben für Jeans

Das Label Bridge&Tunnel, hinter dem Constanze Klotz (r.) und Lotte Erhorn stecken, arbeitet mit Stoffen, die sonst auf dem Müll landen.

(Foto: PR)

Die Unternehmerin Constanze Klotz ist als promovierte Kulturwissenschaftlerin bei Bridge&Tunnel mit Kommunikation, Fundraising und Kooperationen befasst. Das Label, das sie gemeinsam mit Charlotte Erhorn führt, möchte in Hamburg Brücken in den ersten Arbeitsmarkt bauen. Mit ihr sprechen wir über die Themen Design als Jobmotor, Perspektiven für Arbeitslose und über das, was sie sich mit ihrem jungen Start-up noch alles vorgenommen hat.

Frau Klotz, sprechen wir über Ihre Mission. Erzählen Sie uns von Bridge&Tunnel – was ist das genau und wer steckt dahinter?
Hinter dem Label stecken meine Wenigkeit und meine 'Partnerin in crime', Hanna Charlotte Erhorn. Ich bin Kulturwissenschaftlerin, Lotte ist Textildesignerin. Wie wir finden eine perfekte Kombination für unsere Idee eines textilen Sozialunternehmens. Bridge&Tunnel ist ein Social-Design-Label, das sich nichts Geringeres vorgenommen hat, als Gesellschaft durch Design zu verändern.

Na, das klingt aber ganz schön ambitioniert! Verraten Sie uns, wie Sie das schaffen wollen?
Wir fertigen lokal und fair: mit Frauen und Männern, die lange Zeit keinen Job finden konnten, aber tolle handwerkliche Fertigkeiten haben sowie mit Geflüchteten, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland gekommen sind. Für unser Design verwenden wir post- und preconsumer waste. Deshalb ist jedes Produkt ein Unikat. So verhelfen wir wertvollen Materialressourcen zu einem neuen Leben und hoffnungsvollen Talenten aus aller Welt zu einem erfüllenden Job mit Anerkennung.

Überzeugen Sie mich: Warum sollte ich für einen Teppich aus alten Jeansresten, die sonst auf dem Müll landen würden, 299 Euro bezahlen?
Weil in unserem Teppich viel Liebe, vor allem aber jede Menge Handarbeit steckt. Wir fertigen ja unter anderem aus postconsumer waste, das sind bereits getragene, zerschlissene Jeans, deren Lebensdauer im Patchworkverfahren aber noch verlängert werden kann. Für einen Teppich mit einem Durchmesser von einem Meter werden 42 Jeans verarbeitet, die dann in stundenlanger Handarbeit geflochten und wie eine Lakritzschnecke zu einem Teppich aufgerollt werden.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Das erinnert mich ein bisschen an Rumpelstilzchen, das Stroh zu Gold spinnen konnte...
Unsere Preise stehen immer auch für die Wertschätzung an die Arbeitsleistung, die hinter einem Produkt steckt. Und sie beinhalten natürlich auch die fairen Löhne, die wir zahlen. Zudem ist jedes Produkt ein Unikat. Überzeugt?

Aber gibt es inzwischen nicht schon genug Upcycling- oder „Eine Welt Laden“-Produkte?
Es gibt sicherlich von allen Produkten auf dieser Welt "zu viele". Ich glaube wir sind in unserer Konsumgesellschaft weit weg von einer natürlichen Nachfrage. Die Frage müsste dann eher lauten, welches Produkt brauche ich wirklich? Und warum gaukelt mir die Fashionindustrie permanent neue Must-Haves oder It-Pieces vor.

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