Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2015

12:39 Uhr

Die neue Immobilität bei Managern

Bye-bye, Fernbeziehung

VonClaudia Obmann

Immer weniger Führungskräfte sind mobil, zeigt eine Studie. Viele wollen nicht für die Karriere umziehen. Auch die Bereitschaft, für den Job auf Familienleben zu verzichten, sinkt. Arbeitgeber reagieren mit neuen Angeboten.

Mehr als hunderttausend Deutsche verlassen alljährlich das Land. Doch das Abenteuer kann auch scheitern. Getty Images

Mehr als hunderttausend Deutsche verlassen alljährlich das Land. Doch das Abenteuer kann auch scheitern.

DüsseldorfPremium-Inhalt: Sie haben mit diesem Text Zugang zu einem Digitalpass-Inhalt, den wir den Mitgliedern unseres Business-Netzwerkes Leader.In an dieser Stelle kostenlos zur Verfügung stellen. Erfahren Sie mehr über die Initiative Leader.In in unserer Linkedin-Gruppe.

Sechsmal hat sie die Erde umrundet, zählt Marion Eisenblätter die Kilometer zusammen, die sie für ihren Job als Sprecherin des Marktforschungsinstituts GfK gependelt ist. Jeden Montag ging es aus dem Rheinland nach Nürnberg, freitags nach der Arbeit fürs Wochenende nach Hause. An die 250.000 Kilometer kamen so in sieben Jahren zusammen. Dann reichte es ihr. In ihrer Mail zum Jobwechsel hieß es: „Es ist mein Wunsch, mein berufliches und mein privates Leben wieder etwas näher zusammenzuführen.“ Gesagt, getan. Ihre nächste Stelle als Kommunikationschefin der Immobiliengesellschaft LEG AG in Düsseldorf lag vergleichsweise um die Ecke.

Die wichtigsten familienpolitischen Leistungen – ein Überblick

Kindergeld und Kinderfreibetrag

Für die ersten beiden Kinder zahlt der Staat jeweils 184 Euro, für jedes dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro monatlich. Zusammen mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag kostet das den Staat 38,8 Milliarden Euro jährlich (Angaben jeweils für das Jahr 2010). Zuletzt wurde das Kindergeld 2010 um 20 Euro erhöht.

Elterngeld

Bis zu 14 Monate nach der Geburt eines Kindes können Mütter und Väter Elterngeld bekommen. Es orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat. Nutzt nur einer der Partner die Elternzeit, wird die Leistung für maximal zwölf Monate gezahlt. Im Haushalt schlägt sie mit 4,6 Milliarden Euro zu Buche. Die Elternzeit ist den Analysen zufolge für Väter ein starker Anreiz, sich an der Betreuung zu beteiligen.

Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting, von dem vor allem Paare mit unterschiedlicher Einkommenssituation profitieren, kostet den Fiskus jährlich Einnahmen in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro. Umstritten ist die Leistung, weil auch Ehepaare ohne Kinder profitieren.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung kostet die öffentliche Hand 16,2 Milliarden Euro. Über 15 Milliarden davon entfallen auf Tageseinrichtungen wie wie Krippe, Kindergarten und Hort. Seit August erhalten Familien, die ihre Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, ein Betreuungsgeld. Für 2014 kalkulierte die Bundesregierung für diese Leistung mit Kosten von 1,2 Milliarden Euro.

Kinderzuschlag

Wenn Eltern wegen des Bedarfs ihrer Kinder in den Hartz-IV-Bezug zu rutschen drohen, haben sie Anspruch auf einen Kinderzuschlag. Die Leistung kann von Elternpaaren mit einem Mindesteinkommen von 900 Euro (Alleinerziehende 600 Euro) in Anspruch genommen werden. Die Höhe bemisst sich nach Einkommen und Vermögen der Eltern und der Kinder; er beträgt höchstens 140 Euro pro Monat. Das Familienministerium weist für die Leistung für das Jahr 2010 knapp 400 Millionen Euro aus.

Sozialversicherung

In der Kranken- und Pflegeversicherung sind nicht erwerbstätige Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert. Dies verursacht Schätzungen zufolge allein bei den Krankenkassen Kosten von etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. Für solche versicherungsfremden Leistungen gibt es einen Zuschuss des Bundes, der aber mit etwa elf Milliarden Euro deutlich geringer ausfällt. Die restlichen Kosten fangen alle Versicherten durch ihre Beitragszahlungen auf.

Arbeitslosenversicherung

In der Auflistung der Bundesregierung summieren sich die familienspezifischen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf gut 1,8 Milliarden Euro, darunter die Kinderkomponenten beim Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Quelle: dpa

Marion Eisenblätter ist kein Einzelfall, ganz im Gegenteil: „Manager sind immer weniger mobil“, sagt Gabriele Stahl, Partner bei der Personalberatung Odgers Berndtson. Sie ist seit 25 Jahren im Geschäft: „Inzwischen muss ich fast jedem Klienten sagen, dass es schwieriger geworden ist, Kandidaten zu einem Wohnortwechsel zu bewegen.“ 

Wie deutlich die Mobilität der Führungskräfte in den letzten Jahren abgenommen hat, belegt jetzt das aktuelle „Manager-Barometer“, in dem es um die persönliche Leistungsbereitschaft und Motivation des Leitungspersonals in Deutschland geht. Diese Studie, für die Odgers Berndtson regelmäßig rund 1800 Führungskräfte befragt und deren Ergebnisse dem Handelsblatt exklusiv vorliegen, zeigt, dass nur noch gut die Hälfte der Befragten dazu bereit ist, für den nächsten Karriereschritt innerhalb Deutschlands den Wohnsitz zu verlegen. In den Vorjahren waren noch 63 Prozent der Manager willig, für ihren Aufstieg einen Ortswechsel in Kauf zu nehmen. Heute kommt für Führungskräfte eher ein Branchenwechsel infrage. Und lieber würden sie eine neue Sprache erlernen, als umzuziehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×