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15.02.2016

10:08 Uhr

Foto-Wettbewerb #WomeninBusiness

Wir brauchen neue Frauenbilder

VonCarina Kontio

Rote Lackschuhe und kurze Röcke zwischen Männerbeinen im Zweireiher: Wo sind eigentlich die Fotos, die moderne, authentische und natürliche Frauen zeigen? In einem Wettbewerb suchen wir Ideen, wie wir das ändern können.

Dieses Foto fand Verwendung, als der Bundestag die Frauenquote beschlossen hatte: Ein Negativ-Beispiel, das niemand mehr sehen möchte.

So bitte nicht

Dieses Foto fand Verwendung, als der Bundestag die Frauenquote beschlossen hatte: Ein Negativ-Beispiel, das niemand mehr sehen möchte.

KölnDas Dilemma ist immer gleich. Ich will einen Artikel zum Thema Frauenquote oder Karrierefrauen oder Chefinnen veröffentlichen; doch sobald es an die Bildersuche im System geht, packt mich das nackte Grauen. Was uns als Redaktion dort als sogenannte Stockfotos angeboten wird, um unsere Texte zu bebildern, bedient dumpfe Klischees wie am Fließband. Frauenbilder, mit denen sich schon seit mindestens dreißig Jahren niemand mehr identifizieren kann.

Zwar dienen Stereotype dazu, schneller Informationen über Personen zu verarbeiten und den Aufwand fürs Denken möglichst gering zu halten. Doch meistens werden solche Schubladen unseren individuellen Eigenarten gar nicht gerecht, weil sie schlicht pauschalisieren.

Warum Frauen im Hamsterrad und Männer im Vorstand landen

Zehn Thesen

10 wesentliche Thesen von Brigitte Witzer aus ihrem Buche „Die Fleißlüge - Warum Frauen im Hamsterrad landen und Männer im Vorstand“. Hat man schon jemals von einem fleißigen Mann auf einer Top-Position gehört? Kein Wunder also, dass Frauen in ihren traditionellen Rollen als „Prinzessin“ und „Superbiene“ grandios scheitern, weil sie genau darauf bauen: Fleiß. Los geht's mit These 1.

These 1: Tugend-Irrtum

Frauen wollen mit genau den gleichen Tugenden im Beruf erfolgreich sein wie schon ihre Mütter und Großmütter in Haus und Hof. Doch das Berufsleben ist ein Spiel mit eigenen Regeln, die oft genug unbekannt und nicht thematisiert sind.

These 2: Was zählt ist Fleiß und Schönheit

Die traditionelle Frauenrolle kann nur mit Fleiß oder Schönheit erfolgreich gelebt werden. Beides lässt sich gut messen und gut zeigen.

These 3: Frauen bleiben stecken

Fleiß führt zügig zu Top-Abschlüssen und oft sehr schnell ins mittlere Management bis an die „Gläserne Decke“. Aber auch weiter?

These 4: Auch Männer kennen Glasdecke

Die Sicht der anderen Seite: Männer holen sich in der Elternzeit blaue Flecken an der gleichen „Gläsernen Decke“: „Kann der das?“

These 5: Kein Arbeiten auf Augenhöhe

Fatal genug: Die „Gläserne Decke“ ist keine Erfindung der Arbeitswelt. Sie sichert viel mehr gegenseitige Abhängigkeiten und verhindert Augenhöhe zwischen Männern
und Frauen in allen Lebensbereichen.

These 6: Macht gewinnt über Inhalte

In der Wirtschaft gewinnt Strategie bzw. Macht ausnahmslos über Inhalte – Frauen kümmern sich eher um Inhalte, Männer um Strategie und Macht.

These 7: Frauen rächen sich mit...

Die Folge: Männer wechseln leicht ihre Strategien und tauschen Inhalte aus – und mit ihnen die fleißigen Frauen, die diese liefern. Inhaltsgetriebene Frauen rächen
sich mit der Abwertung strategischer Manager.

These 8: Für Männer reicht das Potential

Privat wie öffentlich gilt: Frauen müssen hier und jetzt gut sein – Prinzessinnengleich -, für Prinzen reicht das Potential.

These 9: Das Spiel der Königin

Frauen als „Prinzessinnen“ und „Superbienen“ üben neue Möglichkeiten als Heldin und gewinnen Augenhöhe als Königin. Erst in dieser Rolle begreifen sie das Gute am
Macht-Spiel: Einflussnahme, Strategie, Politik – mit persönlicher Überzeugung, aber sicher nicht mit Fleiß.

These 10: Der Weg zur eigenen Identität

Die Welt von Morgen ist auf diese Handlungsqualität angewiesen. Sie sollte gemeinsam von Männern und von Frauen gestaltet werden, die Hierarchie hinter sich lassen
und zur eigenen Identität finden.

Da sind zum Beispiel die berühmten roten Lackschuhe (sexy) einer Frau, die in einer Stuhlreihe zwischen edlen Lederschuhen von Managern in grauen Anzügen herausstechen. Also ich kenne keine Frau, die im Business rote Lackschuhe trägt. Ganz typisch sind auch (schlanke, na klar) Frauenbeine im (kurzen) Rock, die vereinzelt zwischen Männerbeinen im Zweireiher fotografiert werden. An schlechten, einfallslosen und manchmal auch sexistischen Beispielen (siehe Titelbild) mangelt es leider nicht. Sie finden im Text noch einige davon. Es ist ein Jammer – und das wollen wir mit der Mission #WomeninBusiness ändern.

Ein Foto-Angebot der dpa: Die roten Schuhe einer Teilnehmerin des Tages der Industrie sind zwischen den Beinen von Männern in dunklen Anzügen und passendem Schuhwerk zu sehen... dpa

So nicht

Ein Foto-Angebot der dpa: Die roten Schuhe einer Teilnehmerin des Tages der Industrie sind zwischen den Beinen von Männern in dunklen Anzügen und passendem Schuhwerk zu sehen...

Wir, das sind das Handelsblatt, die Businessplattform Edition F, die Foto-Community EyeEm und andere namhafte Medien (Zeit Online, Ze.tt, Manager Magazin und Huffington Post). Und gemeinsam mit Ihnen wollen wir die Perspektive auf Frauen in der Arbeitswelt verändern. Lassen Sie uns Schluss machen mit grausamen Stockphotos.

Wir wollen moderne, natürliche und authentische Frauen zeigen. Frauen, die sich täglich in ihrem Job abrackern, aber nicht immer top gestylt im Hosenanzug erscheinen. Solche, die auch mal den Wecker überhören, in Windeseile Klamotten aus dem Schrank ziehen und sich die Haare erst im Auto auf dem Weg zur Arbeit kämmen. Frauen, die nicht ihre weiblichen Vorzüge in den Fokus stellen, sondern mit ihrem fachlichen Können bestechen.

Lassen Sie uns Schluss machen mit grausamen Stockphotos wie diesen! Wir wollen moderne, natürliche und authentische Frauen zeigen - und nicht nur ihre Beine. dpa

#WomeninBusiness

Lassen Sie uns Schluss machen mit grausamen Stockphotos wie diesen! Wir wollen moderne, natürliche und authentische Frauen zeigen - und nicht nur ihre Beine.

Gemeinsam fordern wir Sie auf, Fotos in ihrem Berufsalltag zu schießen und bei EyeEm (die App können Sie kostenlos bei iTunes und bei Google Play herunterladen) unter dem Hashtag #WomeninBusiness einzureichen. Oder aber Sie schicken das Foto per Mail an businesswomen@editionf.com mit dem Betreff #WomeninBusiness. Und machen Sie sich bitte keinen Gedanken über Ihr fotografisches Können. Wir wollen sehen, wie Ihr Joballtag aussieht, wer Sie im Beruf sind, was Sie machen – und dabei kommt es vor allem auf Authentizität an.

Noch so ein unschönes Beispiel. Lassen Sie uns gemeinsam die Perspektive auf Frauen in der Arbeitswelt verändern. dpa

Frauen in Führungspositionen...

Noch so ein unschönes Beispiel. Lassen Sie uns gemeinsam die Perspektive auf Frauen in der Arbeitswelt verändern.

Die Top 10 Gewinnerfotos plus Interviews mit den Fotografen werden bei Edition F, Zeit, ze.tt, Huffington Post, Manager Magazin und Handelsblatt veröffentlicht. Alle eingereichten Fotos werden schließlich über EyeEm käuflich zu erwerben sein. Die Plattform (hier im Porträt) kooperiert seit fast einem Jahr mit der Bildagentur Getty Images, die Fotos zur redaktionellen Verwendung anbieten. Die Mission startet am Montag, den 15. Februar, und endet am 28. Februar.

Wir freuen uns, der bisherigen Perspektive auf #WomeninBusiness gehörig Kontra zu bieten. Umso mehr freuen wir uns, wenn Sie uns dabei unterstützen!

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