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07.03.2016

13:38 Uhr

Frauen-Förderung Fehlanzeige

Warum Meritokratie in Unternehmen ein gefährlicher Irrtum ist

VonRobert Franken

Mann oder Frau: Nur wer Leistung erbringt, effizient und tüchtig ist, wird auserwählt und macht Karriere. Ein fatales, dämliches und ungerechtes Prinzip im Business-Alltag, findet Robert Franken. Der Feminist räumt auf.

Robert Franken arbeitet seit 15 Jahren in digitalen Umfeldern und berät Unternehmen zum digitalen Wandel. (Foto: Robert Franken)

Unternehmer Robert Franken

Robert Franken arbeitet seit 15 Jahren in digitalen Umfeldern und berät Unternehmen zum digitalen Wandel.

(Foto: Robert Franken)

KölnVieles im Business-Alltag hat mit Reflexen zu tun. Manche davon sind uns so vertraut, dass wir sie kaum in Frage stellen. Andere wiederum sind so dämlich, dass es uns gar nicht mehr in den Sinn kommt, sie zu dekonstruieren. Mein Lieblingsbeispiel aus der letzten Kategorie ist die größtenteils aus der männlichen Ecke stammende Reaktion auf die Diskussion um Vielfalt und Frauenquote.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

„In unserem Unternehmen zählt nicht das Geschlecht, sondern einzig und allein die Leistung“, heißt es beinahe unisono, wenn man(n) seine Ablehnung einer Quotierung zum Ausdruck bringen möchte ohne den vermeintlich politisch korrekten Pfad zu verlassen. Und bereits an dieser Stelle möchte ich den großen, roten Buzzer auspacken und mit dem von Herzen kommenden Ausruf „Bullshit!“ feste draufhauen. Denn was hier so schön fair und modern klingt, ist letztlich nichts anderes, als das Festhalten an Jahrzehnte alten Diskriminierungs-Mechanismen.

Talentförderung: Fehlanzeige

Derartige Aussagen, die stets das Prinzip einer Meritokratie propagieren, in der man durch die objektiv beurteilte eigene Leistung vorankommen und Karriere machen kann, sind ein herber Schlag ins Gesicht all der Frauen, deren Nasen und Stirnpartien sowieso schon dauergerötet sind von empfindlichen Kollisionen mit gläsernen Decken und dergleichen. Ich möchte das an einem Beispiel näher erläutern. Es stammt aus der Diskussion um die Gerechtigkeit von Bildungssystemen; beziehungsweise natürlich die Ungerechtigkeit in diesem Bereich. Es handelt sich um eine Karikatur des Status Quo.

Die Szene spielt in freier Wildbahn, im Hintergrund: ein Baum. Aufgereiht zu einer fiktiven Prüfung sind: ein Affe, ein Pinguin, ein Elefant, ein Goldfisch, eine Robbe und ein Wolf. Vor den Prüflingen sitzt, an einem Schreibtisch, der Prüfer. Er teilt den versammelten Tieren mit: „For a fair selection, everybody has to take the same exam: Please climb that tree.“

Natürlich ist jedem sofort klar, dass diese Prüfungsaufgabe lediglich einem der Prüflinge zupass kommt: dem Affen. Und genau so verhält es sich mit unserem Bildungssystem, sowie, im übertragenen Sinne, mit dem Argument meritokratischer Gerechtigkeit in Sachen Leistungsbeurteilung in Unternehmen. Der Affe ist hier, mit Verlaub, der Mann. Der Goldfisch - in meinem Beispiel etwa stellvertretend für die Frau - wäre einigermaßen überfordert, liegen seine Talente doch ganz woanders.

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