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11.01.2017

08:48 Uhr

Frauen in Führungspositionen

Was zur Gleichberechtigung noch fehlt

VonThorsten Giersch

Es gibt wahrlich keinen Mangel an Büchern zum Thema gläserne Decke. Doch Anne-Marie Slaughter denkt das Thema größer – und trifft damit den Kern des Problems auch aus Sicht der Männer.

Die Autorin Anne-Marie Slaughter präsentiert eine neue Vision, was Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wirklich bedeuten würde und wie dies zu erreichen wäre. Getty Images

Die Autorin Anne-Marie Slaughter präsentiert eine neue Vision, was Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wirklich bedeuten würde und wie dies zu erreichen wäre.

DüsseldorfEs geht nicht um das Frauenbild. Oder um Zeit. Die Frage, warum es immer noch zu wenige Frauen in Führungspositionen gibt, beantwortet Anne-Marie Slaughter subtiler: Weil wir eine völlig schräge Bewertung von Arbeit und Betreuung haben. Wer den Haushalt schmeißt und Kinder großzieht, tut in den Augen der meisten Menschen weniger für die Gesellschaft als der Workaholic.

Anne-Marie Slaughter weiß genau, wovon sie spricht. Sie ist als Professorin genauso gefordert wie ihr Mann. Die Politikwissenschaftlerin leitete den politischen Planungsstab im US-Außenministerium, war also zwei Jahre lang einer der wichtigsten Mitarbeiterinnen von Hillary Clinton. Im Februar 2011 kehrte sie nach Princeton zurück und nahm dort ihre Professur wieder auf. Sie ist zudem Präsidentin des renommierten Thinktanks “New America”.

Zehn-Punkte-Plan für mehr Frauen im Management

1. Ziel: Mehr Frauen in die Geschäftsführung

Wer in der ersten Liga mitspielen will, muss auch bei der Frauenquote vorangehen.

2. Mindestens drei Frauen auf Ebene direkt unter der Geschäftsführung

Frauen an der Spitze sollten sichtbar sein. Eine Frau allein wird oft als Quotenfrau und nicht als Expertin wahrgenommen.

3. Mindestens Zweidrittel der Frauen für obere Führungspositionen intern rekrutieren

Das Signal: Frauen aus der Belegschaft können etwas werden. Mögliche Absicherung: Sie werden gezielt durch Mentoren gefördert.

4. Bewusstes Bekenntnis und sichtbare Wahrnehmung

Eine klare, ambitionierte Positionierung in der Frauenfrage setzt Signale nach innen und außen und zieht potenzielle Bewerberinnen an.

5. Jeder Manager hat mindestens eine Vorgabe zur Frauenförderung als Zielvereinbarung

Nur wenn das Thema Frauen direkt auf Beurteilung und Vergütung durchschlägt, wird es ernsthaft angegangen. Nur dann öffnen Männer ihre Netzwerke.

6. Vier der zehn wichtigsten Projekte (mit-)verantworten Frauen

Das macht Frauen als Expertinnen visibel und verschafft ihnen Netzwerke.

7. Jede Konferenz mit weiblichen Fachredner auf dem Podium

Frauen erhalten als Expertinnen Gehör und Respekt.

8. Organisation von Meetings mit Rücksicht auf Familie

Familiäre Verpflichtungen grenzen sonst von Informationen und Entscheidungen aus.

9. Jede Stellenausschreibung gendersensibel formulieren

Männlich konnotierte Begriffe wie „durchsetzungsstark“ schrecken viele Frauen von der Bewerbung ab.

10. Auf den Vorschlagslisten der Headhunter stehen 30 Prozent Frauen

„Wer sucht, der findet“, gilt auch für Personalberater.

Quelle: Marie-Claire Tietze, Senior Managerin bei KMPG und Expertin für Führungskultur und Vielfalt.

Für sie war es schlimm, den Job bei Hillary Clinton aufzugeben. Aber die Entfernung zu ihrer Familie war nicht mehr auszuhalten: „Tief im Inneren wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war, nach Hause zurückzukehren, wenngleich ich die Frau, die diese Entscheidung traf, eigentlich nicht wiedererkannte”, schreibt Slaughter in ihrem Buch „Was noch zu tun ist”, das kürzlich im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Der Untertitel „Damit Frauen und Männer gleichberechtigt leben, arbeiten und Kinder erziehen können“ verrät, dass es sich um einen Ratgeber handelt – und nicht um eine Anklageschrift an das männliche Geschlecht. Es ist ein durchaus persönliches Buch, aber durch den Kenntnisreichtum der Autorin gleichermaßen relevant und nutzbringend – übrigens unabhängig davon, welchen Geschlechts der oder die Leserin ist.

Slaughter ist kurz gesagt das Gegenteil von Alice Schwarzer, also bei weitem keine Frauenrechtlerin, die sich auf jeder Seite dem Rasuch des Weiblichkeitswahns hingibt. Sie ist kühle Analytikerin und schafft den Spagat zwischen wissenschaftlicher Herangehensweise, lesbar-verständlichem Schreibstil und einem hohen Maß an realitätsnahem Pragmatismus. Und sie macht sich und ihren Lesern keine Illusionen: Beruf und Familie zu vereinen heiße, „am Rand der Dauerkrise zu leben”. Außerdem sei es eine Illusion, „die Vereinbarkeit von Familie und Karriere würde von eigenen Entscheidungen abhängen”. Man habe vieles nicht in der Hand.

Kommentare (4)

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Herr Heinz Keizer

11.01.2017, 10:30 Uhr

Es ist schon sehr merkwürdig in unserer Gesellschaft, dass Betreuung fremder Kinder geschätzter ist, als die Betreuung der eigenen Kinder. Eine Frau mit Kindern leistet enorm viel für die Gesellschaft. Wenn selbstverständlich auch Männer diese Funktion des Betreuens übernehmen können, es wird Hauptaufgabe der Frauen bleiben. Ein großes Problem ist es, dass den Frauen von interessierter Seite, Unternehmen - Politikern, eingeredet wird, dass die fremdbestimmte Arbeit besser ist. Auch die sog. Emanzipation geht in die falsche Richtung. Danach sollen sich die Frauen den Männern anpassen. Dabei sind Frauen auf vielen Gebieten ganz anders gestrickt und sollten ihre Weiblichkeit viel stärker vertreten.

Stephan G.

11.01.2017, 11:22 Uhr

Toller Artikel und ein guter Kommentag, Herr Keizer

Account gelöscht!

11.01.2017, 16:24 Uhr

Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

Herr Peter Spiegel11.01.2017, 16:13 Uhr
Obama hat in Nazi-Deutschland Asyl beantragt. Kim Jong-un hat es genehmigt.

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