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06.10.2016

20:01 Uhr

Frauen-Karrieren

Allein unter Männern

VonClaudia Obmann, Diana Fröhlich

Wenn Frauen in typische Männerberufe vordringen: Eine Eurofighter-Pilotin, eine Schiffskapitänin und eine Fußballspielerberaterin berichten von ihren Erfahrungen. Und machen anderen Frauen Mut, es ihnen gleichzutun.

„Ohne Kontakte läuft im Fußball nichts.“

Samira Samii

„Ohne Kontakte läuft im Fußball nichts.“

DüsseldorfWenn Frauen in bislang eher typische Männerberufe vordringen: Eine Eurofighter-Pilotin, eine Schiffskapitänin und eine Fußballspielerberaterin berichten von ihren Erfahrungen. Und machen anderen ehrgeizigen Frauen Mut, es ihnen gleichzutun. Premium-Inhalt: Sie haben mit diesem Text Zugang zu einem Digitalpass-Inhalt, den wir den Mitgliedern unseres Business-Netzwerkes Leader.In an dieser Stelle kostenlos zur Verfügung stellen. Erfahren Sie mehr über die Initiative Leader.In in unserer Linkedin-Gruppe.

Samira Samii: Der „Kaiser“ nennt sie „Prinzessin“

Elegante Erscheinung mit schwindelerregenden Absätzen, schwarze Haare, dazu ein strahlendes Lächeln, das sich bis in die Stimme fortsetzt. Man erkennt Samira Samii sofort. Sogar am Telefon, wenn sich die Sportmanagerin und Spielerberaterin nur mit einem „hiiiiiii...“ zur Begrüßung meldet. Eine Angewohnheit für den Fall, dass die eifersüchtige Ehefrau eines Fußballspielers oder Vereinsmanagers rangeht. Damit hat die 37-jährige Deutsch-Perserin schlechte Erfahrungen gemacht. Make-up, High Heels - wer so ins Stadion kommt, kann nur auf Männerfang sein. Diese Unterstellung begegnet ihr im Beruf ständig, bei Frauen wie bei Männern.

Doch wenn Samira Samii eins nicht nötig hat, dann das. Noch nicht mal arbeiten müsste sie. Ihr Spitzname in der Branche verrät, warum: „Die Prinzessin“ wird sie wegen ihrer Herkunft genannt - selbst von „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Denn ihre Mutter stammt aus der persischen Königsfamilie. Ihr Vater, ein renommierter Mediziner, hat in den 80er- und 90er-Jahren Fußballstars wie den Perser Ali Daei oder den Argentinier Diego Maradona behandelt. Bis dahin reicht Samira Samiis Fußballbegeisterung zurück. Abseitsregel, Fachbegriffe oder Spielsysteme kennt sie auswendig, am liebsten wäre sie selbst Sportdirektorin in der Bundesliga.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Sie wuchs in Deutschland, Kanada und Frankreich auf. Ihrer Leidenschaft folgend, studierte die Kosmopolitin Sportmanagement in München, dann in Kanada. Sie spricht sechs Sprachen, arbeitet mit Klubs wie dem AS Monaco, FC Barcelona oder FC Arsenal in London zusammen. Sie fühlt sich an der Côte d'Azur genauso heimisch wie am Starnberger See, wo sie ihr Büro hat.

Jetzt, nach der Transfersaison, zieht es sie wieder jedes Wochenende ins Stadion. Die Arena vom FC Bayern München nennt sie ihr „zweites Wohnzimmer". Dort ist sie aber nicht, um wie die Fans mit einer Mannschaft mitzufiebern - auch wenn sie die emotional aufgeladene Atmosphäre genießt - , sondern, um intensiv Kontakte zu pflegen und dabei Geschäfte anzubahnen. Etwa, indem sie Bundesliga-Größen wie Martin Kind von Hannover 96 und Stefan Reuter vom FC Augsburg oder Vereinssponsoren wie Unternehmer Andi Segmüller trifft. Dem hat sie zum Beispiel erfolgreich vorgeschlagen, sich für eine Werbeaktion mit Ex-Weltmeister Paul Breitner zusammenzutun. Oder wenn sie Spender für die Stiftung von Kicker Per Mertesacker umwirbt. Dabei erfährt sie, welcher Verein welche Qualifikation benötigt.

Um dann die richtigen Spieler für einen Transfer auszusuchen, beschäftigt sie einen Scout. „Ich steige erst in das Geschäft ein, wenn die Verhandlung losgeht“ , sagt Samira Samii. „Bei der Besetzung muss klar sein, ob ein Spieler zur jeweiligen Vereins- beziehungsweise Fankultur passt.“ Dann organisiert sie ein Probetraining, checkt den finanziellen Rahmen, verhandelt Ablösesumme und Gehalt. Oder fädelt ein Ausleihgeschäft ein, um zu testen, ob der Kandidat in den Kader passt. Sie hat hoffnungsvolle Nachwuchsspieler ebenso unter Vertrag wie Stürmerstar André Silva vom FC Porto oder Mittelfeld-Kicker Kevin Stewart vom FC Liverpool.

„Es ist sehr schwer, in Deutschland Spieler unterzubringen“ , sagt die Managerin. Ohne Kontakte laufe im Fußball nichts. Ihr Familienname ist ein Türöffner. Samira Samii: „Mir ist klar, wenn ich Melanie Schmitt hieße, wäre das nicht so.“ „Aber“ , fügt sie an, „wenn du dann nicht das nötige Know-how hast, um selbst zu bestehen, nützen die besten Türöffner nichts.“

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