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05.03.2014

12:35 Uhr

Frauen und die Deutsche Bank

„Wir bleiben dran“

VonCarina Kontio

Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, bleibt den Ankündigungen prominenter Spitzenkräfte des Hauses treu: Frauen sollen in Spitzenpositionen kommen. Von allein ändern wird sich das nicht.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, eröffnet die „Woman in European Business“-Konferenz, eine internationale Wirtschaftskonferenz für führende Managerinnen und Unternehmerinnen aus ganz Europa. Deutsche Bank

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, eröffnet die „Woman in European Business“-Konferenz, eine internationale Wirtschaftskonferenz für führende Managerinnen und Unternehmerinnen aus ganz Europa.

DüsseldorfDer März scheint ein besonders guter Monat, um über Frauenfragen zu diskutieren. Während überall auf der Welt am 8. März der Internationale Frauentag zelebriert wird, um auf die Ungleichbehandlung von Frauen aufmerksam zu machen, thematisiert der Equal Pay Day am 21. März das Problem, dass Frauen immer noch deutlich weniger verdienen als Männer. Und auch die Deutsche Bank schreibt sich mit der „Women in European Business (WEB) Conference“ Jahr für Jahr ein Event für Frauen auf die Agenda, das am Dienstag zum 15. Mal stattgefunden hat.

Doch im Konferenzsaal des Frankfurter Marriott Hotels, der ein wenig klischeehaft in pinkfarbenes Licht getaucht war, sollte es nicht um Frauenquoten und Chancengleichheit, sondern um knallharte Wirtschaftsthemen gehen. „Spurwechsel – den Wirtschaftswandel als Chance verstehen“, lautete das Thema, über das 270 Unternehmerinnen diskutierten. Aus der weiblichen Perspektive wurde einen halben Tag lang darüber nachgedacht, welche Wege die europäische Wirtschaft nach den Umbrüchen der vergangenen Jahre einschlagen kann und einschlagen muss.

Dennoch kam Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei seiner Eröffnungsrede nicht drum herum, zum Thema Frauen im Vorstand – einem gesellschaftspolitischen Dauerbrenner – Stellung zu beziehen. Schließlich gibt es da noch das bislang uneingelöste Versprechen von Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, vor seinem Ausscheiden eine Frau in den erweiterten Vorstand (GEC) von Deutschlands größtem Geldhaus zu holen. „Ich werde nicht in den Ruhestand gehen, bevor wir nicht eine Frau im Vorstand haben - wozu ich auch das Group Executive Committee zähle“, betonte Fitschen vor zwei Jahren auf der 13. WEB-Konferenz.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Doch die Realität sieht bei der Deutschen Bank noch immer recht ernüchternd aus, während andere Dax-Konzerne inzwischen um die feministischste Führungsspitze wetteifern. Seit Jahren stagniert in Frankfurt der Frauenanteil im Vorstand – bei null Prozent. „Wir bleiben dran“, sagte Achleitner am Ende seiner Rede dazu, ohne jedoch Genaueres zu verraten. Da gibt es offensichtlich noch Nachholbedarf bis zum Jahr 2017 – dann endet der Vertrag von Jürgen Fitschen. Das gilt im Übrigen auch für die anderen großen Banken hierzulande, deren Frauenanteil im Vorstand ebenfalls bei unrühmlichen null Prozentpunkten liegt: Commerzbank, HVB/Unicredit Bank und DZ Bank.

Immerhin sind im Aufsichtsrat des Frankfurter Instituts inzwischen sieben von 20 Kontrolleuren weiblich. Und auch Gerlinde Siebert, Managing Director bei der Deutschen Bank, die durch die englischsprachige Veranstaltung führte, betonte, dass der Anteil der Frauen auf mittleren und oberen Managementebenen kontinuierlich steige.

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