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16.09.2015

17:11 Uhr

Frauen und Karriere

Hört auf, euch zu optimieren, bis der Arzt kommt!

VonRebekka Reinhard

Frauen wollen viel erreichen und arbeiten hart – trotzdem fühlen sie sich oft frustriert und ohnmächtig. Die Philosophin Rebekka Reinhard empfiehlt ihnen eines statt der üblichen unerschütterliche Nettigkeit: Macht.

, „Die Frau von heute ist ziemlich tüchtig“, schreibt die Philosophin Rebekka Reinhard. „Sie neigt dazu, sich (für andere) zu optimieren, bis der Arzt kommt.“ Getty Images

, „Die Frau von heute ist ziemlich tüchtig“, schreibt die Philosophin Rebekka Reinhard. „Sie neigt dazu, sich (für andere) zu optimieren, bis der Arzt kommt.“

MünchenRebekka Reinhard promovierte über amerikanische und französische Gegenwartsphilosophie. Als Key Note Speaker arbeitet sie für Unternehmen und in der Redaktion der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft. Reinhard ist Autorin mehrerer Bücher, u.a. des Spiegel-Bestsellers Die Sinn-Diät. Im November 2015 ist ihr sechstes Buch Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen) im Ludwig Verlag erschienen. In ihrem Gastbeitrag, den Sie exklusiv für unsere Initiative Leader.In, ein Businessnetzwerk zur Vernetzung erfolgreicher Frauen und Männer aus der Wirtschaft, geschrieben hat, plädiert Reinhard für einen strategischen Nonkonformismus. Denn: Es ist immer besser, den (wenigstens temporären) Ausbruch aus dem System zu wagen, statt sich vom „Normalen“ unterjochen zu lassen. Wer an der vorhandenen Welt leidet, tut gut daran, sich eine neue zu schaffen. Wie? Ein Gastbeitrag.

„Es steht fest, dass es Frauen gibt, deren Gehirn ebenso groß ist wie das irgendeines Mannes“, schrieb der britische Philosoph und Frauenfreund John Stuart Mill 1869. „Ich weiß, dass ein Mann, der mehrere menschliche Gehirne gewogen hat, erklärt hat: das schwerste, welches man bis dahin gefunden ... sei das einer Frau gewesen.“

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Inzwischen hat die Forschung einige Fortschritte gemacht. Heute wissen wir, dass die moderne Frau nicht nur zu erstaunlichen Denkleistungen fähig ist, sondern zu weit mehr. Es gibt heute Konzernlenkerinnen, Bundeskanzlerinnen, Friedensnobelpreisträgerinnen – und ab 2016 (davon gehen wir doch aus!) eine Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber nehmen wir die, der die Zukunft gehört, doch einmal etwas genauer unter die Lupe: die moderne Frau.

Die Autorin arbeitet auch als Key Note Speaker für Unternehmen und in der Redaktion der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft. Vera de Kok (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Rebekka Reinhard

Die Autorin arbeitet auch als Key Note Speaker für Unternehmen und in der Redaktion der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft.

Stellen wir die philosophische Grundfrage: Was ist die moderne Frau? Ein hochkomplexes, hochintelligentes Wesen, das durch Kompetenz, Engagement und Empathie besticht! Die Frau, von der wir reden, will beruflich hoch hinaus, sie will eine verlässliche Partnerin, großartige Mutter und/oder treue Freundin sein – und sie möchte stets gut aussehen dabei. Sie ist nicht nur hochambitioniert, sie kann auch viel. Sie ist mächtig. Oft, ohne es zu wissen.

Das Wort Macht stammt vom altgotischen „magan“ für „machen“ oder „können“ ab. Macht ist eine Fähigkeit. Ein Vermögen. Es ist die Potenz, Einfluss zu nehmen, etwas zu bewirken, zu gestalten, zu verändern. Wo Macht ist, ist immer auch Ohnmacht. Das Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht bestimmt nicht nur unsere beruflichen und privaten Beziehungen, sondern auch die Beziehung zu uns selbst. Was die moderne Frau braucht, ist mehr Mut zur Macht; zur Potenzialentfaltung. Denn ohne Macht kein Glück, keine Freiheit, keine Anerkennung.

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