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20.03.2014

12:27 Uhr

Führungspositionen

Deutsche Startups sind eine Männer-Welt

Eine Frau an der Spitze eines Startups? Das ist in Deutschland eine Seltenheit. Sie machen nur einen Bruchteil der Gründungen aus. Ein Berliner Frauen-Netzwerk will das ändern.

In der Tech-Industrie gab es lange Zeit eine große Lücke zwischen Frauen und Männern. Doch es gibt immer noch zu wenig weibliche Vorbilder. dpa

In der Tech-Industrie gab es lange Zeit eine große Lücke zwischen Frauen und Männern. Doch es gibt immer noch zu wenig weibliche Vorbilder.

BerlinDie deutsche Startup-Wirtschaft lässt sich auch als Männer-Branche beschreiben. Frauen spielen dort nur eine geringe Rolle. Schon bei den klassischen Firmengründungen gibt es weniger Frauen als Männer. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen wird von einer Frau ins Leben gerufen, wie der Gründungsmonitor der Förderbank KfW zeigt.

Bei den Startups ist die Situation jedoch noch drastischer. Dort werden nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Startups (BDS) gerade einmal 13 Prozent der Firmen von Frauen aufgebaut. Das schadet nach Ansicht von Frauen, die dort tätig sind, nicht nur der Branche, sondern kostet auch viel Innovation.

Der Vergleich mit dem Ausland

Westeuropäische Länder gehen bei Quoten-Modellen voran

Im Bemühen, mehr Frauen in die Chefetagen von Unternehmen zu bringen, sind andere europäische Länder Deutschland voraus. Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel haben bislang fünf EU-Staaten entsprechende Gesetze verabschiedet, vier davon in diesem Jahr. Hinzu kommen Norwegen und Island. Österreich entschied sich jüngst, dass die Unternehmen die Frauenförderung per Selbstverpflichtung vorantreiben sollen.

Norwegen

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach verschiedenen Gesetzen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen, müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu rund 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen.

Frankreich

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein, wie das Parlament im Januar beschloss. In einem ersten Schritt soll die Frauenquote bis 2014 auf 20 Prozent angehoben werden. Die Vorschrift gilt für börsennotierte Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.

Spanien

In Spanien wurde 2007 eine gesetzliche Quote verabschiedet. Sie verpflichtet Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten dazu, bis 2015 einen Frauenanteil in der Chefetage von 40 Prozent zu erreichen. Dieses Minimum gilt demnach auch für Männer, so dass mehr als 60 Prozent Frauen nicht möglich wären. Spanien fördert das Modell, indem Firmen bei öffentlichen Aufträgen der Vorzug gegeben wird, die die Quote erfüllen.

Belgien

Belgien hat Ende Juli 2011 eine Quote festgeschrieben. Sie sieht einen Anteil von jeweils mindestens einem Drittel Frauen und Männern in Führungsgremien von börsennotierten und staatlich kontrollierten Unternehmen vor. Für erstere sind laut Brüssel Sanktionen vorgesehen. Danach wäre jede Neubesetzung eines Postens automatisch nichtig, falls ein Unternehmen die Quote verletzt. Zudem würden „Vorteile“ für alle Führungskräfte gestrichen.

Island

Der EU-Anwärter hat im März 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sieht vor, dass bis September 2013 mindestens 40 Prozent beider Geschlechter in den Vorständen bestimmter Unternehmen vertreten sind, wobei hier wie in anderen Ländern Schwellen bei der Mitarbeiterzahl gelten.

Niederlande

Im Mai wurde von den niederländischen Nachbarn ein Gesetz verabschiedet, das ab 2015 mindestens 30 Prozent Frauen und Männern in Vorständen vorsieht. Es bezieht sich auf börsennotierte Firmen sowie sonstige Unternehmen, wenn diese mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Italien

Italien führte im Juli eine Quote ein, die für börsennotierte sowie vom Staat kontrollierten Unternehmen gilt. Ab 2015 müssen demnach beide Geschlechter je mindestens ein Drittel der Vorstände stellen. Auch Sanktionen sind laut EU-Kommission vorgesehen. Einer ersten Verwarnung folge eine zweite Warnung samt Bußgeld. Würde die Quote dann immer noch verletzt, sei die Entlassung des gesamten Vorstands vorgesehen, sagte ein Kommissionssprecher.

Österreich

In Österreich hat die Regierung Mitte März eine Selbstverpflichtung beschlossen. Nach Regierungsangaben aus Wien gilt sie aber nur für Betriebe, an denen der Staat mindestens 50 Prozent hält. Bis Ende 2013 sollen in ihren Aufsichtsräten mindestens 25 Prozent Frauen vertreten sein, bis Ende 2018 mindestens 35 Prozent.

„Die digitale Wirtschaft ist der absolute Vorreiter, wenn es um Innovationen geht“, sagt Jess Erickson, eine der beiden Gründerinnen des Frauen-Netzwerks Geekettes, das sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen die digitale Wirtschaft näher zu bringen. „Frauen sollten nicht die Chance verpassen, ein Teil davon zu sein.“ Im Moment jedoch sieht es so aus, als ob sie auf dem besten Weg genau dorthin sind. Zum einen könnte der Grund eine größere Risikoaversion von Frauen sein. Zum anderen sei es auch möglich, dass Frauen weniger optimistisch sind und daher ihre Gründung länger vorbereiten, heißt es im Gründungsmonitor der KfW.

„Lange Zeit gab es in der Tech-Industrie eine riesige Lücke zwischen Frauen und Männern“, erklärt Geekettes-Co-Gründerin Denise Philipp. „Für Frauen war es nicht genauso selbstverständlich, in diesem Bereich zu arbeiten wie für Männer. Ein Grund liegt sicherlich darin, dass es keine weiblichen Vorbilder gab - und immer noch zu wenig gibt.“

Das soll sich auch durch die Geekettes ändern. Ziel ist, dass sich Frauen in der Tech-Branche besser vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und schließlich Führungspositionen erreichen. Die Geekettes sind überzeugt davon, dass die männerdominierte Startup-Branche dadurch profitiert - und mit neuen, vielleicht sogar mit besseren Ideen versorgt werden kann.

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