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21.06.2016

14:47 Uhr

Hotelmanager Bodo Janssen

Der Chef, den keiner mehr wollte

VonCarina Kontio

Früher hatte Bodo Janssen nur Zahlen im Kopf, seine Mitarbeiter wollten ihn loswerden. Inzwischen ist er einer der beliebtesten Arbeitgeber. Im Gespräch erklärt der Hotelier, was er geändert hat und was Erfolg ausmacht.

„Der Anblick eines glücklichen Menschen inspiriert mich.“ PR

Hotelier Janssen

„Der Anblick eines glücklichen Menschen inspiriert mich.“

Die Hotelkette “Upstalsboom” des Unternehmers Bodo Janssen wurde mehrfach als einer der beliebtesten Arbeitgeber ausgezeichnet (TopJob, Human Ressources Award etc.). Doch der Weg zum empathischen Unternehmer war kein leichter. Janssen wurde als junger Mann  entführt - eine traumatische Erfahrung. Als er später in den elterlichen Betrieb einstieg und der Vater kurze Zeit darauf bei einem Flugzeugabsturz starb, lag plötzlich alle Verantwortung in den  Händen des 32-Jährigen. Das Geschäft lief gut. Doch  Kündigungsrate und Krankheitsquote stiegen, Bewerbungen blieben aus. Eine Mitarbeiterbefragung war niederschmetternd.

Herr Janssen, in Schulnoten ausgedrückt: Wie ist die Umfrage, die Sie 2010 unter damals 400 Mitarbeitern durchgeführt haben, ausgefallen?
Ich muss gestehen, dass es zwei Mitarbeiterbefragungen gab. Die erste im Jahr 2006 war schon so schlecht, dass sie außer mir nur meine Schublade sah. Auch 2010 bekamen wir Noten zwischen 4 und 5, in manchen Bereichen sogar eine 6 und ich fiel wieder aus allen Wolken.

„Ungenügend“ also. Das hat Sie wirklich überrascht?
Ja, denn ich war sehr von mir selbst eingenommen und hielt mich für den besten Manager, weil ich das Unternehmen trotz widriger Umstände wirtschaftlich stabilisiert hatte. Der finanzielle Erfolg gab mir das Gefühl, alles richtig zu machen.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Obwohl immer mehr Ihrer Mitarbeiter gekündigt und der Krankenstand in ihren Hotels beträchtliche Ausmaße angenommen hatte…
Obwohl wir wirtschaftlich auf einem guten Weg waren, ging sehr viel Unruhe von den Mitarbeitern aus. Sie kündigten, es kamen immer weniger nach, als gegangen waren und wir hatten einen äußerst schlechten Ruf.

Ihre Mitarbeiter gaben damals auch an, dass Sie Angst vor Ihnen und anderen Führungskräften Ihres Unternehmens hatten. Wie würden Sie Ihren damaligen Führungsstil bezeichnen?

Ich war ein Autokrat und fühlte mich als eine Art Alleinherrscher. Weil ich von der Hotellerie selbst keine Ahnung hatte, stützte ich mich als Betriebswirt auf Kennzahlen. Die Menschen, die bei mir arbeiteten, habe ich nicht im Blick gehabt. Ich mache es an meinem Beispiel deutlich: Ein Mitarbeiter kam zu spät zur Besprechung und als ich ihn nach dem Grund fragte, hat er sich entschuldigt und wollte wissen, wie er denn damit umgehen soll, wenn ich zu spät komme. Meine Antwort war: ‘Wenn ich zu spät komme, dann ist das so. Punkt.’

Und was von Ihnen vorgelebt wurde…
… hat sich nach unten fortgesetzt. Es gibt eine schöne Karikatur, die das sehr gut beschreibt. Da sitzen Vögel auf drei Ebenen. Die Oberen sagen: ‘Wenn ich nach unten schaue, sehe ich nur Scheiße.’ Und die, die von unten nach oben schauen, sagen: ‘Wenn ich nach oben schaue, sehe ich nur Arschlöcher.’

Ein Narzisst in der Kommandozentrale - wenn es in einer Firma um Effizienz und Rendite geht, ist dann ein harter Führungsstil nicht das richtige? Sie selbst haben doch bewiesen, dass sich auch mit unzufriedenen Mitarbeitern zufriedenstellende Zahlen erwirtschaften lassen…
Klar, ich hätte noch einige Zeit so weitermachen können, aber mir gingen die Leute aus. Es gibt ja mittlerweile die Erkenntnis, dass Menschen aufgrund der Reputation zu einem Unternehmen gehen, dass sie aufgrund der Weiterentwicklungsmöglichkeiten bleiben und wegen des Vorgesetzten wieder gehen. Das ist der Kündigungsrund Nummer 1 in Deutschland. Früher hat ein harter Führungsstil vielleicht positiv gewirkt, weil das Motiv, mit dem Menschen zur Arbeit gingen, ein andres war. Sie brauchten Geld für Essen. Ihre Persönlichkeit haben sie am Werkstor abgegeben. Heute geht es gar nicht mehr so sehr um die Antwort auf die Frage: Wovon lebe ich, sondern immer mehr um das Wofür?

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