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26.02.2017

13:12 Uhr

Karriereende

Richtig aussteigen

VonAnna Gauto, Christian Rickens

Nico Rosberg, Rüdiger Grube, Sigmar Gabriel und jetzt auch noch Philipp Lahm: Immer mehr Spitzenkräfte gehen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Warum das Loslassen immer leichter wird.

Gehen, obwohl man gar nicht gehen muss: Sportler und Manager finden den richtigen Zeitpunkt für das Karriereende. AFP; Files; Francois Guillot

Nico Rosberg

Gehen, obwohl man gar nicht gehen muss: Sportler und Manager finden den richtigen Zeitpunkt für das Karriereende.

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Ein Abend Mitte Dezember. Gerade ist der gecharterte Jet gelandet, der Nico Rosberg von Nizza nach Hamburg gebracht hat. Vor dem Privatflieger-Terminal wartet ein schwarzer Geländewagen, um Rosberg zu einem abendlichen Fernsehauftritt zu bringen.

Es sind seltsame Wochen für den Formel-1-Weltmeister. Er steht auf Bühnen und vor Kameras und würde normalerweise nach den Geheimnissen seines Rennsporterfolgs gefragt werden und nach seinen Plänen für die kommende Saison. Doch stattdessen lautet die eine Frage, die Rosberg in immer neuen Variationen beantworten muss: Warum haben Sie das getan?

Fünf Tage nach seinem ersten Weltmeistertitel hat Rosberg Anfang Dezember den Rücktritt aus der Formel 1 erklärt. Er suche jetzt neue Herausforderungen und wolle mehr Zeit für die Familie haben, lautet seine knappe Antwort.

Während ein Chauffeur den Geländewagen durch dunkle Hamburger Vorortstraßen steuert, verrät Rosberg etwas mehr über seine Beweggründe: Nicht zuletzt dank Meditation und philosophischer Lektüre („Epikur zum Beispiel“) sei er zu der Überzeugung gelangt: Durch noch mehr Reichtum, noch mehr Ruhm, komme nur kurzzeitig mehr Zufriedenheit. „Deshalb versuche ich, gegen diese Neigung zum immer Mehr anzugehen, die in mir drin steckt. Zum Beispiel mit meinem Rücktritt. Ich gehe auf dem Höhepunkt meiner Karriere, und in der Erinnerung wird mein letztes Jahr in der Formel 1 immer mein bestes bleiben.“

Anzeichen dafür, dass Sie ihre Rolle als Chef hinterfragen sollten

Kein Steuermann

Bei Meetings haben Sie immer öfter das Gefühl, als wären Sie Beobachter und nicht der Steuermann.

Ohne Power

Sie fühlen sich häufig ausgepowert und überfordert.

Schlecht delegiert

Wenn Sie Aufgaben delegiert haben, gibt es haufenweise Rückfragen und das Ergebnis verfehlt das Thema.

Warum ich?

Sie denken häufiger insgeheim: „Wieso muss ich das eigentlich machen, meine Leute können das genauso gut?“

Mitarbeiter schwächeln

Ihre Mitarbeiter denken nicht mit, zeigen Unsicherheit bei den einfachsten Aufgaben und fragen ständig um Rat, wenn sie Entscheidungen treffen sollen. Bedenklich ist auch, wenn Mitarbeiter Ihnen zustimmen, die Aufgabe aber ganz anders als gewünscht erledigen.

Quelle: „Als unser Kunde tot umfiel ...“, Timo Hinrichsen und Boris Palluch, Wien 2012

Rosberg steht in einer Reihe mit erstaunlich vielen Persönlichkeiten, die in den vergangenen Monaten freiwillig abgetreten sind: Sigmar Gabriel übergab Kanzlerkandidatur und SPD-Vorsitz an Martin Schulz. Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard verzichtete auf eine Verlängerung seines Vorstandsvertrags - dem Vernehmen nach weil er erkannt hatte, dass seine Chancen, CEO zu werden, geschwunden waren.

Fußballer Philipp Lahm bat um Aufhebung seines Vertrags bei Bayern München, um im Alter von 33 Jahren mit dem Profifußball aufzuhören. Rüdiger Grube schmiss bei der Deutschen Bahn von einem Tag auf den anderen hin, weil der Aufsichtsrat seinen Vertrag als Vorstandschef nur um zwei statt um drei Jahre verlängern wollte.

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg: „Ich will immer mehr, mehr, mehr“

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Nach dem Titelgewinn hat sich Nico Rosberg aus der Formel 1 zurückgezogen. Im Interview spricht er über die Beweggründe, die Zeit nach der aktiven Karriere, Parallelen zu seinem Vater und seine Vorliebe für Epikur.

Gehen, sobald es keinen Spaß mehr macht und bevor man gegangen wird: Für Generationen von Sportlern und Politikern, vor allem aber von Topmanagern war das lange undenkbar. Der Beruf war der mit Abstand wichtigste Lebensinhalt, ihn galt es bis zum letztmöglichen Tag auszukosten. Und schließlich war man doch auch unersetzlich, oder?

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