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16.09.2016

13:46 Uhr

Managerinnen im Vorstand

Personal – das vermeintliche Frauen-Ressort

Frauen, die in den Vorstand eines Konzerns aufrücken, übernehmen besonders häufig das Personalressort – oder etwa doch nicht? Die Personalberatung Korn Ferry räumt in einer Studie mit diesem Mythos auf.

Die Lage in den Top-Konzernen aus Dax und MDax enttäuscht. Getty Images

Die Lage in den Top-Konzernen aus Dax und MDax enttäuscht.

KölnBevor wir zu den den harten Fakten der Studie kommen: Besonders viele Gründe zum Jubeln gibt es heute nicht. Kein „Hurra“ also an dieser Stelle, denn nach wie vor gibt es in der Hälfte aller Dax-Konzerne keine Frauen im Vorstand. Noch schlechter sieht es im MDax aus: nur sechs Firmen haben weibliche Vorstandsmitglieder berufen, in den anderen 88 Prozent der Unternehmen sucht man sie vergebens.

Immerhin – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry – kann mit einem Mythos aufgeräumt werden: Die Mehrzahl der Vorstandsfrauen verantwortet nicht das vermeintlich einfache Ressort Personal (noch so ein Mythos), sondern leitet operative Geschäftsbereiche.

Zehn-Punkte-Plan für mehr Frauen im Management

1. Ziel: Mehr Frauen in die Geschäftsführung

Wer in der ersten Liga mitspielen will, muss auch bei der Frauenquote vorangehen.

2. Mindestens drei Frauen auf Ebene direkt unter der Geschäftsführung

Frauen an der Spitze sollten sichtbar sein. Eine Frau allein wird oft als Quotenfrau und nicht als Expertin wahrgenommen.

3. Mindestens Zweidrittel der Frauen für obere Führungspositionen intern rekrutieren

Das Signal: Frauen aus der Belegschaft können etwas werden. Mögliche Absicherung: Sie werden gezielt durch Mentoren gefördert.

4. Bewusstes Bekenntnis und sichtbare Wahrnehmung

Eine klare, ambitionierte Positionierung in der Frauenfrage setzt Signale nach innen und außen und zieht potenzielle Bewerberinnen an.

5. Jeder Manager hat mindestens eine Vorgabe zur Frauenförderung als Zielvereinbarung

Nur wenn das Thema Frauen direkt auf Beurteilung und Vergütung durchschlägt, wird es ernsthaft angegangen. Nur dann öffnen Männer ihre Netzwerke.

6. Vier der zehn wichtigsten Projekte (mit-)verantworten Frauen

Das macht Frauen als Expertinnen visibel und verschafft ihnen Netzwerke.

7. Jede Konferenz mit weiblichen Fachredner auf dem Podium

Frauen erhalten als Expertinnen Gehör und Respekt.

8. Organisation von Meetings mit Rücksicht auf Familie

Familiäre Verpflichtungen grenzen sonst von Informationen und Entscheidungen aus.

9. Jede Stellenausschreibung gendersensibel formulieren

Männlich konnotierte Begriffe wie „durchsetzungsstark“ schrecken viele Frauen von der Bewerbung ab.

10. Auf den Vorschlagslisten der Headhunter stehen 30 Prozent Frauen

„Wer sucht, der findet“, gilt auch für Personalberater.

Quelle: Marie-Claire Tietze, Senior Managerin bei KMPG und Expertin für Führungskultur und Vielfalt.

„Das Ergebnis ist ernüchternd“, sagt Floriane Ramsauer, Partnerin bei Korn Ferry. „Die Mehrzahl der untersuchten Unternehmen scheint nach wie vor keine qualifizierten Frauen für ihre Vorstandsressorts zu finden. Erfreulich ist dagegen die klare Tendenz, dass immer mehr Frauen im Vorstand vor allem operative Verantwortung tragen. Diese Frauen beweisen, dass sie Geschäft können. Mehr Offenheit bei Besetzungen wäre darum wünschenswert.“

Insgesamt finden sich der Studie zufolge im Dax aktuell 20 weibliche Vorstände. Acht davon leiten operative Einheiten, wie Lisa Davis das USA-Geschäft bei Siemens, Erica Mann die Division Consumer Health bei Bayer oder Helga Jung das Spanien- und Lateinamerikageschäft bei der Allianz. Sieben Frauen dienen im Dax als Personalvorstand. Lufthansa-Managerin Simone Menne, aktuell Finanzvorstand, wechselt in Kürze das Unternehmen. Im Oktober wird damit Melanie Kreis von der Deutschen Post der einzige weibliche Finanzvorstand im Dax sein. Auch einen COO gibt es unter den weiblichen Vorständen nur einmal: Kim Hammonds bei der Deutschen Bank.

Bei zehn Dax-Unternehmen sitzt aktuell eine Frau im Vorstand. Bei der Allianz, der Deutschen Bank, Lufthansa, Munich Re und Siemens sind es bereits zwei. Daimler will 2017 mit der Berufung von Britta Seeger zum Vertriebsvorstand nachziehen.

Floriane Ramsauer sagt: „Aktuell sehen wir die Entwicklung, dass Dax-Unternehmen, die bereits einen weiblichen Vorstand haben, bestrebt sind, den Frauenanteil zu vergrößern – und damit für eine größere Diversität im obersten Führungsgremium sorgen. Andererseits hat die Hälfte sich noch gar nicht auf die Reise gemacht: Frauen, die dort den ersten Vorstandsposten bekleiden, werden echte Pionierarbeit leisten müssen.“

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