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10.02.2016

07:44 Uhr

Rebekka Reinhard

„Frauen brauchen zum Mächtigsein keine Pumpgun“

VonCarina Kontio

Frauen sind auf permanenten Überperfektionismus gepolt und fühlen sich dabei oft frustriert und machtlos. Die Philosophin Rebekka Reinhard rät stattdessen zum Mächtigsein und erklärt, wie Sie zur wahren „Chefin“ werden.

„Für viele Frauen ist Macht ein schwammiges Nebelgebilde, das auch noch männlich konnotiert ist. Man denkt eher an Google, die NSA oder Wladimir Putin als an sich selbst“, sagt die Philosophin Rebekka Reinhard. Getty Images

Was ist Macht?

„Für viele Frauen ist Macht ein schwammiges Nebelgebilde, das auch noch männlich konnotiert ist. Man denkt eher an Google, die NSA oder Wladimir Putin als an sich selbst“, sagt die Philosophin Rebekka Reinhard.

Die Frau von heute ist ziemlich tüchtig und neigt dazu, sich (für andere) zu optimieren, bis der Arzt kommt - daraus gibt es nur einen Ausweg: Macht. Das glaubt Rebekka Reinhard. Ihre philosophischen Vorträge sind bei Unternehmen aus ganz Deutschland gefragt. Ihr Geld verdient sie als freie Philosophin, Bestseller-Autorin und Redakteurin für die Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft. In ihrer Praxis für philosophische Beratung trainiert sie immer wieder auch Chefinnen und beobachtet, wie sich Frauen von der Kraft geschlechtsspezifischer Stereotypen gefangen nehmen lassen und sich in eine selbstverschuldete Unmündigkeit manövrieren. Im Gespräch rät sie zum Mächtigsein, erklärt, welche Fehler Frauen machen, zeigt, wie sie zur wahren Führungskraft werden und wann Männer für ambitionierte Frauen sexy sind.

Frau Reinhard, was fasziniert Sie eigentlich so an Macht?
Macht beginnt in unserem Kopf! Mächtig sein heißt, selbstverantwortlich, autonom und Werte-bewusst durch die Wirren des Lebens zu navigieren - das scheint mir heute mehr denn je absolut erstrebenswert.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die Interessensgebiete der modernen Frau von Mode, Muffins, Männern und dem MDax bis hin zum Marathon reichen, nur Macht gehört nicht dazu – warum eigentlich nicht?
Das liegt an den typischen Vorurteilen von Frauen, die sich von der Kraft geschlechtsspezifischer Stereotypen gefangen nehmen lassen.

Spielregeln: So zeigen Sie Macht

Quelle

Reiner Neumann, „Die Macht der Macht“, erschienen im Hanser-Verlag.

Erwerben und bewahren Sie Macht

Sichern Sie sich die nötigen Ressourcen. Werden Sie zum Experten für ein wichtiges Fachgebiet oder ein zentrales Thema. Kultivieren Sie Ihre Netzwerke. Verschaffen Sie sich Zugang zu wesentlichen Informationen. Entwickeln Sie Charisma - arbeiten Sie an Ihrem Auftreten und Ihrer Wirkung.

So zeigen Sie Macht

Macht wird im Verhalten sichtbar. Einige Spielregeln können Ihnen helfen, situative Macht zu zeigen. Sie entscheiden über die Dosis.

Macht braucht Hierarchie und muss sichtbar werden

Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihre Position in der Rangordnung, füllen Sie die Position aus, Sie ist Ihre Position, bauen Sie sie aus.

Wahrnehmung durch Signale unterstützen

Sorgen Sie für die richtigen Symbole wie Firmenwagen oder Budget, setzen Sie diese gezielt ein.

Lassen Sie es andere wissen...

...woran Sie arbeiten und wie erfolgreich Sie dabei sind. Wichtige Entscheidungsträger müssen erfahren, dass Sie Leistung bringen.

Kämpfen Sie um wichtige Aufgaben

Erfolgreich bewältigte Aufgaben mit überschaubarem Risiko, hohem Prestige und der Aufmerksamkeit des Topmanagements sind wichtige Bausteine für jede Karriere.

Gehen Sie gezielt nützliche Allianzen ein

Alleine werden Sie es nicht schaffen, Sie brauchen ein Netzwerk.

Machen Sie sich bemerkbar

Beziehen Sie Stellung, sprechen Sie laut und deutlich, kein Meeting ohne einen qualifizierten und pointierten Beitrag.

Wichtige Besprechungen bereiten Sie vor

Sprechen Sie im Vorfeld mit den wichtigsten Meinungsträgern, sorgen Sie für abgestimmte Meinungen, bevor es zum Showdown in der Sitzung kommt.

Unterstützen Sie durch Ihre Körpersprache

Nehmen Sie den Ihnen gebührenden Raum ein. Unterstreichen Sie Ihre Aussagen durch Gestik und nehmen Sie Blickkontakt auf. Souveränes Lächeln und nachhaltige Freundlichkeit unterstützen die Sicherheit Ihres Auftretens. Berühren Sie in passenden Situationen Ihr Gegenüber am Arm, um Aufmerksamkeit und Nähe herzustellen.

Gezielt sprechen

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Ausführungen. Sprechen Sie laut und deutlich. Sprechpausen sind ein Zeichen von Sicherheit und Souveränität. Unterbrechen Sie gezielt mit einem wichtigen Kommentar.

Kleider machen Leute

Tragen Sie die richtige Kleidung und tragen Sie diese richtig.

Der Autor Reiner Neumann

Neumann ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Trainer und Berater mit Vorständen, Geschäftsführern und Personen des öffentlichen Lebens. Als Manager arbeitete er früher für Siemens, bei der Hamburg-Mannheimer AG, war Bereichsleiter bei Mummert und Kienbaum sowie Vice President der ABB Business Services in der Schweiz.

Aber ist es nicht eher so, dass sich Frauen vor Macht scheuen?
Für viele Frauen ist Macht ein schwammiges Nebelgebilde, das auch noch männlich konnotiert ist. Man denkt eher an Google, die NSA oder Wladimir Putin als an sich selbst. Dabei braucht man zur Machtausübung im echten Sinne weder militärische Orden noch eine Pumpgun!

Was ist eigentlich Macht, so wie Sie sie definieren – und warum brauchen wir sie?
Macht kommt von „Machen“, von „Können“. Mächtig sein, seine Potenziale entfalten heißt, etwas gestalten, beeinflussen und verändern zu können. Die Beziehung zu sich selbst wie zu anderen, sein Leben insgesamt. Für mich ist Macht in diesem Sinne der Schlüssel zu einer glücklichen, selbstbestimmten Existenz - dafür ist sie gut, dafür sollte sie gut sein.

Nun ist es um das Image der Macht nicht sonderlich gut bestellt. Den meisten Menschen rollen sich doch schon beim Gedanken an das Wort die Zehennägel auf! Warum ist das so?
Tja, das liegt daran, dass die Leute sich oft nicht die Mühe machen, Macht von Zwang, Unterdrückung oder Manipulation zu unterscheiden. Sie werfen einfach alles in einen Topf. „Macht“ erscheint dann als Bedrohung, der man lieber nicht in die Quere kommt. Ich möchte dieses Schreckens-Image ins Positive wenden.

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