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11.09.2016

13:30 Uhr

Respekt, Anerkennung, Authentizität

Müssen wir uns zwischen Menschlichkeit und Rendite entscheiden?

VonKlaus Panreck, Stephan Brockhoff

Menschlicher Umgang im Unternehmen ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – und der beste Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Das klingt viel zu gut, um wahr zu sein? Keinesfalls! Ein Gastbeitrag.

Das Buch "Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet" ist am 8.9. im Campus-Verlag erschienen.

Menschlichkeit rechnet sich

Das Buch "Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet" ist am 8.9. im Campus-Verlag erschienen.

MünsterMenschliche Führung verbessert die Bilanz. Glauben Sie nicht? Wer heute noch per Befehl und Gehorsam führt, hat den Wandel der Zeiten verschlafen, sagen die beiden Autoren Stephan Brockhoff, Klaus Panreck. Doch immer noch gibt es Skeptiker, die bezweifeln, dass moderne Führungsansätze wirklich etwas bringen. Den Steuerberatern ist es nun gelungen, eine neue Unternehmenskennzahl zu entwickeln: den ROI der Menschlichkeit. Für unser Businessnetzwerk Leader.In hat die beiden Brockhoff und Panreck diesen Gastbeitrag geschrieben.

Wir leben in unruhigen Zeiten – politisch wie wirtschaftlich. Gewissheiten schwinden, Altvertrautes löst sich auf. Märkte, Unternehmen, Kommunikationsstrukturen: alles verändert sich. Worauf wir gestern noch bauen konnten, kann heute schon passé sein. Gerade in diesen Zeiten ist es lebensnotwendig für Unternehmen, in sich gefestigt und stabil zu sein, um den Unwägbarkeiten der Märkte und der schärfer werdenden Konkurrenz standzuhalten.

Was Chefs über Generation Y wissen müssen

Analyse

Wie tickt die Generation Y? Welches Gerücht stimmt, welches eher weniger? Eine Analyse der Gewohnheiten und beruflichen Erwartungen von über 10.000 Leuten zwischen 20 und Mitte 30 durch den Informationsdienstleister CEB räumt mit den größten Mythen über junge Mitarbeiter auf.

Mythos 1: Gen Y legt viel Wert auf Social Media

Realität: Die Youngster nutzen zwar Social-Media-Angebote, aber weniger als ein Drittel vertraut den Informationen, etwa über Arbeitgeber, die aus diesen Quellen stammen. Arbeitgeber sollten daher zwar auf Social Media setzen, um Kandidaten anzusprechen, den Erfolg dieser Kanäle aber nicht überschätzen. Am meisten vertrauen Arbeitssuchende aller Generationen Freunden und Familie. Deshalb sind traditionelle Wege wie Mitarbeiterprogramme zur Anwerbung von neuen Kollegen immer noch erfolgreich.

Mythos 2: Gen Y lässt sich vom Verdienst anspornen

Realität: Die Daten belegen, dass der Nachwuchs sich nicht so stark von Geld anspornen lässt wie ältere Generationen. Geld ist zwar wichtig, aber nicht so wichtig wie berufliche Entwicklungschancen. Unternehmen können für Einsteiger attraktiver werden, wenn sie hervorheben, dass Arbeitnehmer bei ihnen schnell viel Wissen erwerben und etwas bewirken können.

Mythos 3: Gen Y setzt stärker auf Zusammenarbeit als auf Wettbewerb

Realität: Die Angehörigen der Gen Y sind wettbewerbsorientierter als jede andere Generation. 58 Prozent von ihnen geben an, dass sie ihre Leistung mit der ihrer Kollegen vergleichen. Bei Arbeitnehmern anderer Generationen liegt dieser Anteil bei lediglich 48 Prozent. Um diesem Umstand gerecht zu werden, sollten Unternehmen nicht nur Anerkennungs- und Belohnungsprogramme in Erwägung ziehen. Sie sollten auch dafür sorgen, dass gute Arbeitsleistungen der Youngster sichtbarer und innerhalb des Unternehmens hervorgehoben werden.

Mythos 4: Gen Y verlässt sich bei der Arbeit auf Kollegen

Realität: Die jungen Berufstätigen bringen ihren Kollegen weniger Vertrauen als die älteren Mitarbeiter entgegen. Und viele von ihnen erledigen Aufgaben lieber „im Alleingang“ – 37 Prozent verlassen sich nur auf sich selbst, wenn es darum geht, eine Aufgabe fehlerfrei zu erledigen. Dieser Anteil liegt bei anderen Generationen bei nur 26 Prozent. Trotzdem fühlen sich die Gen-Y-Mitglieder mit ihren Kollegen fast genauso eng verbunden wie andere Generationen. Mehr als ein Drittel der Gen Y und der Älteren gibt an, enge persönliche Beziehungen zu ihren Arbeitskollegen zu unterhalten. Um Mitarbeitern beim Aufbau von Beziehungen zu helfen und die Zusammenarbeit unter Kollegen zu fördern, sollten Chefs betonen, wie wertvoll Teamarbeit ist.

Mythos 5: Gen Y wechselt gern häufig den Arbeitgeber

Realität: Die jungen Mitarbeiter möchten unterschiedliche Erfahrungen sammeln, aber nicht unbedingt bei unterschiedlichen Firmen. Tatsächlich ist es so, dass die Youngster nicht von einem Arbeitgeber zum nächsten springen möchten, sondern von einer Erfahrung zur nächsten. Es ist wahr, dass der Anteil der Jobsuchenden unter ihnen höher ist als in anderen Generationen – und mehr als die Hälfte hält außerhalb ihres eigenen Unternehmens nach Karrierechancen Ausschau. Bei der Generation X liegt dieser Anteil bei 37 Prozent und bei der Baby-Boomer-Generation bei 18 Prozent. Trotzdem sind 53 Prozent der Gen Ys, ähnlich wie andere Generationen, der Ansicht, dass interne Jobmöglichkeiten wünschenswert sind. Unternehmen sollten ihre Karriere-Optionen entsprechend erweitern.

Wie aber wird ein Unternehmen das: in sich gefestigt und stabil? Wir erleben immer wieder, dass Firmen und Konzerne, die in einem Jahr sehr gut dastanden, im nächsten Jahr in die roten Zahlen rutschen. Oftmals hat dies seine Ursachen darin, dass zu kurzfristig gedacht wurde. Und weit häufiger darin, dass die Menschlichkeit zu kurz kam. Ein fataler Fehler, denn gerade ein menschlicher Umgang innerhalb von Unternehmen ist der beste Garant für wirtschaftlichen Erfolg.

Das Gallup Institut, das seit 2001 im Engagement Index Deutschland erhebt, wie stark die Verbundenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu ihrem Unternehmen ist, konnte nachweisen, dass es für Arbeitgeber ohne jeden Zweifel existenziell ist, dass sich ihre Belegschaft emotional im Job engagiert. Es ist eine einfache Formel: ohne tiefe Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen kein langfristiger Erfolg. Dennoch hat sich der Anteil derjenigen, die sich in ihrem Job emotional engagieren, in den letzten 15 Jahren nicht verändert: 2001 wie 2015 gaben gerade einmal 16 Prozent aller befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, sich ihrem Unternehmen tief verbunden zu fühlen.

Alle Tools, die in den letzten Jahren zur Mitarbeitermotivation und Engagementförderung entwickelt wurden, haben offenbar überhaupt nichts genützt. Deshalb ist es an der Zeit, neue Wege einzuschlagen: weg von den Tools, hin zu einer veränderten inneren Haltung – zu mehr Menschlichkeit in Unternehmen.

Dies bedeutet nicht, die Arbeitskräfte freundlich zu tätscheln, damit sie besser funktionieren und mehr produzieren. Dies meint keine Manipulation mit lächelndem Antlitz. Nein: Menschlichkeit ist eine Haltung. Sie kommt von innen. Sie meint authentisches Agieren in Wertschätzung und Respekt. Ein Handeln und Denken, das auf humanitären Werten basiert. Menschlichkeit äußert sich in einem wertschätzenden Umgang miteinander auf Augenhöhe – quer über alle Hierarchieebenen und Abteilungen hinweg. Menschlichkeit: Das bedeutet eine offene, respektvolle Kommunikation, gegenseitige Anerkennung, Transparenz und Authentizität.

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