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09.09.2015

15:15 Uhr

Stephanie Czerny im Interview

„Vitamin B funktioniert nur, wenn es mit Kompetenz einhergeht“

VonCarina Kontio

Was macht gutes Netzwerken aus? Welche Nummer würden Sie niemals löschen und woran sind Sie zuletzt gescheitert? Burda-Managerin Stephanie Czerny gibt uns im Interview spannende Einblicke in ihr extrem vernetztes Leben.

Steffi Czerny (DLD Media) bei der Eröffnung der DLDWomen Konferenz in München. Auf der Innovationskonferenz diskutieren hochkarätige Gäste zwei Tage lang über Trends und Entwicklungen rund um die Digitalisierung. dpa

Steffi Czerny (DLD Media) bei der Eröffnung der DLDWomen Konferenz in München. Auf der Innovationskonferenz diskutieren hochkarätige Gäste zwei Tage lang über Trends und Entwicklungen rund um die Digitalisierung.

Sie war mit Marissa Mayer schon wandern und mit den Google-Gründern Sergej Brin und Larry Page beim Skifahren: Stephanie Czerny, Gründerin der Konferenz Digital Life Design (DLD). Zu ihren Herzensangelegenheiten gehört die DLDwoman Konferenz, die Branche kennt die Burda-Managerin in- und auswendig. Wir haben mit der 4-fachen Mutter über das Thema Netzwerken gesprochen, denn vermutlich gibt es wenige Frauen, von denen man in dieser Hinsicht mehr lernen kann.

Frau Czerny, beim Netzwerken ist es wichtig, dass man kurz beschreiben kann, was man macht. Stellen Sie sich bitte in drei Sätzen vor?
Ich beschäftige mich damit, wie die Digitalität unsere Gesellschaft verändert. Dabei interessieren mich vor allem die Menschen, die diesen Change vorantreiben. Ich bin aber im Grunde meines Herzens dabei eine neugierige analoge Hausfrau geblieben. Bei aller Digitalität steht daher auch der direkte Austausch und das persönliche Vernetzen bei unseren Konferenzen im Fokus – das ist auch für  mich das perfekte Zusammenspiel von digital und analog.

Selbstmarketing: Ten Golden Rules

1. Positioniere dich

Positioniere dich: Am Anfang stehen dein Profil und dein Ziel. Wer bin ich, was kann ich, wo will ich hin? Wer nicht weiß, wo er steht, und nicht weiß, wo er hinwill, kann auch keine Route planen, schreibt die Autorin Ute Blindert in ihrem Buch „Per Netzwerk zum Job - Insider zeigen, wie du deine Träume verwirklichen kannst“. Je nachdem, wofür man sich entscheidet, sollte man sich auf jeden Fall Gedanken über seine Strategie machen, zu der dann natürlich die Auswahl der Kommunikationskanäle (Website, Social-Media, Businessnetzwerke, Newsletter) und selbstverständlich auch Überlegungen zum Netzwerken im wirklichen Leben gehören.

2. Jeder hat ein Netzwerk

Jeder hat ein Netzwerk – auch du. Freunde, Kommilitonen, Arbeitskollegen, Vereinsfreunde, Fußballkumpel, Dozenten und Austauschstudenten bilden das Fundament deines Berufsnetzwerks. Ute Blindert rät: „Recherchiere, wer von diesen Kontakten bei Xing, Linkedin oder Facebook ist, und vernetze dich mit diesen.“ Wer auf Jobsuche ist, sollte das dort auch entsprechend zur Sprache bringen.

3. Zeige dich

Zeige dich – online. Wer von Recruitern und Headhuntern gefunden werden will, kommt an einem Profil bei Xing oder Linkedin i.d.R. nicht vorbei. Legt ein durchdachtes Profil an und tretet selbst in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern.

4. Zeige dich Teil 2

Zeige dich – im realen Leben. Auch wenn es vielleicht manchmal schwer fällt, aber der persönliche Kontakt macht das Netzwerk erst stabil und führt zu mehr Verbindlichkeit. Man kann sich auch ein bestehendes Netzwerk (Studierendenorganisation, Berufsnetzwerk, Verband, Verein) suchen, durch das sich schon viele Kontaktmöglichkeiten mit anderen Menschen ergeben.

5. Lerne Leute kennen

Lerne Leute kennen – einfach aus Spass. Die Autorin empfiehlt „systematische Mittagessen“, also zufällig anmutende Begegnungen, bei denen meist ein lohnender Austausch für beide Seiten entsteht. Der Vorteil: Ein Mittagessen oder auch mal der Kaffee zwischendurch sind kurz, aber doch lang genug für den verbindlichen Austausch.

6. Baue dein Netzwerk aus

Baue dein Netzwerk aus – mit Strategie. Identifiziere dazu in deinem (Online-)Businessnetzwerk, wen du unbedingt kennenlernen willst oder wer dir eine Verbindung zu diesem Menschen herstellen kann. Vor allem solltest du wissen, wer eine relevante Person in deiner Branche oder in einem Unternehmen ist. Das kann auch auf einer Konferenz sehr hilfreich sein, da kommst du diesen auch einmal näher - und vielleicht sogar ins Gespräch.

7. Sei aktiv

Wer nie irgendwo präsent ist, wird weniger wahrgenommen, bekommt weniger Empfehlungen und Tipps, wenn der Austausch fehlt. Das gilt auch virtuell, indem du in sozialen Netzwerken präsent bist, Fragen stellst, dich mit anderen austauscht und dich mit deinem Fachwissen als Persönlichkeit zeigst.

8. Teile dein Wissen

Wer dich als kompetent für ein bestimmtes Thema oder als relevant bei einer bestimmten Gruppe wahrnimmt, wird dich vielleicht weiterempfehlen. Das kann für einen neuen Job in einem anderen Unternehmen sein, für ein spannendes Projekt oder auch für einen Vortrag oder eine Podiumsdiskussion bei einer Konferenz.

9. Verzettle dich nicht

Es ist gut, sich ab und zu die Zeit zu nehmen und zu überlegen, welches Engagement was gebracht hat. Auch die beruflichen Kontakte sollte man sich ab und zu anschauen und entscheiden, wen du gern mal wieder treffen möchtest und bei wem du gern mehr Distanz hättest.

10. Gib dir Zeit und bleibe gelassen

Netzwerken zahlt sich nicht immer sofort und auch nicht immer aus. Aber mindestens in der Freude, mit anderen zusammen zu sein und etwas zu unternehmen. Aber auch für die Jobsuche und deine Karriere. Fange daher am besten jetzt mit dem Aufbau deines Netzwerks an.

Quelle

Frauen in Führungspositionen haben Sie mal geraten, es immer wieder zu wagen, neue Fehler zu machen. Woran sind Sie zuletzt gescheitert?
Scheitern ist so hip zur Zeit. Ich finde scheitern schon wieder langweilig. Always make new mistakes heißt doch im Grunde, dass man sich nicht verkrampft und unsicher und mit Tunnelblick seinen Aufgaben stellen soll. Wichtig ist auch, zu den Irrungen und Wirrungen seiner eigenen Person zu stehen. Authentizität ist das was zählt!

In einem Interview haben Sie mal gesagt: „Männer liebe ich sehr, aber Frauen habe ich lieber. Mit ihnen komme ich schneller ins Gespräch.“ Was macht die Kommunikation mit Männern denn so schwer oder schwieriger oder eben anders, wenn nicht schwierig?
Dieses Zitat stammt von meiner Mutter und ich mag es sehr. In diesem Zusammenhang gibt es aber viele Klischees und Vorurteile. Wichtig ist, dass wir Ungerechtigkeiten ändern und das wir alte Klischee- und Rollenbilder aufgeben. Man könnte viel drüber reden und da ist auch schon viel gesagt worden. Wichtig ist, dass man auch da in dieser Frage authentisch ist und mit dem Mut zur Veränderung sich selbst treu bleibt.

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