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17.07.2016

10:28 Uhr

Ulrike Garanin

„Arbeit ist die Basis für Menschenwürde“

VonCarina Kontio

Was bringt eine erfolgreiche Beraterin dazu, die Rolle zu wechseln und als Social Entrepreneur zu arbeiten? Ulrike Garanin kümmert sich mit ihrer Initiative „Joblinge“ um eine oft vergessene Gruppe unserer Gesellschaft.

2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in der Gesellschaft. Für diese jungen Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiative  „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftsführender Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden. PR BCG

Ulrike Garanin

2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in der Gesellschaft. Für diese jungen Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiative „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftsführender Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden.

Berlin2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in der Gesellschaft. Für diese Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiative „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftsführender Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden. Eine Analyse des Arbeitgeberverbands Hessen Chemie hat ergeben, dass die volkswirtschaftlichen Einsparungen nach zehn Jahren bei knapp 140.000 Euro für jeden nachhaltig vermittelten Jobling liegen. Die dreifache Mutter ist eine der Gewinnerinnen des Preises „25 Frauen, die unsere Welt besser machen“, mit dem die Online-Plattform Edition F zusammen mit dem Handelsblatt und anderen Medienpartnern bereits zum dritten Mal herausragenden Frauen eine Bühne gibt.

Frau Garanin, sprechen wir über Ihr Projekt Joblinge. Was ist die Idee dahinter und wie kam es dazu?
Wir haben 2007 bei der Boston Consulting Group zunächst darüber nachgedacht, wie man unternehmerische Verantwortung in Deutschland greifbar machen kann und waren uns schnell einig, dass wir etwas tun und keinen runden Tisch gründen wollen. Letztlich wurden wir auch im Sog der Finanzkrise mit dem Thema Jugendarbeitslosigkeit konfrontiert und als wir begriffen haben, wie weit die Ausgangssituation jugendlicher Arbeitsloser von Chancengleichheit entfernt ist und die Lücke zwischen Herkunft und Zukunft unüberwindbar scheint, war die Idee da, mit Joblinge etwas dagegen zu setzen.

Die Finalistinnen: 25 Frauen, die die Welt bewegen

Kein Ranking

Es gibt kein Ranking. Wir stellen Ihnen die 25 Gewinnerinnen in alphabetischer Reihenfolge vor.

Aynur Boldaz-Özdemir

Aynur Boldaz-Özdemir, Integrationsunternehmerin
Sie gibt Leuten eine Perspektive, die auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keine Chancen haben. Aynur Boldaz-Özdemir, als 18-Jährige aus der Türkei nach Deutschland gekommen, behauptete sich ohne Ausbildung als ausländische Frau auf dem deutschen Arbeitsmarkt und leitet heute ihr eigenes, erfolgreiches „Integrationsunternehmen“. Forever Clean beschäftigt zu 48 Prozent Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Schwerbehinderung. In der Belegschaft arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – gemeinsam und inklusiv.

Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig, Journalistin und Netzaktivistin
Eine pluralistische Gesellschaft muss auch im Netz verteidigt werden. Genau das macht Ingrid Brodnig. Die österreichische Journalistin engagiert sich couragiert gegen Hass im Internet – zuletzt in ihrem gerade erschienenen Buch „Hass im Netz“, in dem sie beschreibt, was wir gegen digitale Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Ingrid Brodnigs Engagement hilft, eine (digitale) Zukunft zu schaffen, die keinen Hass zulässt – und niemanden mehr ausschließt.

Saskia Bruysten

Saskia Bruysten, Unternehmerin
Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus gründete Saskia Bruysten das Unternehmen „Yunus“, das eine Brücke zwischen lokalen Sozialunternehmen und humanitären Spendern und Kreditgebern schlägt. „Yunus“ ist bisher weltweit in sieben Ländern im Einsatz, darunter Indien, Uganda und Haiti. Mit ihrem Business setzt sich die ehemalige Unternehmensberaterin für einen sozialeren Kapitalismus ein, der seine Stärke einsetzt, um eine gerechtere Welt zu schaffen.

Gisela Burckhardt

Dr. Gisela Burckhardt, Aktivisitin
Viel zu viele Frauen und Mädchen arbeiten in der Textilindustrie immer noch unter menschenunwürdigen Bedingungen. Gisela Burckhardt setzt sich für die Rechte und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen dieser Frauen ein. Sie hat den Verein Femnet e.V. gegründet und diskutiert als dessen Vorsitzende mit den großen Textilkonzernen, damit die Produktion fairer Kleidung die Regel wird – und nicht die Ausnahme bleibt.

Diana Doko

Diana Doko, Aktivistin für Suizid-Prävention und Unterstützung für Menschen mit Depressionen
Jedes Jahr sterben in Deutschland 10.000 Menschen durch Suizid. Diana Doko setzt sich mit dem von ihr mitgegründeten Verein „Freunde fürs Leben“ dafür ein, dass diese Zahl sinkt. Sie, die selbst ihren Bruder durch Suizid verloren hat, leistet Aufklärungsarbeit bei jungen Menschen zu den Themen Suizid und seelische Gesundheit. Als Vorstandsvorsitzende des Vereins bietet sie betroffenen Menschen ein sicheres Netzwerk und trägt so dazu bei, dass weniger Menschen den Tod als letzten Ausweg wählen. Diana Dokos Vision ist eine Gesellschaft, in der Depressionen endlich kein Tabuthema mehr sind. Dafür kämpft sie jeden Tag.

Naika Foroutan

Prof. Dr. Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin
Muslime haben in unserer Gesellschaft mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan setzt sich mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit gegen diese Ressentiments ein. Als stellvertretende Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung untersucht sie unter anderem Islambilder in Deutschland. Sie leitet außerdem das Projekt: „Junge Islambezogene Themen in Deutschland“ (JUNITED). Die Forschung der gebürtigen Iranerin trägt einen wichtigen Teil dazu bei, die Islamfeindlichkeit in Deutschland abzubauen und eine pluralistische Gesellschaft entstehen zu lassen.

Ulrike Garanin

Ulrike Garanin, Geschäftlicher Vorstand Joblinge e.V.

2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in unserer Gesellschaft. Für diese jungen Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiaitive „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftlicher Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden.

Mareike Geiling

Mareike Geiling, Gründerin der Initiative „Flüchtlinge Willkommen“
Das Wort ,Willkommenskultur’ ist spätestens seit dem vergangenen Jahr den meisten ein Begriff. Aber wie schafft man eine solche konkret? Mareike Geiling füllt den Begriff mit Leben. Die von ihr mitbegründete Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ bietet eine Plattform für Leute, die Wohnraum zu vergeben haben, und geflüchtete Menschen, um diese zusammenzubringen. Junge Geflüchtete sollen dadurch direkt in die Gesellschaft integriert werden, sich willkommen fühlen und ein halbwegs normales Leben führen können. Mareike gibt außerdem ehrenamtlich Deutschkurse und treibt die Internationalisierung der Plattform voran. So leistet sie einen großen Beitrag, damit eine Gesellschaft entsteht, die geflüchtete Menschen als Teil von sich betrachtet.

Milena Glimbovski

Milena Glimbovski, Co-Gründerin Original Unverpackt
Der Verpackungswahn hat mittlerweile wahnwitzige Ausmaße angenommen. Milena Glimbovski hatte irgendwann genug davon, darüber nur den Kopf zu schütteln, und wurde aktiv. Sie gründete gemeinsam mit Sarah Wolf „Original Unverpackt“, einen Laden, der auf sämtliche Verpackungen verzichtet und damit einen Beitrag zu weniger Verpackungsmüll leistet. Milena ist nicht nur Ladenbesitzerin, sondern auch eine wichtige Botschafterin für ein Umdenken in der Gesellschaft. Darüber hinaus engagiert sich Milena dafür, dass Menschen mit sich selbst achtsam umgehen und die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen. Der von ihr mitentwickelte Jahreskalender „Ein guter Plan“ soll dabei unterstützen. Ihr eigenes Burnout und ADHS haben sie für diese Themen sensibilisiert.

Silja Graupe

Prof. Dr. Silja Graupe, Professorin für Ökonomie und Philosophie
Mit der Finanzkrise ist auch die Kritik an der ökonomischen Lehre und Wissenschaft gewachsen. Immer mehr Forscher finden sich zusammen, um eine wirtschaftsunabhängige und kritische Diskussion in den Wirtschaftswissenschaften zu ermöglichen. Silja Graupe engagiert sich vehement dafür, dass die Universität wieder ein Ort wird, wo Alternativen zur aktuellen Wirtschaftspolitik gedacht werden können – interdisziplinär und interkulturell. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Professorin für Ökonomie und Philosophie die unabhängige Cusanus Hochschule mitgegründet. Mit ihrem pluralistischen Wissenschaftsansatz leistet Silja Graupe einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Wissenschaft, die die bestehenden Verhältnisse hinterfragt und eine fairere Gesellschaft anstrebt.

Alice Grindhammer

Alice Grindhammer, Garbologin und Umweltaktivistin

1,6 Kilogramm Müll produziert, global gesehen, jeder Stadtbewohner im Schnitt täglich. Alice Grindhammer, die sich selbst als Müllfachfrau bezeichnet, argumentiert, dass der Großteil dessen gar kein echter Müll ist. Sie entwickelt daher gemeinsam mit lokalen Partnern Recycling-Infrastrukturen, die den vermeintlichen Müll wiederverwerten und der globalen Abfallkrise etwas entgegensetzen. Dabei entstanden zum Beispiel Dachgärten in einem palästinensischen Flüchtlingslager, in dem der biologische Abfall dazu genutzt wurde, die Bewohner mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Aktuell arbeitet sie zu verschiedenen Projekten der „Circular Economy“, die Idee einer nachhaltigen Zukunft, in der kein Müll entsteht und unsere Wirtschaft in Symbiose mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen arbeitet. Alice setzt sich ein für eine Zukunft, in der kein Müll mehr entsteht, der unseren Lebensraum vergiftet.

Kübra Gümüşay

Kübra Gümüşay, Journalistin, Bloggerin und Aktivistin

Internet, Politik, Gesellschaft, Rassismus, Feminismus, Islamfeindlichkeit – das Engagement von Kübra Gümüşay ist unglaublich facettenreich. Mit ihrem Einsatz als Journalistin, Bloggerin und Aktivistin schafft sie ein öffentliches Bewusstsein für all diese Themen. Gleichzeitig sensibilisiert sie unsere Gesellschaft für die Hürden, denen Frauen mit Kopftuch in Deutschland immer noch viel zu oft begegnen. Sie zeigt uns auf beeindruckende Weise, dass Islam und Feminismus sich nicht widersprechen und dass eine Gesellschaft durch Vielfalt nur gewinnen kann. Im Frühjahr initiierte sie die Aktion „#ausnahmlos – gegen Rassismus und Sexismus“ und hielt bei der diesjährigen Republica den vielbeachteten Vortrag: „Organisierte Liebe“.

Inge Hannemann

Inge Hannemann, Politikerin und Gegnerin von Hartz IV
Inge Hannemann war die erste Mitarbeiterin eines deutschen Jobcenters, die das System öffentlich kritisierte und seine Ungerechtigkeiten thematisierte. Sie kämpft mit ihrer Initiative „Sanktionsfrei“ für ein faireres System. In ihrer Arbeit im Jobcenter hat sie immer wieder miterlebt, wie zermürbend Hartz IV für die Empfänger sein kann. Sie kritisiert, dass Hartz IV, erwerbslos gewordene Menschen wieder zurück in den Beruf zu bringen, sondern sie über den Sanktionsdruck aus dem Leistungsbezug zu drängen. In ihren Buch „Die Hartz-IV-Diktatur“ beschreibt sie außerdem, wie ein respektvollerer Umgang mit Erwerbslosen in den Jobcentern aussehen könnte. Mittlerweile sitzt sie parteilos über die Liste der Linken in der Hamburger Bürgerschaft und setzt sich politisch, sozial und privat für eine gerechtere Gesellschaft ein. Inge Hannemann ist für viele Hartz-IV-Empfänger ihr wichtigstes Sprachrohr.

Frigga Haug

Frigga Haug, Wissenschaftlerin, Politikerin und Feministin
Der Einsatz für den Feminismus ist ihr Lebenswerk – als Autorin, Wissenschaftlerin und Politikerin der Partei Die Linke. Frigga Haug, geboren 1937, hat sich in ihrem wissenschaftlichen, politischen und sozialen Engagement der Stärkung der weiblichen Position aus einer linken Perspektive verschrieben. Ihr bekanntes Konzept, die so genannte „Vier-in-einem-Perspektive“, stellt zur Debatte, dass die vier Lebensbereiche Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Kultur und Politik als gleichwertig angesehen werden und gleich viel Zeit bekommen sollten. Wer über Work-Life-Balance redet, sollte unbedingt Frigga Haugs Ideen kennen, denn sie gehen sehr viel weiter. Haug plädiert für eine radikale Arbeitszeitverkürzung, um insbesondere überarbeitete und ausgebeutete Frauen zu entlasten. Und was tun mit der neu gewonnenen Zeit? „Wir brauchen Zeit, um mehr Freundlichkeit in diese Welt zu bringen“, ist einer der vielen Gründe, die Haug für ein Umdenken nennt.

Monika Hauser

Monika Hauser, Gynäkologin und Frauenrechtlerin
Über Kriegsvergewaltigungen wird in der Öffentlichkeit wenig gesprochen. Das Thema ist ein Tabu und so stehen viele Frauen mit ihren Erlebnissen alleine da. Die Frauenärztin Monika Hauser setzt sich für diese kriegstraumatisierten Frauen ein und hat die Organisation Medica Mondiale mitgegründet, als deren Geschäftsführerin sie fungiert. Mit ihrem Engagement hilft sie Frauen, die in Kriegssituationen sexualisierte Gewalt erlebt haben, durch sowohl körperliche als auch psychische Betreuung. Damit leistet sie einen großen Beitrag dazu, dass die Frauen ihre Erlebnisse verarbeiten können und das Thema öffentliche Aufmerksamkeit bekommt.

Dunja Hayali

Dunja Hayali, Journalistin
Im vergangenen Jahr wurde uns noch einmal ganz besonders vor Augen geführt: Fremdenfeindlichkeit, sowohl im Netz wie auch offline, ist ein reales Problem unserer Gesellschaft. Die Journalistin Dunja Hayali stellt sich mit ihrer journalistischen Arbeit und ihrem gesellschaftlichen Engagement gegen diesen Hass. Sie berichtet von Pegida-Demonstrationen, engagiert sich im Verein „Gesicht zeigen“ und setzt sich konstruktiv und dabei deutlich gegen Hasskommentare im Netz zur Wehr. Damit zeigt sie nicht nur, wie wichtig eine Haltung ist, sondern auch, wie wir alle starke und notwendige Signale gegen Ausgrenzung und Hetze senden können.

Diana Henniges und Christiane Beckmann

Diana Henniges und Christiane Beckmann, Gründerinnen von „Moabit hilft”
Die Situation der Geflüchteten in Deutschland ist vielerorts prekär. Doch ohne das Engagement der zahlreichen freiwilligen Helfer in den letzten Monaten und Jahren wäre sie mehr als das, kaum noch tragbar. Diana Henniges und Christiane Beckmann und die von ihnen gegründete Initiative „Moabit hilft“ sind ein herausragendes Beispiel der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten. Ihr Einsatz stellt gelebte Willkommenskultur dar und leistet wichtige Versorgungsarbeit an den Stellen, wo der Berliner Senat versagt hat. Die beiden Frauen und ihr Team leisten damit einen großen Beitrag dazu, dass Geflüchtete in Berlin einen sicheren Ort finden.

Judy Korn

Judy Korn, Aktivistin gegen Rechts
Die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Kriminalität in Deutschland ist im letzten Jahr wieder einmal angestiegen – alarmierende Zahlen, die zeigen, wie wichtig unser Engagement in dieser Sache ist. Genau das macht Judy Korn, seit ihrem 14. Lebensjahr kämpft die Aktivistin gegen Neonazis und für eine offene Gesellschaft. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Geschäftsführerin und Mitbegründerin des „Violence Prevention Network“. In diesem Netzwerk arbeitet sie mit gewaltbereiten Jugendlichen und hilft ihnen dabei, ihre rassistischen Ressentiments zu überwinden. Damit leistet Judy Korn einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen rechte Gewalt.

Ria Rehberg

Ria Rehberg, Tierrechtsaktivistin
Ria Rehberg ist passionierte Tierrechtsaktivistin und Vorstand von Animal Equality Deutschland. Das Ziel der internationalen Tierschutzorganisation ist es, das Leiden der Tiere in das öffentliche Interesse zu rücken. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Aufdecken der Zustände in der Nutztierindustrie. Animal Equality wurde 2015 von den Animal Charity Evaluators als eine der drei effizientesten NGOs weltweit ausgezeichnet. Die Organisation setzt auf hochmoderne Technologien: mit iAnimal, 360°-Videoimpressionen erhalten Nutzer beispielsweise authentische Einblicke in Mastbetriebe und Schlachthäuser, die mehr als alle Worte das vielerorts herrschende Leid der Tiere sichtbar machen.

Julia Römer

Julia Römer, Klimatechnikerin
In vielen armen Regionen auf der ganzen Welt haben Menschen keinen Zugang zu Strom und können dadurch weder Nahrung, noch lebenswichtige Medikamente richtig kühlen. Die junge Klimatechnikerin Julia Römer hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt: Denn der Kühlschrank Coolar kühlt mit Wärme statt mit Strom. Das ist nicht nur umweltschonender, weil Kühlschränke das meistverbreitete Haushaltsgerät sind, sondern er ist auch noch günstiger als alle bisher da gewesenen Produkte und könnte deshalb auch in stromlosen Regionen in Entwicklungsländern große Hilfe leisten.

Jamie Schaerer

Jamie Schaerer, Antirassismus-Aktivistin
Jamie Schaerer ist Aktivistin gegen Rassismus und arbeitet erfolgreich daran, den bestehenden Rassismus in Deutschland ins Schlaglicht zu stellen und neue Lösungen dagegen zu finden. Sie ist seit 2014 Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Ihr Schwerpunkt ist die europäische und internationale Vernetzung der Organisation, sie organisiert Kampagnen und hält Vorträge zu den Themen Rassismus, Kolonialismus und Racial Profiling. Im Jahr 2013 initiierte sie gemeinsam mit der Bloggerin Kübra Gümsay und Sabine Mohamed den Hashtag #schauhin, unter dem bis heute zehntausende Twitter-Nutzer ihre persönlichen Erfahrungen mit Alltagsrassismus veröffentlichten.

Elisabeth Schuh und Petra Moske

Elisabeth Schuh und Petra Moske, Gründerinnen von Nestwärme
Allein in Deutschland leben über eine Million Familien, die ein chronisch krankes oder ein Kind mit Behinderung zu Hause pflegen und betreuen. Eine Aufgabe, die Eltern nicht nur physisch und psychisch an ihre Grenzen bringt, sondern oft auch an den Rand der Gesellschaft. Abhilfe schafft seit 1999 das von Elisabeth Schuh und Petra Moske gegründete, und heute bundesweit aktive Familien-Entlastungs-Netzwerk Nestwärme, das sich für Familien mit schwer oder unheilbar kranken Kindern sowie Kindern mit Behinderung einsetzt und sie im Alltag begleitet.

Hilal Sezgin

Hilal Sezgin, Schriftstellerin, Publizistin und Journalistin
Hilal Sezgin erhebt unermüdlich ihre Stimme gegen Ungerechtigkeiten gegenüber Menschen und Tieren. Sie gehört zu einer der wenigen muslimischen Autorinnen, die in Deutschland für überregionale Zeitungen berichtet, unter anderem für ZEIT, die taz und die Süddeutsche Zeitung. Hilal Sezgin beschäftigt sich dabei vor allem mit den Themen Feminismus, Islam und Philosophie, Islamfeindlichkeit sowie Tierethik und Tierrechte. Als Autorin veröffentliche sie 2014 zudem zwei Bücher zum Thema Tierrechte und Veganismus ( „Artgerecht ist nur die Freiheit“ und „Hilal Sezgins Tierleben“).

Sina Trinkwalder

Sina Trinkwalder, Sozialunternehmerin
Das Unternehmertum nicht nur mit Gewinn, sondern auch mit sozialer Integration zutun hat, zeigt Sina Trinkwalder eindrücklich mit manomama. Das 2010 gegründete Augsburger Textilunternehmen produziert regional und nachhaltig sowie stellt aus Prinzip fast ausschließlich Menschen ein, die in unserer Gesellschaft wenig bis gar keine Karrierechancen haben. Für ihr Engagement wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Ein Konzept, dass auch die Integration von Immigranten unterstützen könnte.

Katja Urbatsch

Katja Urbatsch, Geschäftsführerin von ArbeiterKind
Abitur, Studium, Beruf – dieser Weg ist für Kinder aus einem Akademiker-Haushalt häufig vorgezeichnet. In Familien, in denen alle eine Berufsausbildung gemacht haben, sieht das jedoch oft ganz anders aus. Mit der Initiative ArbeiterKind möchte Katja Urbatsch das ändern. Ihr liegt am Herzen, Bildungshürden zu senken und so Kindern aus hochschulfernen Familien den Weg an die Universität zu erleichtern.

Warum ist Ihnen die Förderung dieser Gruppe so wichtig?
Ich glaube, dass der Schritt in Arbeit für jeden einzelnen Teilnehmer einer der Wesentlichsten ist, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Arbeit ist die Basis für Menschenwürde. Für jeden einzelnen Jugendlichen, der den Weg schafft, lohnt sich das Engagement. Auch volkswirtschaftlich betrachtet ist es eine riesige Chance, Menschen, die vermeintlich nicht für den Arbeitsmarkt geeignet sind, so zu qualifizieren, dass sie als zukünftige Fachkräfte eine Lücke schließen können, die sich bei uns auftun wird.

Nun weiten Sie das Projekt auch auf Flüchtlinge aus. Können alle ein Jobling werden?
Wie beim traditionellen Joblinge-Programm, wo wir gezielt Jugendliche mit geringer Qualifikation ansprechen, sind wir auch beim Thema Flüchtlinge auf diejenigen fokussiert, die faktenmäßig die größte Gruppe darstellen. Unter-25-Jährige, die nicht hochqualifiziert sind, die keinerlei Deutschkenntnisse, meistens auch keine Schulzeugnisse haben und von denen man genauso sagen kann, dass die Lücke bis zur Ausbildung und Qualifikation eine gigantisch große ist, die sich nicht von selbst schließt.

Was erleben die Menschen als erstes in Ihrem Programm?
Schon in den Sammelunterkünften informieren wir die Flüchtlinge über Joblinge und die Arbeitgeber, die über unser Netzwerk dahinter stehen. Was in dem Moment übrigens immer besonders erklärungsbedürftig ist, ist die Tatsache, dass es uns nicht darum geht, ihnen möglichst schnell nur einen Job zu vermitteln, sondern dass wir sie qualifizieren und in eine Ausbildung bringen wollen.

Wie kommt das?
Das Konzept der dualen Ausbildung ist in keinem der Herkunftsländer ein etablierter Begriff und wir müssen aufklären und klarmachen, wie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ohne eine Ausbildung oder Qualifizierung sind und wie signifikant sich gerade auch die Einkommenschancen verbessern, wenn man eine hat. Davon ganz abgesehen hat eine Ausbildung ja auch positive Auswirkungen auf die Bleibeperspektive.

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