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09.05.2017

07:09 Uhr

Unternehmerin Rübsamen-Schaeff

„Bayer hat ja auch mal klein angefangen“

VonCarina Kontio

Helga Rübsamen-Schaeff hat den Biotech-Konzern Aicuris aus Wuppertal zum Erfolg geführt. Eine Unternehmerin über Wagemut, männliche Netzwerke, Anreize für Mitarbeiter und etwas, das wirklich gegen Lippenherpes hilft.

Lange Zeit hat sie bei Bayer an einem Medikament gegen den Virus geforscht. Als ihre Abteilung dort eingespart wurde, gründete sie kurzerhand ihr eigenes Biotech-Unternehmens Aicuris.

Helga Rübsamen-Schaeff

Lange Zeit hat sie bei Bayer an einem Medikament gegen den Virus geforscht. Als ihre Abteilung dort eingespart wurde, gründete sie kurzerhand ihr eigenes Biotech-Unternehmens Aicuris.

Gegen die gegen die Vorbehalte ihres Vaters entschied sich Helga Rübsamen-Schaeff als Junge Frau zu einem Chemie-Studium. Und als es an der Universität um die Verteilung von 40 Laborplätzen ging, landete sie auf Platz 41, blieb aber eingeschrieben - so konnte sie später nachrücken und mit nur 24 Jahren "summa cum laude“ promovieren. Später kündigte sie bei Bayer einen sicheren Job, um ihr eigenes Ding zu machen. Multiresistenter Sturkopf oder unerschütterliche Optimistin? Die Unternehmerin hat den Biotech-Konzern Aicuris aus Wuppertal zum Erfolg geführt. Sie ist eine der 50 Nominierten für den Wettbewerb „25 Frauen, deren Erfindungen unsere Welt verändern“ für die Sie noch bis zum 18. Mai voten können (erfahren Sie hier mehr).

Frau Rübsamen-Schaeff, als Ihr damaliger Arbeitgeber Bayer 2006 der Infektionsforschung den Rücken kehrte, entschlossen Sie sich, diese Forschungseinheiten auf eigene Faust weiter voranzutreiben. Woher haben Sie den Mut dazu genommen, als damals alleinerziehende Mutter einen sicheren Manager-Job zu kündigen?
Es gehörte sicher Mut zu diesem Schritt. Die Überzeugung, dass unsere Arbeit gegen Infektionserreger in einer globalisierten Welt sehr wichtig ist, war aber eine mindestens ebenso bedeutende, treibende Kraft. Wir wollten dieses Know-How für die Erforschung von Medikamenten gegen Viren und von Antibiotika gegen multiresistente Krankenhauskeime erhalten und die Arbeit fortführen.

Was sicher nicht ganz billig ist...
Ganz bestimmt nicht! Ich hatte mir aber auch sehr genau überlegt, wie viel Geld wir brauchen würden, um erfolgreich sein zu können. Meinen Mitarbeitern habe ich immer gesagt: „Wenn es uns nicht gelingt, Investoren zu finden, die unser Business verstehen und uns ausreichend finanzieren, machen wir es nicht.“



In Krisen greifen vor allem bestehende (männliche) Netzwerke. Das spielt auch beim weiteren Aufstieg eine Rolle - würden Sie sich als gute Netzwerkerin bezeichnen?
Als Netzwerkerin war ich damals nicht besonders breit aufgestellt. Ich glaube auch, dass es damals wichtiger war, ein sehr genaues Bild von der zukünftigen Firma zu entwerfen und von ihren Aufgaben und dann zu wissen, welche Finanzierung über welchen Zeitraum notwendig sein würde.

Die 50 Nominierten im Überblick - Teil 1 -

Andrea Pfundmeier, Gründerin Secomba

Immer mehr Menschen laden wichtige und private Informationen in eine Cloud, um immer und überall Zugriff darauf haben zu können. Allerdings weiß die breite Masse spätestens seit den Hackerattacken auf die Clouds von Hollywood-Stars, dass der Onlinespeicher eben doch nicht komplett sicher ist. Das beschäftigte auch die studierte Rechts– und Wirtschaftswissenschaftlerin Andrea Pfundmeier, als sie eigentlich drauf und dran war, gemeinsam mit Robert Freudenreich ein anderes Unternehmen zu gründen. Dann war aber schon die Idee zu Secomba und der Verschlüsselung Boxcryptor geboren. Damit können Nutzer ihre Daten auf dem Computer verschlüsseln und danach in die Cloud laden.

Anika Brömel, Diplom-Physikerin und PhD-Studentin

Im Jahr 2004 gewann Anika Brömel den Wettbewerb „Jugend forscht“in der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften. Gemeinsam mit zwei Forschungspartnern hat sie damals die Veränderung der Vegetation in Wäldern untersucht. Das Innovative dabei: Anstatt einfach gesunde und kranke Bäume zu zählen und dann auszuwerten, nutzten sie Satellitenbilder der Deutschen Anstalt für Licht- und Raumfahrttechnik. Nationalparks können damit langwierige und kostspielige Untersuchungen erspart werden. Mittlerweile ist Anika Brömel Diplom-Physikerin und macht ihren PhD am Institut für angewandte Physik der Uni Jena.

Annette Langen, Autorin der Felix-Bücher

Viele Kinder, die mittlerweile erwachsen sind, wurden von dem Hasen Felix und seinen Briefen um die Welt begleitet. Nicht nur in Deutschland, denn die Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Die aus einer Buchhändlerfamilie stammende Autorin Annette Langen half Kindern mit Felix dabei, die Welt zu erforschen und zu verstehen. Damit hat sich Felix zu einer prägenden Figur für viele Kinder und heutige Erwachsene entwickelt. Das erste Kinderbuch schrieb sie bereits 1989 und in diesem Jahr fehlen ihr nur noch zwei Bücher bis zur Veröffentlichung ihres 100. Buch. Außerdem engagiert sie sich in der Kinderleseförderung, damit möglichst jedes Kind teil an ihren Geschichten haben kann.

Angelika Mettke, Bauingenieurin und Professorin

Plattenbauten nehmen viele von uns nur noch als grausame Bausünden wahr. Nicht so Prof. Dr. Angelika Mettke. Die Bauingenieurin hat eine Mission: Dem ausgedienten Beton abgerissener Siedlungen ein zweites Leben als Wand oder Decke in Neubauten zu ermöglichen. Recycling im großen Stil also. Für ihr Engagement erhielt die “Pionierin des Betonrecyclings” letztes Jahr den deutschen Umweltpreis, denn dank ihr enthält mittlerweile jeder Berliner Neubau recycelten Beton.

Cordula Nussbaum, Coach, Speakerin und Buchautorin

Zeitmanagement ist für die meisten von uns ein großes Problem – aber es gibt Hoffnung: Cordula Nussbaum ist Expertin auf dem Gebiet des Selbstmanagement. Vor mehr als 13 Jahren entwickelte sie einen neuen Ansatz: „kreativ-chaotisches Zeit- und Selbstmanagement“ nennt sie diesen. Das Besondere dabei? Er ist speziell für Querdenker entwickelt. Die Psychologin und Kommunikationswissenschaftlerin ist sich sicher, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg zum Erfolg gehen muss. Der von ihr entwickelte Ansatz hilft dabei: individuell und unkonventionell.

Dipl. Ing. Sonja Jost, Mit-Gründerin DexLeChem

Grüne Chemie – was für Laien nach einem Gegensatz klingt, ist Sonja Josts Leitgedanke. Bei der Medikamentenproduktion wird oft umweltschädliches Erdöl verwendet. Das wollte die Wirtschaftsingenieurin und technische Chemikerin ändern und gründete kurzerhand gemeinsam mit drei Kollegen ein Startup. Dexlechem entwickelte ein Verfahren, mit dem Medikamente mit Wasser produziert werden können – das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger. Mit ihrem Team setzt Sonja Jost sich für eine nachhaltige Chemie ein und trägt damit einen wichtigen Beitrag zum Wandel der Industrie bei.

Dr. Anke Domaske, Gründerin QMilk

Jedes Jahr werden Tausende Liter Rohmilch weggeschüttet, da sie nicht mehr verkehrsfähig sind und deshalb nach gesetzlichen Regelungen nicht mehr als Lebensmittel verwendet werden dürfen. Die Mikrobiologin Dr. Anke Domaske wollte dieser Verschwendung ein Ende setzen und hat dafür auch gleich mehrere Lösungen gefunden. Mit ihrem Unternehmen QMilk stellt sie Textilfasern, Kosmetik und Granulat aus nicht als Lebensmittel verwendeter Rohmilch her. Für die Faser und das Granulat wird das Milcheiweiß Kasein aus der Rohmilch gewonnen und weiterverarbeitet. Es werden also Produkte benutzt, die sonst weggeschmissen werden. So geht Nachhaltigkeit.

Anne Christin Bansleben, Gründerin Deepmello Rhabarberleder

Viele Menschen tragen gerne Leder, denn es bietet anderen Stoffen gegenüber einige Vorteile. Ein Problem ist allerdings, dass zur Weiterverarbeitung der Tierhäute mit schädlichen Chemikalien gearbeitet werden muss. Durch das Verfahren von Dr. Anne Christin Bansleben, einer promovierten Ernährungswissenschaftlerin, kann auf die Chemikalien verzichtet werden. Sie hat quasi durch Zufall entdeckt, dass Wirkstoffe aus der Rhabarberwurzel eine gerbende Wirkung haben und ein Verfahren entwickelt, wie man damit das Leder pflanzlich gerben kann.

Dr. Beatrix Förster, Gründerin von PYCAB

Viele Menschen befürchten noch kranker aus dem Krankenhaus zu kommen als sie hineingegangen sind. Der Grund dafür sind multiresistente Keime – also Keime, die nicht mit Antibiotika behandelt werden können. Deswegen gründete die Humanbiologin und Gründerin Beatrix Förster das Startup PYCAB, wo Antikörperpräperate entwickelt werden, die gegen multiresistente Keime wirken sollen. Das erste Medikament kann bereits vor einem Krankenhausaufenthalt eingenommen werden, um eine Ansteckung zu vermeiden oder bei bereits vorhandener Infektion, um die Krankheit einzudämmen. Später sollen Präparate folgen, mit denen sich auch Erkrankungen wie Hepatitis C oder HIV behandeln lassen.

Dr. Bettina Springer, Gründerin Fine-Deodorant

In vielen herkömmlichen Deodorants ist schädliches Aluminium enthalten. Die Alternativen riechen oft entweder nicht besonders gut, wirken kaum oder sind nicht besonders schön designt. Dr. Bettina Springer wollte das nicht länger hinnehmen und hat innerhalb nur eines Jahres eine wirkliche Alternative entwickelt. „Fine” ist vegan, aluminiumfrei, riecht gut, sieht schick aus – und das Wichtigste: ist nicht schädlich. Erfinderinnen müssen nicht immer eine klassische Naturwissenschaftskarriere hingelegt haben: die zweifache Mutter hat ihr erstes Staatsexamen in Jura, war lange Zeit Ausstellungskuratorin und hat nebenbei auch noch eine Yoga-Ausbildung gemacht.

Dr. Heike Riel, IBM Fellow, Executive Director IBM Research Frontiers Institute

Das Smartphone ist mittlerweile eines unser wichtigsten Wegbegleiter. Die Entwicklung, die es in den letzten Jahren durchgemacht hat, ist enorm und wir haben uns mittlerweile an den Luxus gewöhnt, dass es blitzschnell auf unsere Eingaben reagiert. Das können wir unter anderem Dr. Heike Riel verdanken, die maßgeblich an der Entwicklung des Amoled-Displays beteiligt war. Amoled-Displays werden in Mobilendgeräten, also auch Laptops oder Smartwatches, benutzt und bestehen aus einer organischen Verbindung, die ein Elektrolumineszenzmaterial formt. Durch dieses Material wird die Reaktionszeit auf unter eine Millisekunde reduziert und im Vergleich zu zum Beispiel LCD-Bildschirmen wird wesentlich weniger Energie verbraucht. Das Smartphone macht also besonders schnell und besonders lange das, was wir wollen.

Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer, Entwicklerin Cochlea-Implantat

Häufig sind uns die ganzen Geräusche um uns herum zu viel, die Gespräche, die Musik und der allgemeine Lärm. Für hörgeschädigte Menschen ist die Wahrnehmung von Geräuschen allerdings etwas Besonderes. Durch das weltweit erste Mehrkanal-Cochlea-Implantat von Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer und ihrem Mann, konnten hörgeschädigte Menschen 1980 zum ersten Mal Nuancen in Geräuschen wahrnehmen und Wörter und Sätze ohne Lippenlesen verstehen. Bei dem Implantat überträgt eine lange bewegliche Elektrode elektrische Signale durch die Cochlea - das schneckenförmige Innenohr - an den Hörnerv.

Dr. Julia Shaw, Rechtspsychologin

Wenn es darum geht, wem wir zu 100 Prozent vertrauen können, würden die meisten wahrscheinlich sich selbst und ihr Gedächtnis nennen. Denn wenn wir uns an eine Begebenheit erinnern können, muss es ja passiert sein. Die Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw hat das Gegenteil bewiesen und uns damit mehr oder weniger gezeigt, dass wir nicht mal uns selbst glauben können. In einer von ihr und ihrem Team durchgeführten Studie überzeugte sie 70 Prozent ihrer Probanden davon, ein Verbrechen begangen zu haben, das tatsächlich niemals stattgefunden hat. Damit lässt sie uns nicht nur an uns selbst zweifeln, sondern auch an der Richtigkeit vieler Verhörmethoden – und damit auch vieler Urteile.

Dr. Sabrina Badir, Erfinderin Pregnolia

Eine Schwangerschaft kann eine wunderschöne Zeit sein und doch herrscht in ihr oft die Sorge um das noch ungeborene Baby. Besonders groß ist die Angst vor Frühgeburten, die zu den häufigsten Ursachen von Sterblichkeit und Langzeiterkrankungen bei Neugeborenen zählen. Der häufigste Grund für Frühgeburten ist eine Schwäche im Gebärmutterhals, die bisher nur mäßig durch Ultraschalluntersuchungen erkannt werden konnte. Dr. Sabrina Badir hat gemeinsam mit Francisco Delgado das Züricher Unternehmen Pregnolia gegründet und ein Verfahren entwickelt, mit dem durch eine absolut schmerzfreie Methode der Unterdruck im Gebärmutterhals gemessen wird. Dieses Verfahren liefert mehr Daten als die herkömmlichen Methoden, indem festgestellt wird, wie weich das Gewebe ist, denn je weicher das Gewebe, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf eine Fehlgeburt.

Dr. Susanne Friebel, Gründerin Phoneon

Immer mehr Menschen müssen auf immer kleinerem Raum arbeiten, leben und zusammenkommen. Dabei ist es gar nicht so einfach, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, während zwei Meter weiter jemand ein Meeting führt. Genau aus diesem Grund hat Dr. Susanne Friebel Phoneon gegründet und entwickelte mit ihrem Team einen Schallabsorber, der Hintergrundgeräusche dämpft und so besonders Gespräche erleichtert – und das ganz einfach, in dem der „Soundbutler“ , der in den Raum gestellt wird, dann sofort die Akustik verbessert. Stark!

Ida Tin, Gründerin Clue

Clue, das ist die Zyklus-App, die laut Unternehmensangaben mittlerweile von über fünf Millionen Nutzerinnen und Nutzer weltweit auf ihrem Smartphone installiert ist, um Daten rund um den weiblichen Zyklus zu tracken: die Blutung, die fruchtbare Phase, Zeichen des Körpers wie Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen und natürlich: Sex – geschützt oder ungeschützt. Entwickelt hat die App die Dänin Ida Tin mit ihrem Team. 2013 ging der Zyklus-Tracker an den Start. Anfang des Jahres hat Ida Tin für Clue eine weitere Millionen-Finanzierung erhalten und ebnet den Weg dafür, dass im Bereich FemTech mehr investiert wird und Innovationen für Frauen ermöglicht werden.

Jacqueline Urbach, Erfinderin der farbigen Kontaktlinsen

Brillen sind modetechnisch nicht mehr wegzudenken und sogar Menschen ohne Sehschwäche tragen sie gern. Allerdings werden die meisten Brillenträger schon einmal eine Situation gehabt haben, in der sie lieber auf ihre Kontaktlinsen zurückgegriffen haben. Dass Kontaktlinsen mittlerweile so weich und dünn sind, können die Träger zu einem großen Teil der Optikerin und Gründerin von Discountlens Jacqueline Urbach verdanken, die die Schweizerin in den 60er Jahren in den USA revolutioniert hat – denn dorthin ist sie in jungen Jahren ausgewandert. Kurz darauf hat sie zudem auch noch die farbigen Kontaktlinsen erfunden. Alles zu einer Zeit, in der Frauen in der Berufswelt eher selten zu finden waren.

Johanna Ludwig, Co-Founder Akvola

Unsere Erde besteht zu 90 Prozent aus Wasser, allerdings sind davon nur zehn Prozent Süßwasser, das wir als Trinkwasser nutzen können. Durch unseren Durst nach Konsum, Kleidung und Fleisch gehen die ohnehin schon knappen Ressourcen zur Neige. Es wird für uns alle also immer wichtiger, Reinigungsmethoden zu entwickeln, die unsere Wasserversorgung weiterhin garantieren, dabei aber energiearm arbeiten. Genau an diesem Punkt setzt die Ingenieurin Johanna Ludwig mit Akvola, einer Wasseraufbereitung, an. Durch einen speziellen Filterprozess kann die Reinigungsanlage mit keramische Materialien Schmutzwasser reinigen und die Meerwasserentsalzung vorbereiten. Dabei verbraucht es 90 Prozent weniger Energie und 70 Prozent weniger CO2 als vergleichbare Technologien.

Julia Römer, Klimatechnikerin und Mit-Gründerin Coolar

Ein Kühlschrank ohne Strom? Julia Römer hat ihn gemeinsam mit ihrem Team von Coolar entwickelt. Mit ihrer Erfindung können Medikamente und Nahrungsmittel in den vielen Regionen, die nicht an eine Stromversorgung angeschlossen sind, haltbar bleiben – und dadurch buchstäblich Leben retten. Deshalb war Julia Römer bereits im vergangen Jahr eine unserer „25 Frauen, die unsere Welt besser machen”. Für ihren Kühlschrank der Zukunft, hätte die Klimatechnikerin auch dieses Jahr wieder einen Preis verdient.

Julia Schröder und Theresia Uhrlau, Entwicklerinnen Yuma

In Zeiten des Smartphones ist die größte Aufgabe des Backpackers wohl oft die Suche nach der nächsten Steckdose. Julia Schröder und Theresia Uhrlau haben einen Rucksack entwickelt, der diese Suche obsolet machen könnte. Yuma heißt ihr Label, unter dem die beiden Kommunikationsdesignerinnen aus Hamburg mit ihren Wearables den Outdoor-Bereich revolutionieren wollen. Dafür nehmen sie bereits bestehende Rucksäcke und ergänzen diese mit organischen Solarzellen. Dann kann die Sonne den ganzen Tag auf den Rucksack scheinen und die daraus resultierende Energie wird in den angebrachten Powerbanks gespeichert. In ihrem Produkt zerschmelzen Mode und Technik zu Solarwear – und wir müssen uns keine Sorgen mehr über leere Akkus machen. Für ihre Idee standen die beiden 2016 im Finale der Telekom Fashion Fusion Challenge und gehören nun auch zu unseren 50 Nominierten.

Katrin Bermbach, Nora Blum, Farina Schurzfeld, Gründerinnen Selfapy

Die Belastungen in unserem Leben und besonders in unseren Berufen scheinen immer größer zu werden. Immer mehr Menschen erkranken an Angststörungen, Depressionen oder Burnout. Obwohl es immer selbstverständlicher wird, einen Psychologen aufzusuchen, haben trotzdem viele Angst davor, diesen Schritt zu gehen und noch mehr, dass ihr Vorgesetzter von den Terminen erfahren könnte. Hinzu kommen noch Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr für einen verfügbaren Psychologentermin. Um diesen Menschen trotzdem eine psychologische Beratung zur Seite stellen zu können und die Zeit zum Termin zu überbrücken, haben Katrin Bermbach, Nora Blum und Farina Schurzfled Selfapy entwickelt, eine psychologische Onlinebetreuung. Hierbei werden die Teilnehmer anonym über neun Wochen psychologisch durch Telefonate und Chats begleitet, während sie außerdem an Onlinekursen angepasst an ihre Erkrankungen teilnehmen. Das alles wird von der Krankenkasse übernommen.

Katrin Reuter, Gründerin Trackle

Als studierte Politikwissenschaftlerin ein E-Health-Startup zu gründen, klingt erstmal ziemlich abwegig. Wie gut das allerdings funktionieren kann, wenn man eine starke Idee hat, zeigt Katrin Reuter. Trackle ist eine hormonfreie Alternative zur Verhütung. Der kleine Temperatursensor, den die zweifache Mutter und Gründerin entwickelt hat, ist vaginal tragbar und kann sowohl bei der sicheren Verhütung als auch beim schnelleren Schwangerwerden helfen. Seit einiger Zeit läuft das Device sogar batteriefrei, also mit einer ungiftigen Energieversorgung. Dafür gab es gerade erst eine sechsstellige Finanzierungsrunde und ein erfolgreiches Crowdfunding durch Frauen und Männer, die das Gerät nutzen wollen.

Kerstin Ursinus, Gründerin und Erfinderin Kumja

2011 war Kerstin Ursinus das erste Mal schwanger. Die Geburt fiel in den Winter und machte die Maschinenbauingenieurin zur Erfinderin. Weil sie nicht extra eine neue Jacke kaufen wollte, nähte sie sich kurzerhand einfach eine Jackenerweiterung. So konnte sie ihre Tochter bequem unter der Jacke tragen und die hatte es dort schön warm. Aus der Idee entwickelte sie ihr Produkt: KUMJA („Komm unter meine Jacke“), das über einen Adapter-Reißverschluss funktioniert und somit den teuren Neukauf einer Jacke überflüssig macht. Kurze Zeit später gründete gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ihr eigenes Unternehmen, denn sie hatte eine Marktlücke entdeckt. Kumja ist mittlerweile ein Vollzeitjob für Kerstin, ihren Lebensgefährten, 22 Mitarbeiter in Deutschland und 35 Mitarbeiter in der eigenen Produktionsstätte in Vietnam.

Kim Wlach, Mitentwicklerin von Elumniocity

Elektroautos haben sich von einer Utopie zu einem Verkehrsmittel entwickelt, das besonders das Straßenbild von Großstädten prägt. Allerdings bedeuten mehr Elektroautos auch den Bedarf an mehr Auflademöglichkeiten, die am besten an zentralen Standpunkten sind. Um mehr Ladestationen zu schaffen und nicht nur Elektroautobesitzer davon profitieren zu lassen, hat Kim Wlach zusammen mit ihrem Team smarte Straßenlaternen namens Elumniocity entwickelt. Sie haben nicht nur eine intelligente Lichtsteuerung, sondern sind zeitgleich auch Ladestationen für Elektroautos. Die Straßen werden also mit energiesparmsamen Licht und „vollgetankten“ Elektroautos versorgt.

Lia Magdalena Weiler, Co-Founder Glow

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich mehr Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung durch offene Kochfeuer als an Malaria. Das liegt vor allem daran, dass 2,7 Milliarden Menschen auf der Welt Holz und Dung verbrennen, um ihr Essen zu kochen. Genau bei diesem Problem setzt Lia Magdalena Weiler an: Gemeinsam mit Sebastian Erdmann entwickelte sie einen Herd speziell für Entwicklungsländer und gründete das Startup Glow. Die Herde sind energiesparend, kochen effizienter und schonen dabei die Umwelt. Außerdem schaffen Lia Magdalena Weiler und ihr Team Arbeitsplätze in den Entwicklungsregionen. Zu Recht schafften die beiden Gründer es deshalb 2016 auch schon auf die Forbes Liste der 30 unter 30 in Europa.

Heute haben Sie Ihren alten Arbeitgeber mit ihrem Unternehmen Aicuris, das seither in Wuppertal an der Entwicklung neuartiger Antibiotika und Antivirus-Medikamente arbeitet, auf dem Gebiet überholt und akquirieren Millionen. Empfinden Sie das als eine gewisse Genugtuung?
Dass wir Bayer auf dem Infektionsgebiet überholt hätten, kann man heute sicher noch nicht sagen. Hier spielt Bayer – die vermarkteten Substanzen hat man ja damals behalten - definitiv noch in einer anderen Liga! Aber für eine junge Firma wie uns war der erste große Lizenzvertrag mit MSD, der uns bei Unterschrift 110 Millionen Euro bescherte, schon ein ganz großartiger und wichtiger Schritt. Und wenn unser Medikament Letermovir, für das MSD (Anm.: Merck Sharp & Dohme) die Lizenz hält, in den Markt kommt, können wir weitere Meilensteinzahlungen in Millionenhöhe sowie Umsatzbeteiligungen erwarten. Das freut mich natürlich sehr als Erfolg für Aicuris – und Bayer hat ja auch mal klein angefangen!

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