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13.08.2016

17:00 Uhr

Verwalter schlägt Gründer

Gründergeist an der Konzernspitze gesucht

VonClaudia Obmann

Unternehmer-Gen in der Chefetage? Fehlanzeige. Ex- Gründer sind in Konzernen zwar dringend gesucht. Aber sie fühlen sich selten willkommen – und so gelangen eher Kandidaten mit einer klassischen Manager-Vita nach oben.

Macher statt Verwalter sind an der Konzernspitze gefragt.

Gründer gesucht!

Macher statt Verwalter sind an der Konzernspitze gefragt.

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Was haben ein ehemaliger Delikatessenhändler aus dem amerikanischen Long Island und ein Ex-Kneipenbesitzer aus Dingolfing gemeinsam? Sie sind heute amtierende Chefs in zwei von Deutschlands 30 größten Konzernen. Die Rede ist vom SAP-Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott, der sich schon mit 17 Jahren neben der Schule mit einem Lebensmittelgeschäft selbstständig machte. Und dem scheidenden Adidas-Chef Herbert Hainer, der mit einem Kommilitonen während seines Betriebswirtschaftsstudiums den 'Gußofen' betrieb, bevor er die Laufbahn als Konzernmanager einschlug.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

„Der 'Gußofen' war ein riesiger Erfolg“, sagt Hainer im Rückblick. „Wir haben beide abends dort abwechselnd gearbeitet und uns am Anfang keinen Unternehmerlohn ausgezahlt. Nach einem Jahr haben wir das Darlehen, was wir aufgenommen hatten, komplett abbezahlt und die Kneipe mit Gewinn wieder verkauft.“

Hainer und McDermott gelten mit ihrer Gründererfahrung als Exoten. In Deutschland, wo McDermott nach Hainers Abgang bei Adidas ab Oktober voraussichtlich der letzte Dax-Vorstandschef mit Unternehmervergangenheit sein wird und erst recht in den USA, wo kein einziger Chef im Dow-Jones-Index je ein eigenes Unternehmen gegründet oder geführt hat.

Noch sind Hainer und McDermott also Sonderfälle. Warum das so ist, weiß Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer der Personalberatung Korn Ferry in Deutschland: „Die aktuelle Chef-Generation ist einer Zeit entsprungen, in der Gründergeist weniger gefragt war, als das Erbe der Gründergeneration davor zu erhalten oder zu mehren. Jeder bekam sofort einen Job, da stellte sich die unternehmerische Frage häufig gar nicht.“ Wer heute an der Spitze eines börsennotierten Großunternehmens stehe, der habe sein Berufsleben mit dem Weg durch die verschiedenen Führungsebenen und im angestellten Management verbracht.

Doch die Voraussetzungen haben sich angesichts von Globalisierung und Digitalisierung gewandelt. „Daher würden Chefs mit unternehmerischer Erfahrung auch heute schon vielen Konzernen guttun“, sagt Graf Douglas. Gerade in einer Zeit, in der viele Firmen sich als Mitarbeiter den „Unternehmer im Unternehmen“ wünschen, wäre es notwendig, sich auch beim Spitzenpersonal von den schnurgeraden Lebensläufen der Vergangenheit abzuwenden. Und stattdessen „auf diejenigen zu schauen, die das größte Potenzial haben, um die Probleme von morgen zu lösen“. Anders gesagt: Macher statt Verwalter sind gefragt.

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