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15.10.2016

15:34 Uhr

Vodafone-Geschäftsführerin Anna Dimitrova

„Ich spreche laut und bin direkt“

VonClaudia Obmann

Als Frau fühlte sie sich nie diskriminiert, als gebürtige Bulgarin schon: Die neue Geschäftsführerin bei Vodafone Deutschland, über Fluch und Segen der Doppelquote – und ihre Digital-Strategie für den Mobilfunkkonzern.

Die Vodafone-Geschäftsführerin für Strategie & Digitales ist eine der wenigen Spitzen-Managerinnen in Deutschland mit ausländischen Wurzeln. (Quelle: Alexander Vejnovic)

Anna Dimitrova

Die Vodafone-Geschäftsführerin für Strategie & Digitales ist eine der wenigen Spitzen-Managerinnen in Deutschland mit ausländischen Wurzeln.

(Quelle: Alexander Vejnovic)

DüsseldorfAls Teenager erlebte Anna Dimitrova den Zusammenbruch des Sozialismus. Von ihrem Vater, der damals wie die meisten Bulgaren plötzlich arbeitslos wurde und mutig einen Weinhandel gründete, lernte sie, offen für neue Chancen zu sein. Genau zwanzig Jahre ist es her, dass sie zum Studium nach Deutschland kam. Seitdem arbeitet sie hier. Erst mit Greencard, inzwischen mit deutschem Pass, wie sie im Gespräch mit dem Handelsblatt erzählt. Ein persönliches Jubiläum, das von der heute 40-jährigen Vodafone-Managerin so nie geplant war. Premium-Inhalt: Sie haben mit diesem Text Zugang zu einem Digitalpass-Inhalt, den wir den Mitgliedern unseres Business-Netzwerkes Leader.In an dieser Stelle kostenlos zur Verfügung stellen. Erfahren Sie mehr über die Initiative Leader.In in unserer Linkedin-Gruppe.

Frau Dimitrova, Sie sind der Traum jedes Headhunters in Sachen Vielfalt: eine qualifizierte Managerin mit ausländischen Wurzeln. Was toll klingt, war aber kein optimaler Start für den Aufstieg in deutschen Unternehmen, oder?
Teils, teils. Ich habe zwar nie Vorurteile mir gegenüber als Frau gespürt – aber anfangs doch wegen meiner Herkunft.

Sie stammen aus Bulgarien. Was haben Sie denn erlebt?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ich hatte 2001 mit damals 24 Jahren den besten Abschluss als Diplom-Kauffrau in meinem Jahrgang an der Uni in Erlangen-Nürnberg mit den drei Schwerpunkten Marketing, Wirtschaftsinformatik und Controlling gemacht, nachdem ich vorher in Sofia an der Universität für Weltwirtschaft studiert hatte. Und da fragt mich ein Personalberater doch tatsächlich, was ich denn besser könne als ein deutscher Bewerber. Das hat mich sehr geärgert.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Wieso?
Weil es unterstellt, Bulgarien sei ein unterentwickeltes Land. Dabei muss man sich doch zum Beispiel nur mal anschauen, wie selbstverständlich Frauen in den ehemaligen sozialistischen Staaten Führungspositionen bekleiden, auch als Mütter, und wie schwer man sich in Sachen Gleichberechtigung in Deutschland tut. Je nach Perspektive hat doch jede Nation Entwicklungsbedarf.

Warum zog es Sie überhaupt ins Ausland?
Eigentlich eine Geschäftsidee: In Österreich hatte ich gesehen, wie bunt Kleidung sein konnte im Gegensatz zu den zuhause vorwiegenden Farben Grau, Braun und Schwarz. Ursprünglich wollte ich in die Mode-Branche, um schickere Textilien in Bulgarien anzubieten.

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