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22.11.2015

18:35 Uhr

Vorbilder und Werte für Frauen in Führungspositionen

„Ohne Macht lässt sich nicht führen“

VonBarbara Strohschein

Brauchen Frauen andere Vorbilder und Werte als Männer? Mit dieser Frage hat sich die Werte-Expertin Barbara Strohschein beschäftigt. In einem Gastbeitrag erklärt sie, wie Chefinnen nicht in die Werte-Falle tappen.

Die Autorin ist promovierte Philosophin. Sie arbeitete als Lektorin und Redakteurin für Verlage und Zeitschriften und ist heute als Expertin für Werte-Philosophie in eigener Praxis als Coach, Beraterin und Autorin tätig. (Foto: Webseite www.barbarastrohschein.de)

Barbara Strohschein

Die Autorin ist promovierte Philosophin. Sie arbeitete als Lektorin und Redakteurin für Verlage und Zeitschriften und ist heute als Expertin für Werte-Philosophie in eigener Praxis als Coach, Beraterin und Autorin tätig.

(Foto: Webseite www.barbarastrohschein.de)

BerlinDie Berliner Philosophin Barbara Strohschein arbeitet als Coach und Autorin. Ihr Buch „Die gekränkte Gesellschaft - Das Leiden an Entwertung und das Glück durch Anerkennung“ ist gerade im Riemann Verlag erschienen. In ihrem Gastbeitrag, den Sie exklusiv für unsere Initiative Leader.In, ein Businessnetzwerk zur Vernetzung erfolgreicher Frauen und Männer aus der Wirtschaft, geschrieben hat, zeigt Strohschein, was überhaupt Werte sind und was sie bedeuten. Die Werte-Expertin zeigt auch, über welche Optionen Chefinnen verfügen, ohne in die Werte-Falle zu tappen, wenn sie Macht ausüben und ihre Mitarbeiter führen.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Was bedeuten Vorbilder? Was sind Werte? Ich will es Ihnen kurz erklären. Wer ein Vorbild hat, orientiert sich an Qualitäten: „So möchte ich auch sein!“ Man kann diese Qualitäten auch als „Werte“ bezeichnen. Und Werte sind Tugenden und Ideale, nach denen wir uns ausrichten. Werte, die emotional besetzt sind. Die wirken, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Sie sind in „Fleisch und Blut“ übergegangen.

Tugenden wie beispielsweise Fleiss, Mut, Fairness, Verläßlichkeit und Höflichkeit sind überprüfbare Handlungsqualitäten. Ideale sind das nicht. Ideale sind Vorstellungen von bestmöglichsten Zielen wie Freiheit, Verantwortlichkeit, Gleichberechtigung oder Loyalität. Diese Ideale sind sehr verschieden lebbar und interpretierbar.

Wozu Vorbilder und Werte? Nun, meine Erfahrung als philosophische Beraterin für Führungskräfte zeigt, dass Werte für den Erfolg eine große Rolle spielen, auch wenn nicht direkt davon die Rede ist. Wer führt, muss überzeugen können. Denn wer nicht überzeugt, dem folgt man nicht. Aber wie überzeugt man?

Das gelingt, indem man vorbildlich handelt und entscheidet. Das hieße, sich so zu verhalten, wie man es von anderen erwartet und Ziele vertritt, die über die persönlichen Ego-Interessen und die Profitmaximierung hinausgehen. Auch in meinen Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Führungskräfte, die werteorientiert handelt, weit mehr von ihren Mitarbeitern geachtet werden.

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