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13.10.2015

07:48 Uhr

Wie Unternehmen von Frauen profitieren

Weck die Chefin in dir!

VonSigrid Meuselbach

Erfolge in Schule, Studium und Ausbildung gaukeln Frauen vor, es stünden alle Türen offen. Doch noch ist das Business männlich, und nur erfolgreiche Frauen können das ändern. Was sie dafür lernen müssen. Ein Gastbeitrag.

Frauen müssen für Führungspositionen noch immer hart kämpfen. Getty Images

Frauen müssen für Führungspositionen noch immer hart kämpfen.

DüsseldorfSigrid Meuselbach bringt Frauen in Führung und hilft Männern, damit zu leben. Die Expertin für weibliche und männliche Karrieren in Wirtschaft und Wissenschaft steht als Trainerin, Coach und Vortragsrednerin für die Vereinbarkeit von Frauenkarriere und Unternehmenserfolg. Ihr Erfolgsgeheimnis: Ein männlicher Sparringspartner als fester Bestandteil ihrer Trainings für weibliche Fach- und Führungskräfte. Ihr Buch Weck die Chefin in dir. 40 Strategien für mehr Selbstbehauptung im Job ist im April 2015 erschienen. Für unsere Initiative Leader.In, ein Businessnetzwerk zur Vernetzung erfolgreicher Frauen und Männer aus der Wirtschaft, hat Sigrid Meuselbach einen Gastbeitrag geschrieben.

Kennen Sie das Gender-Märchenland von dem die großen Idealist(inn)en träumen? Außer den körperlichen Unterschieden zwischen Frau und Mann unterscheiden sich die Geschlechter nicht mehr. Natürlich verfügt jeder Mensch noch über persönliche Stärken und Schwächen, aber ein „typisch Frau oder Mann“ ist Schnee von gestern. Wie das allerdings mit Märchen so ist – die meisten sind zu schön, um wahr zu sein, und „märchenhaft“ ist nur ein anderes Wort für unmöglich.

Die sieben Etappen des ersten Führungsjobs

1. Etappe

Die erste Etappe widmet sich dem Aufbruch in die neue Führungsaufgabe. Es geht darum, sich nicht mit einem großen „Hurra” blindlings ins Abenteuer zu stürzen, sondern sich zunächst zu fragen: Bin ich bereit für die neue Führungsaufgabe?

2. Etappe

Mit der Übernahme der Führungsrolle überschreiten Sie die Schwelle vom Mitarbeiter zur Führungskraft. Damit beginnt die zweite Etappe - und mit ihr das Abenteuer Führung. Sie sind nun bereit, allen Konsequenzen ins Auge zu schauen, die sich aus Ihrer in den folgenden Tagen und Wochen ergeben.

3. Etappe

Mit der dritten Etappe ist die Schonzeit der ersten 100 Tage vorbei. Die ersten wirklichen Bewährungsproben stehen an. Sie lernen die Regeln einer neuen Welt kennen, suchen treue Gefährten, gewinnen Verbündete - und werden sich Feinde machen. Es lauern Gefahren, die es rechtzeitig zu erkennen gilt.

4. Etappe

Die vierte Etappe widmet sich Ihrem Team, das Sie nun auf den Prüfstand stellen: Wer sind die Leistungsträger? Auf wen können Sie zählen? Ziel ist, ein schlagkräftiges Team zu formen, das an einem Strang zieht. Zugleich geht es darum, für die Mitarbeiter ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

5. Etappe

Mit der fünften Etappe blicken Sie nach vorne. Nachdem Sie sich als Führungskraft freigeschwommen haben und mittlerweile das tägliche Geschäft beherrschen, richten Sie Ihr Augenmerk auf die Zukunft: Wie soll sich Ihr Bereich weiter entwickeln, wie kann er sich im Unternehmen erfolgreich positionieren? Hierzu stellen Sie einen Plan auf und mobilisieren die erforderlichen Kräfte, um ihn umzusetzen.

6. Etappe

Nun passiert, was passieren muss: Nicht alles läuft nach Plan, früher oder später gibt es Schwierigkeiten und erste Rückschläge. In der sechsten Etappe sehen Sie sich mit eskalierenden Konflikten, Hiobsbotschaften und falschen Entscheidungen aus dem Management konfrontiert. Jetzt kommt es darauf an, die Rückschläge wegzustecken und die Schwierigkeiten souverän zu meistern.

7. Etappe

Auf der siebten Etappe erwartet Sie ein wirklicher Härtetest. Das Unternehmen gerät in eine Krise. Sie hetzen von einer Krisensitzung zur nächsten, ein Klima der Verunsicherung breitet sich aus. Jetzt wird die Führungsaufgabe zu einer echten Herausforderung. Es zeigt sich, ob Sie auch in stürmischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahren.

Quelle

Gemessen an dieser Fata Morgana kann die Realität nur ernüchtern. Sie ist einfach zu wahr, um schön zu sein. So zeichnet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der UNO ein entgeisterndes Szenario: Nach ihren Berechnungen kann es noch 950 Jahre dauern, bis die berufliche Gleichstellung von Mann und Frau verwirklicht ist.

Die Wissenschaft weiß immer noch zu wenig über die biologischen Ursachen von Verhalten. Sie forscht über Spiegelneuronen, Pheromone und Oxytocin und kratzt trotz aller Erkenntnisse bisher nur an der Oberfläche. Doch es drängt sich der Verdacht auf, dass die Biologie immer dafür sorgen wird, dass die erträumte Gleichheit ausbleibt. Aber das ist gut so und bietet große Chancen – wenn es den Geschlechtern gelingt, ihre Verschiedenheit als Chance und Bereicherung statt als Bedrohung zu sehen.

Ein Blick aufs reale Heute offenbart, dass in der Wirtschaft männliche Regeln dominieren, die sich nicht einfach per Gesetz oder durch moralische Appelle in Luft auflösen werden. So, wie dieses Regelwerk über Jahrhunderte gewachsen ist, braucht es Jahre, um es zu verändern. Am effektivsten und nachhaltigsten funktioniert das über die erfolgreiche Praxis. Und diese Praxis heißt: Mehr Frauen in Führung. Wir müssen also nicht erst die Regeln umstoßen, um mehr Frauen an die Spitze zu befördern – wir müssen mehr Frauen nach oben bekommen, damit sich die Regeln von selbst verändern.

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