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14.05.2014

10:20 Uhr

Commerzbank-Mittelstandsstudie

Alles außer Banken

VonLisa Hegemann

Mittelgroße deutsche Firmen setzen wieder auf Investitionen. Das zeigt eine aktuelle Studie. Nach Meinung von Ökonomen nimmt der Mittelstand aber immer noch zu wenig Geld in die Hand – besonders fremdes.

Gute Nachricht: Die meisten Mittelständler haben keine Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen. Getty Images

Gute Nachricht: Die meisten Mittelständler haben keine Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen.

DüsseldorfDer Stolz ist Martin Erfurt ins Gesicht geschrieben. „Wir sind schuldenfrei“, sagt er und grinst breit. Man wolle nicht abhängig von Banken sein, erklärt der Mittelständler im Interview mit Handelsblatt Online.

Der Geschäftsführer des Tapetenherstellers Erfurt ist mit dieser Sicht nicht allein, wie eine aktuelle Studie der Commerzbank zeigt. Zwei von drei mittelständischen Unternehmen wollen demnach ohne das Geld von Banken auskommen. Und sie sind auch zufrieden mit der Menge an Geld, die sie investieren. Ökonomen sind da allerdings anderer Meinung.

Derzeit ist die Stimmung gut im deutschen Mittelstand: Mehr als die Hälfte der Firmen schaut zuversichtlich in die Zukunft und will wieder Geld in die Hand nehmen, wie ein Report von GE Capital zeigt. Insgesamt wollen kleine und mittlere Unternehmen hierzulande rund 136 Milliarden Euro investieren - das ist Spitze in Europa.

Auch die Commerzbank-Untersuchung verbreitet zunächst einmal gute Nachrichten: Rund jedes zweite Unternehmen plant wieder langfristig, 2012 waren es lediglich 37 Prozent, also nur etwa jedes dritte. 42 Prozent hingegen fahren lieber auf Sicht und entscheiden flexibel.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Eine weitere gute Nachricht: Die meisten Mittelständler haben keine Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen. Nur 17 Prozent geben an, in diesem Bereich mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Ähnlich gering sind auch die Zahlen bei langfristigen Investitionen sowie fehlendem Eigenkapital.

Die geringen Probleme dürften auch ein Grund dafür sein, dass der Mittelstand bei der Finanzierung lieber auf sich selbst vertraut. 66 Prozent der befragten Unternehmen bauen vor allem auf ihr eigenes Finanzpolster – Fremdfinanzierung nicht erwünscht. Auch sonst stehen die Betriebe den Banken prinzipiell skeptisch gegenüber. Dass die Geldinstitute unabhängig beraten, glaubt nur eine von drei Firmen. Trotzdem zieht jeder zweite Mittelständler gerne Banken und Sparkassen zu Rate, um seine Investitionen überprüfen zu lassen.

Die Commerzbank hat aber nicht nur rund 4000 mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,5 Millionen Euro befragt, sondern auch 75 Ökonomie-Dozenten. Und die sehen die finanzielle Eigenständigkeit des Mittelstandes naturgemäß kritischer: Drei von vier Volkswirten finden die Unabhängigkeit wenig sinnvoll.

Kommentare (5)

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14.05.2014, 10:41 Uhr

Wenn die Banken genau das täten, für was sie da sind, würde man ja durchaus wieder zur Bank gehen, aber wenn man den Eindruck hat, man wird ausgesogen und das Geld wird zum Zocken verwendet, dann sage ich: Diesen Banken-Sumpf muß man austrocknen. Ich verstehe als Freiberufler sehr gut, wenn man nicht mehr von Banken abhängig sein will - ich bin auch schuldenfrei und bevor ich nochmal eine Bank um Kredit anbetteln muß, verkleinere ich lieber den Betrieb. In die Fänge dieser Halsabschneider begebe ich mich nie wieder - soviel ist sicher...

Account gelöscht!

14.05.2014, 10:55 Uhr

Tja, deswegen sind Ökonomen in der Regel auch keine Unternehmer.
In Krisenzeiten haben schon genügend Mittelständler brutal erfahren müssen, dass Banken eben KEINE Partner sind. Dass diejenigen, die diese Krisen überstanden haben, sich nun daran erinnern und entsprechend handeln, ist nicht nur verständlich, sondern zutiefst ökonomisch. Denn spätestens in der kommenden Krise werden Unternehmen, die nicht bei Banken verschuldet sind, überleben.

Account gelöscht!

14.05.2014, 11:02 Uhr

"bevor ich nochmal eine Bank um Kredit anbetteln muß, verkleinere ich lieber den Betrieb. In die Fänge dieser Halsabschneider begebe ich mich nie wieder - soviel ist sicher..."
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Exakt! Wer Schulden macht/hat, wird ggf. regelrecht zum "Besitz" der Bank wie ein Sklave. Lieber weniger investieren, bescheiden leben, dafür aber Herr seiner selbst sein und bleiben.

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