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20.10.2016

08:26 Uhr

Controlling über Ländergrenzen

Einheitliche Kennzahlen gefragt

VonJürgen Hoffmann

Mit dem internationalen Wachstumskurs steigen die Herausforderungen für Mittelständler: Erfolgreiche Aktivitäten im Ausland hängen auch von der Harmonisierung der Finanzsysteme ab und benötigen gute Planung.

IT-Dienstleister, der verschiedene Systeme „harmonisiert“. Quelle: PR

CSC Deutschland

IT-Dienstleister, der verschiedene Systeme „harmonisiert“.

Quelle: PR

HamburgDer Oberpfälzer Mittelständler Wiesauplast produziert Kunststoffteile für Brems- und Hydrauliksysteme in Autos – in Bayern und im mexikanischen San José Iturbide. Die 640 Mitarbeiter erwirtschaften etwa 60 Millionen Euro Umsatz. In Mexiko fakturiert Wiesauplast weitgehend in US-Dollar. „Damit minimieren wir unsere Währungsrisiken um gut 50 Prozent“, erläutert Geschäftsführer Hans Ammer.

Wöchentlich berichtet die mittelamerikanische Schwester dem Management im Mutterhaus. Dank eines ERP-Systems lassen sich die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen von Materialeinsatz bis Umsatz problemlos einsehen. „Diese Transparenz erhöht unsere unternehmerische Sicherheit“, betont Ammer.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Eine Erfahrung vieler international tätiger Mittelständler: Wichtig ist eine einheitliche Definition der Daten über Ländergrenzen hinweg. Zudem hilft ein Konzernkontenplan, so Michael Daub, Interim Manager und Experte für internationale Finanzprozesse in Unternehmen: „In seiner Beschreibung wird festgelegt, welche Geschäftsvorfälle auf welche Konten gebucht werden.“ Auch eine einheitliche Unternehmensplanung sei wichtig.

Daub empfiehlt international tätigen Mittelständlern ein Konsolidierungssystem, in dem die Planungen der einzelnen Länder und Bereiche zusammengefügt werden: „Damit können Kennzahlen konzernweit ermittelt werden – einheitlich und für jeden nachvollziehbar.“ Das sei die Basis „für die Entscheidungen des Managements“. Nicht selten blockierten Ländergesellschaften ein einheitliches Finanzsystem.

Dass Zulieferer wie Wiesauplast die Auflagen der Konzerne erfüllen müssen, ist für Robert Betz vom IT-Dienstleister CSC Deutschland ein wichtiger „Treiber“ der Harmonisierung von IT-Systemen: „Automobilhersteller schicken oft Auditoren in die Betriebe, um sich die Vorgänge in der Fertigung und Verwaltung anzusehen und die eingesetzte IT zu überprüfen.“

Ländergrenzen spielten dabei keine Rolle. Betz empfiehlt Mittelständlern, die Vereinheitlichung ihrer Finanzsysteme „nicht nebenher zu machen“, sondern als exakt definiertes Projekt aufzusetzen und dafür mindestens sechs Monate Zeit anzusetzen.

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