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28.10.2014

11:39 Uhr

Crowdfunding

Schnelles Geld für frische Eier

VonAnja Steinbuch

Das Interesse von kleineren Unternehmen an Kreditplattformen im Internet wie Auxmoney oder Smava wächst. So lässt sich auch ein Shop für Wachteleier finanzieren. Selbstlos handeln die Marktplatzbetreiber jedoch nicht.

Eierverpackung des Wachtelshops: Mit Hilfe der Internetgemeinte gelang dem Kleinunternehmen die Finanzierung seines Wachstums. Wachtelshop

Eierverpackung des Wachtelshops: Mit Hilfe der Internetgemeinte gelang dem Kleinunternehmen die Finanzierung seines Wachstums.

HamburgMichael Volk verkauft Ställe und Futter für Wachteln, Eierschachteln, Etiketten und Mittel zur Milbenbekämpfung. Vor zwei Jahren entschied sich der Kleinunternehmer, der vier Mitarbeiter beschäftigt, neben seinem Ladengeschäft in Obersulm einen Onlineshop zu eröffnen. Dafür und für eine neue Brutanlage benötigte er mehr als 10.000 Euro. Zu seiner Hausbank wollte Volk nicht gehen, weil die „viele Fragen und tausend Unterlagen“ hätte haben wollen, wie er sagt. Er suchte im Internet nach einer Möglichkeit, ein günstiges Darlehen zu bekommen - und wurde fündig auf dem Portal Auxmoney. Der Online-Kreditmarktplatz richtet sich an Privatpersonen, Freiberufler und Unternehmer, die auf der Suche nach Kapital sind.

Volk erklärte auf dem Portal sein Investitionsprojekt, seinen Kreditwunsch, gab eine Zinszusage und schickte Auxmoney eine Selbstauskunft. Nach drei Tagen hatte er die Zusage. 115 Privatanleger boten ihm Summen zwischen 50 und 1.000 Euro an. Die Konditionen: Laufzeit 48 Monate, dreizehn Prozent Zinsen per anno.

Hier irrte die Schwarmintelligenz

betandsleep

Die Hotelvermittlung sammelte über die Plattform Seedmatch im November 2012 ihr Geld ein. Im August 2013 stellte betandsleep dann den Geschäftsbetrieb ein, nachdem die Crowd schon 100.000 Euro investiert hatte.

Amsaa

Die Spezialmanufaktur für Lederbekleidung sammelte das Geld über die Plattform Deutsche Mikroinvest ein. Das war im April 2013. Ein Jahr später ist das Unternehmen nicht mehr am Markt, über das genaue Datum und die Form der Insolvenz gibt es keine Daten, ebenso wenig ist über die investierte Summe der Crowd bekannt.

Speedcar

Der Geschäftszweig klingt schon ein wenig skurril: Schlaglochbeseitigung, damit wollte Speedcar Geld verdienen. Die nötigen Mittel zum Durchstarten sammelte das Unternehmen im Mai 2013 über die Plattform Deutsche Mikroinvest ein, im Oktober darauf gab es schon das erste ernsthafte Problem: Ein beantragtes Insolvenzverfahren wurde aufgrund mangelnder Insolvenzmasse abgelehnt. Wie viel Geld von Anlegern betroffen ist und was damit passierte, ist nicht bekannt.

sporTrade

Einen eigenen Ort für den Handel mit Sportartikeln schaffen, das war das Ziel von sporTrade. Der Versuch, einen Marktplatz für Sportprodukte zu schaffen, lief nur etwas mehr als ein viertel Jahr: Das Geld sammelte das Start-up im Oktober 2013 über die Plattform Companisto ein, im Februar 2014 kam die Insolvenz. Schätzungsweise 100.000 Euro hatten die Anleger da investiert.

BluePatent

Schutzrechte sind mit Sicherheit ein Thema, das künftig in der digitalen Welt noch an Bedeutung gewinnen wird. Dennoch waren die Dienste der Recherche-Spezialisten für Schutzrechte bei BluePatent offenbar nicht ausreichend gefragt: Die Firma, die erst im November 2011 über die Plattform Seedmatch ihre Mittel eingesammelt hatte, musste im Februar Insolvenz anmelden. 100.000 Euro Anlegergeld gehen mit ein.

Zapitano

Die TV-Community, die über Companisto im Oktober 2013 etwa 100.000 Euro einsammelte hielt in etwa genauso lange durch wie sporTrade, auf der selben Plattform angetreten: Im Februar 2014 ging der Antrag auf Insolvenzprüfung bei den zuständigen Gerichten ein.

foodieSquare

Der Lebensmittel-Versand, der über Seedmatch mehr als 530.000 Euro Kapital eingesammelt hatte, war von nicht gerade langer Haltbarkeit. Von der ersten Sammlung im Herbst 2012 bis zum Insolvenzantrag standen – mit einer weiteren Mittelaufnahme im Herbst 2013 – nur 18 Monate.

„Ich hatte Sorge, nicht genügend Geldgeber zu finden“, begründet Volk den hohen Zinssatz. „Heute würde ich die Summe für fünf oder sechs Prozent zusammenbekommen.“ Der Unternehmer hat seinen Gläubigern bisher alle Raten pünktlich gezahlt. Über seinen Wachtel-Shop wickelt er monatlich mehr als 1.500 Bestellungen von Züchtern aus ganz Deutschland ab. Der Finanzierungserfolg über Auxmoney habe ihn in seinem Konzept bestärkt und ihm „unternehmerische Sicherheit“ gegeben, sagt Volk.

So mancher Unternehmer nutzt neben oder statt seiner Hausbank bereits Online-Kreditplattformen. Dazu zählen neben Auxmoney Anbieter wie Smava und Lendico & Zencap. Sie alle bieten eine Variante des Crowdfundings, also des Einsammelns von Geldern über die Internetgemeinde, an: das Crowdlending.

„Wir sind ein Marktplatz, bei dem sich Kreditnehmer und Anleger auf Augenhöhe treffen“, erläutert Raffael Johnen, Mitgründer und CEO von Auxmoney. Über 100 Millionen Euro Kredite hat die Plattform seinen Angaben zufolge bereits vermittelt. Geldgeber können schon ab 25 Euro einsteigen. Ihr Vorteil: Sie erhalten eine höhere Rendite als etwa bei Bankanlagen.

Altruistisch sind die Betreiber der Marktplätze jedoch nicht: Für die Vermittlung über Auxmoney zahlt der Kreditnehmer 2,95 Prozent der Gesamtsumme - unabhängig von der Laufzeit. Dadurch wird die Finanzierung vergleichsweise teuer. Doch privates Kapital hat für Einzelunternehmer und kleine und mittlere Betriebe einen großen Vorteil: Sie müssen ihren Geldgebern keine Sicherheiten stellen. Selbstauskunft und Schufa-Bericht werden von den meisten Vermittlern zwar erwartet, aber entscheidend ist die Fähigkeit, den Kapitaldienst zu leisten.

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