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18.10.2013

09:59 Uhr

Dienstwagen

Bischöfe fahren lieber Oberklasse statt Oldtimer

VonTobias Döring

Dem Papst „tut es weh“, wenn Kirchenmänner neueste Dienstwagen fahren. Deutsche Bischöfe müssen sich im Zuge der „Protz“-Affäre rechtfertigen. Viele fahren große Limousinen – doch sie leasen und werden bescheidener.

Erzbischof Robert Zollitsch steigt aus seinem BMW 740d: Der Papst ruft zur Bescheidenheit auf – auch bei der Wahl des Automobils. Imago

Erzbischof Robert Zollitsch steigt aus seinem BMW 740d: Der Papst ruft zur Bescheidenheit auf – auch bei der Wahl des Automobils.

DüsseldorfPapst Franziskus fährt Ford und Fiat. Seit kurzem hat das Kirchenoberhaupt sogar einen Renault 4 im Fuhrpark. Ein Geschenk des Dorfpfarrers – 29 Jahre und 300.000 Kilometer hat der Wagen auf dem Buckel. Nun kann der Papst auch mit 30 PS durch Rom fahren. Der R4 ist die Auto gewordene neue Bescheidenheit, die Franziskus predigt.

Ganz so bescheiden sind die deutschen Bischöfe und Kardinäle nicht unterwegs. Oberklasse statt Oldtimer ist oft die Devise, wie eine neue Umfrage der dpa jetzt zeigt. Dabei stehen die Oberhirten der deutschen Katholiken durch die Affäre um den „Protz“-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst besonders im Fokus. Obwohl der Limburger Bischof laut der „Frankfurter Rundschau“ selbst gerade einmal einen VW Passat fährt, müssen sich seine Kollegen unangenehmen Nachfragen zu ihren Dienstwagen stellen.

Mit diesen Wagen werden die Bischöfe chauffiert

Kardinal Reinhard Marx (München)

Marx hat als Dienstwagen die Oberklasse-Limousine BMW 730i mit Chauffeur.

Kardinal Joachim Meisner (Köln)

Meisner verfügt seit vier Jahren über einen 7er BMW.

Quelle: dpa

Bischof Gebhardt Fürst (Rottenburg-Stuttgart)

Fürst ist im Audi A6 unterwegs.

Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nutzt einen BMW 740d und sei oft mehr als 20 Stunden in der Woche mit dem Auto unterwegs, teilt das Erzbistum mit.

Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen)

Der Ruhrbischof fährt in einem geleasten VW Phaeton. In dem großen könne er trotz seiner langen Beine hinten sitzen und arbeiten.

Erzbischof Rainer Maria Woelki (Berlin)

Woelki fährt gerne Fahrrad, heißt es aus dem Erzbistum. Sein Dienstwagen ist ein 5er BMW – und damit eine Nummer kleiner als bei vielen seiner Amtsbrüder.

Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück)

Bode lässt sich in einem Audi A6 chauffieren.

Bischof Wolfgang Ipolt (Görlitz)

Für Reisen nutzt Ipolt den Zug, sagt ein Bistumssprecher. In Görlitz sei der Bischof ebenfalls bescheiden unterwegs: „Meist kommt der Bischof mit dem Fahrrad oder seinem gebrauchten Opel.“

Bischof Heiner Koch (Dresden-Meißen)

Koch wird in einem Mercedes Hybrid E300 Bluetec gefahren.

Bischof Gerhard Feige (Magdeburg)

Feige steht ein Dienstwagen zur Verfügung – welcher ist nicht bekannt. Privat fährt der Bischof einen VW Golf.

Papst Franziskus ist daran nicht unschuldig. Hatte der Argentinier im Juli doch angehenden Priestern eingebläut: „Mir tut es weh, wenn ich einen Priester oder eine Schwester mit dem neuesten Automodell sehe: Das geht doch nicht!“ Das Fahrrad sei ein angemessenes Fortbewegungsmittel. Wenn es denn ein Auto sein müsse, dann doch bitte ein bescheidenes Modell. Ein 7er BMW wie er dem Kölner Kardinal Joachim Meisner zur Verfügung steht, ein Mercedes Hybrid E300 Bluetec, in dem Bischof von Dresden-Meißen Heiner Koch unterwegs ist oder ein VW Phaeton mit dem sich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck fahren lässt, passen so gar nicht zu dieser Vorgabe.

„Und wenn euch dieses tolle Modell gefällt, denkt an die vielen Kinder, die an Hunger sterben“, mahnte Papst Franziskus außerdem – die obersten Kirchenführer in Deutschland sind entsprechend genervt von der Dienstwagen-Debatte. Die meisten argumentieren, dass sie die Oberklasse-Wagen zum mobilen Arbeiten benötigen. Ruhrbischof Overbeck fahre im vergleichsweise großen VW Phaeton wegen seiner langen Beine, sagt sein Sprecher. Bischof Koch nutze seinen Mercedes Hybrid E300 auf langen Fahrten intensiv als Büro. Und Kardinal Meisner lebe ansonsten persönlich doch „immer schon beinahe anspruchslos“, sagt ein Sprecher.

Kommentare (52)

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Account gelöscht!

18.10.2013, 10:13 Uhr

Die Bischöfe sollten alle mal richtig arbeiten müssen. Damit sie erfahren, wie schwer Geld zu verdienen ist. Ihr Gehalt bekommen sie von unseren Steuergeldern. Als Dank machen sie uns in ihren Predigten ein schlechtes Gewissen. Ihre Prunkbauten errichten sie von unserem Kirchensteuergeld und sagen nicht mal danke dafür. Dafür entlassen sie, aus Spargründen Mitarbeiter ihres Weltbildverlages. Scheinheiligkeit im wahrsten Sinne des Wortes.

Geleast-ist-nicht-gratis

18.10.2013, 10:26 Uhr

Leasing ist eine Finanzierungsvariante ... kein Geschenkmodell

Wer Fahrzeuge least, statt sie klassisch auf Kredit zu erwerben oder aus seinem Vermögen zu bezahlen, setzt damit kein Zeichen der Bescheidenheit.

Laizi

18.10.2013, 10:43 Uhr

Der Glaube an Unbewiesenes ordnet den Menschen
intelligenzmäßig hinter dem Affen ein.
Der Staat muß sämtliche Alimentierung an alle
Religiösen Vereine einstellen.
Teile der 10 Gebote werden ins GG übernommen.

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