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24.10.2016

11:13 Uhr

Digitalisierung im Mittelstand

Vom Jobkiller zum Jobmotor

VonFlorian Flicke

Die Digitalisierung treibt gerade im Mittelstand die Arbeitslosigkeit, meinen Skeptiker. Führende Wirtschaftsgrößen sehen dagegen sogar Chancen. Auch die Familienunternehmen bleiben laut TNS-Umfrage optimistisch.

Agiler Mittelstand setzt zunehmend auf die technische Entwicklung. Quelle: Alex Kraus für Handelsblatt

Commerzbank-Vorstand Markus Beumer

Agiler Mittelstand setzt zunehmend auf die technische Entwicklung.

Quelle: Alex Kraus für Handelsblatt

DüsseldorfEr ist wieder da: John Maynard Keynes. Zumindest in Gestalt des US-Ökonomen Jeffrey Sachs, der vor einer „technologischen Arbeitslosigkeit“ warnt. Sachs prophezeit eine Abwärtsspirale durch die Digitalisierung: „Je leichter die Arbeit von Menschen durch Roboter zu ersetzen ist, desto stärker wird die Nachfrage nach menschlicher Arbeit sinken“, glaubt Sachs.

Ist die Digitalisierung also ein Jobkiller gerade für den deutschen Mittelstand? Markus Beumer, im Vorstand der Commerzbank für das Mittelstandsgeschäft verantwortlich, gibt Warnern wie Sachs nur bedingt recht: „Der Mittelstand gehört ganz klar zu den Gewinnern der digitalen Transformation, weil er typsicherweise auf Geschäftsfeldern agiert, wo Expertenwissen, Innovation und Flexibilität eine große Rolle spielen.“

Checkliste Digitales für Mittelständler

Quelle

Häufig wissen Mittelständler nicht, wie sie die Digitalisierung angehen sollten. Experte Thomas Denk vom Beratungshaus Deliberate in Böblingen empfiehlt ein strukturiertes Vorgehen.

1. Situation analysieren

Vor der Gestaltung der digitalen Transformation steht die Analyse. Was passiert gerade in meiner Branche, wie stellen sich die Konkurrenten auf, wo stehen wir und welche Ideen haben wir?

2. Erwartungen der Kunden erfüllen

Digitalisierung heißt, die veränderten Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Hilfreich dabei: eine offene Kommunikation – direkt und über soziale Medien.

3. Kulturwandel vorantreiben

Kontinuierliche Veränderung ist notwendig. Dafür muss man bereit sein, Geschäftsprozesse ständig auf den Prüfstand zu stellen.

4. Datenqualität sichern

Nicht die Menge an Daten ist entscheidend, sondern ihre Qualität und Verknüpfung. Mittelständler sollten nur Daten erheben, die sie benötigen.

5. Ressourcen bereitstellen

Digitale Transformation wird von Menschen vorangetrieben. Dafür muss ein Chef Ressourcen bereitstellen und Know-how aufbauen.

6. Kommunikation sicherstellen

Unternehmen, die in Silos strukturiert sind, werden bei der digitalen Transformation scheitern. Benötigt wird permanenter Austausch über Motive, Ansätze und Ziele.

7. Digitalisierungsstrategie verankern

Die digitale Strategie muss Bestandteil der Unternehmensstrategie sein, klar definiert und schriftlich festgehalten werden. So kann jeder Mitarbeiter nachlesen, welche Auswirkungen sie auf das Alltagsgeschäft hat.

8. Klare Verantwortlichkeit schaffen

Digitale Transformation braucht Führung. Hilfreich ist dabei ein Chief Digital Officer, der Stratege, Projektmanager, Impulsgeber und Change Manager ist.

9. Risiken im Auge behalten

Bei jeder Veränderung darf die Arbeit an betrieblichen Abläufen und internen Strukturen nicht den Blick auf den Kunden verstellen.

10. Flexibilität schaffen, Netzwerk pflegen

Digitale Geschäftsmodelle entwickeln sich oft rasant, das erschwert Planungen. Neben der Strategiearbeit ist ein gutes Netzwerk aus Kunden, Partnern und Zulieferern wichtig.

11. Reporting aufsetzen

Digitalisierung lässt sich messen. Um Chancen auszuschöpfen, ist ein Reporting für das ganze Unternehmen notwendig.

Ähnlich optimistisch sehen der Digitalisierung auch die rund 4000 mittelständischen Unternehmen entgegen, die TNS-Infratest im Frühjahr für die Studie „Unternehmen Zukunft: Transformation trifft Tradition“ im Auftrag der Commerzbank befragte. 43 Prozent der befragten Firmen rechnen mit einem steigenden, 48 Prozent mit einem gleichbleibenden Personalbestand in den kommenden fünf Jahren. „Damit hat im Mittelstand offenbar ein Umdenken stattgefunden. Statt eines Jobkillers sehen die Unternehmen in der zunehmenden Digitalisierung nun eher einen Jobmotor“, sagt Beumer.

Banken und Sparkassen sind im Zuge der Digitalisierung längst nicht mehr nur als Beschaffer von Kapital gefragt. „Der Mittelstand erwartet bemerkenswert häufig, dass seine Finanzpartner die Plattform für den Austausch zwischen Unternehmen bieten“, heißt es in der Studie. Zudem wünschen sich die Firmen von ihren Geldhäusern, dass sie in den Beratungsgesprächen von sich aus aktiver die Chancen der Digitalisierung thematisieren.

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