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17.10.2017

10:42 Uhr

E-Bikes als Dienstfahrzeug

Das Finanzamt radelt mit

VonChristoph Schlautmann

Seit fünf Jahren macht die Finanzverwaltung Arbeitgebern einen Fuhrpark mit Elektrorädern schmackhaft. Mit Erfolg. Versteuern muss der Arbeitnehmer sein Firmenbike als geldwerten Vorteil wie einen Dienstwagen. Dienstleister für Fahrrad-Leasing gibt es inzwischen zuhauf.

Seit 2012 erlaubt der Gesetzgeber die Gehaltsumwandlung für Diensträder. Imago

Mit dem E-Bike zur Arbeit

Seit 2012 erlaubt der Gesetzgeber die Gehaltsumwandlung für Diensträder.

TroisdorfWenn Sergej Hatzenbühler seinen 4,2 Kilometer langen Arbeitsweg antritt, bleibt der silberne VW Golf seit einem Jahr daheim. Die Mannstaedt-Werke im rheinischen Troisdorf steuert er stattdessen in der Frühe mit seinem rot-schwarzen „Flyer“ an, einem üblicherweise rund 3.000 Euro teuren Elektrobike der Schweizer Zweiradmanufaktur Biketec. „Am morgendlichen Stau radele ich jetzt einfach vorbei“, schwärmt der Mittfünfziger, „den Kauf habe ich noch an keinem Tag bereut.“

Der Anstoß kam vom Arbeitgeber, einer Konzerntochter des Stahlverarbeiters Georgsmarienhütte. Sie bot jedem ihrer 700 Mitarbeiter an, für ihn ein E-Bike zu leasen und es per Gehaltsumwandlung zu überlassen. 100 Beschäftigte schlugen schon im ersten Monat zu, selbst der Betriebsleiter stieg um aufs Elektrobike. „Es kostet mich gerade einmal 33 Euro im Monat“, rechnet Hatzenbühler vor, dem die Firma zudem die Versicherung spendiert. Nach drei Jahren kann er es für einen Restkaufpreis von zehn Prozent übernehmen – oder ein neues Rad zu ähnlichen Konditionen ordern.

Für das Angebot hatte Leasing-Dienstleister Jobrad, der ebenfalls mit Arbeitgebern wie Deutscher Bahn, Canon oder Capgemini zusammenarbeitet, gute Argumente: Beim Erwerb entfällt durch diese Konstruktion nicht nur die Mehrwertsteuer. Seit 2012 erlaubt der Gesetzgeber zudem die Gehaltsumwandlung für Diensträder. Weil die Leasingraten direkt vom Bruttolohn einbehalten werden, mindert dies Lohnsteuer und Sozialabgaben. Bis zu 40 Prozent gegenüber dem üblichen Direktkauf, rechnen Experten vor, seien die Räder damit günstiger.

Versteuern muss der Arbeitnehmer sein Bike als geldwerten Vorteil wie einen Dienstwagen. Ein Prozent des Listenpreises wird dafür jeden Monat als steuerpflichtiger Betrag veranschlagt. Im Gegenzug aber kann der Radler für den Arbeitsweg eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer geltend machen.

Dienstleister für Fahrrad-Leasing gibt es inzwischen zuhauf. Neben dem Marktführer Jobrad zählen dazu auch auch Company Bike Solutions und Eurorad, der Finanzdienstleister der Zweirad-Einkaufsgenossenschaft ZEG.

Die Zahl der Elektrofahrräder, die in Deutschland vor allem von den heimischen Herstellern Kalkhoff, Diamant und Cube gefertigt werden, aber auch von der schweizerischen Biketec oder dem US-Konzern Giant, vergrößerte sich in Deutschland zuletzt erheblich. Verkauften die Hersteller hierzulande 2007 gerade einmal 70.000 Drahtesel mit Elektrohilfsmotor, waren es 2016 nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) 605.000.

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Größter Profiteur des Booms dürfte die Firma Bosch sein. Sie hat es geschafft, sich bei den Elektrobauteilen eine klare Marktführerschaft aufzubauen. Den Stuttgartern rechnen Experten einen Zulieferanteil von 60 Prozent zu – weit vor Wettbewerbern wie Yamaha oder Brose.

Drei Millionen Elektroräder

„Die Elektroantriebe werden immer leistungsfähiger und kleiner“, begründet ein Verbandssprecher den Siegeszug der E-Bikes, die an den gesamten Fahrradverkäufen letztes Jahr einen Anteil von 15 Prozent beanspruchten. Langfristig rechnet der ZIV sogar mit einem Anstieg auf 30 Prozent.

Schon heute lassen sich geschätzte drei Millionen Fahrräder in Deutschland von einem elektrischen Motor unterstützen. Was die Verbreitung befördert: Wer ein Rad erwirbt, das nicht schneller fährt als 25 Stundenkilometer und die Nenndauerleistung von 250 Watt nicht überschreitet, darf auf einen Helm verzichten. Auch eine Versicherungspflicht gibt es unterhalb dieser Grenze nicht.

Kritiker bemängeln allerdings, dass wesentliche Kosten des Elektroradelns zunächst verborgen bleiben. Zwar halten sich die Energiekosten mit zehn bis 40 Cent pro 100 Kilometer in engen Grenzen. Teuer wird es aber, sobald ein neuer Akku fällig wird.

Der nämlich hält kaum länger als 600 Ladezyklen und kostet nicht selten mehr als 600 Euro. Pro 100 gefahrene Kilometer werden so zusätzlich rund zwei Euro fällig. „Die Strecke kostet dann etwa halb so viel“, rechnen die Stadtwerke Güstrow vor, „wie an Kraftstoffkosten mit dem Auto anfallen würden.“

Kommentare (1)

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Frau Lana Ebsel

23.10.2017, 13:46 Uhr

Wenn man E-Räder jetzt steuerlich absetzen kann, dann wird es auch Zeit, dass Räder ein Kennzeichen bekommen, Steuern für den Bau der hochgepriesenen Rad-Autobahnen bezahlen und eine Unfallversicherung abschließen müssen. Wer übernimmt denn zukünftig die Verantwortung für diesen Blindflug?

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