Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2014

11:19 Uhr

Finanzierung im Mittelstand

Das Misstrauen sitzt tief

VonGian Hessami

Der deutsche Mittelstand nimmt zu wenig Geld in die Hand – dabei schwimmen viele Firmen regelrecht in Geld, das sie eigentlich in zukunftsträchtige Projekte stecken könnten. Für Banken eine zweischneidige Entwicklung.

Obwohl der deutsche Mittelstand größere Reserven angelegt hat, beschränken sich viele Firmen auf Ersatzinvestitionen. Getty Images

Obwohl der deutsche Mittelstand größere Reserven angelegt hat, beschränken sich viele Firmen auf Ersatzinvestitionen.

AachenDer deutsche Mittelstand schwimmt im Geld. Die Betriebe haben im Schnitt rund 2,8 Millionen Euro angelegt – den größten Teil davon als Bankguthaben. Dies geht aus einer Studie der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Kooperation mit der Commerzbank hervor. Die Forscher haben überwiegend kleine bis mittelgroße Betriebe befragt, die weniger als 50 Millionen Umsatz im Jahr erzielen. Im Jahr 2009 - also unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 - standen den Unternehmen gerade 100.000 Euro zur Verfügung.

Für wen sich Leasing wirklich lohnt

Was heißt leasen?

Grundsätzlich bedeutet das Wort "mieten" oder "pachten": Das heißt, ein Objekt, wie ein Auto, wird für einen bestimmten Zeitraum vermietet. Das Objekt bleibt im Besitz des Leasinggebers, der für die Vermietung eine laufende Gebühr bzw. mehrere Einmalzahlungen erhebt.

Attraktivität des Leasing

Der wohl größte Vorteil ist es, dass ein Vertrag häufig nur drei bis vier Jahre läuft. Autobesitzer können sich also die schlimmsten Werkstattkosten sparen und müssen sich nicht mit den Reparaturproblemen älterer Autos herumplagen. Auch um den gewinnbringenden Verkauf des Autos muss sich der Halter nicht selber kümmern. Der Vertrag läuft aus und der Leasingnehmer ist das Auto los.

Wie läuft ein Leasing-Geschäft ab?

Wenn Sie sich Ihr Wunschauto ausgesucht haben, dann müssen sie nur noch einen Leasinggeber finden. Neben dem Autohaus gibt es noch andere andere Anbieter, die zum Teil bessere Finanzierungskonditionen bieten: Neben den schon angesprochenen Einmalzahlungen - häufig am Anfang und am Ende des Vertrags, wird auf Basis des Fahrzeuges eine monatliche Rate berechnet. Mit Ablauf des Vertrages geht das Fahrzeug zurück in den Besitz des Leasinggebers. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit den Vertrag zu verlängern bzw. das Fahrzeug gegen Zahlung eines Restwertes zu erwerben.

Für wen sich Leasing lohnt

Vor allem für Selbstständige und für Firmen ist das Leasing eine gute Finanzierungsvariante, die die Kosten sofort und in voller Höhe steuerlich verrechnen können - die Zahlungen an das Finanzamt reduzieren sich dadurch. Und für kleine mittelständische Unternehmen hat Leasing den Vorteil, dass sie nicht teuer in eine eigene Flotte investieren müssen.

Unterschiedliche Leasing-Möglichkeiten

Die meisten Privatkunden leasen bei den Leasingtöchtern der großen Autohersteller. Das muss allerdings nicht immer die günstigste Option sein. Schauen Sie sich auf dem Leasingmarkt um.

Wann lohnt sich Leasing?

Leasing lohnt sich immer dann, wenn der Leasingnehmer gerne einen Neuwagen möchte und den wieder loswerden will, bevor er anfängt, Krankheiten oder Macken zu kriegen. Schließlich besteht der Leasing-Vertag selten länger als vier Jahre.

Wann lohnt sich Leasing nicht?

Je günstiger der Fahrzeugkäufer an einen Neuwagen kommt, desto unrentabler ist ein Leasingvertrag. Manchmal gibt es auf die Autos zusätzliche satte Rabatte. Die Finanzierungsmöglichkeiten für Kredite können zudem besser sein.

Abrechnung über Kilometer

Die häufigste Abrechnungsvariante ist das Kilometer-Leasing: Hier ist genau definiert, wie viele Kilometer der Kunde zurücklegen darf. Fährt man weniger, bekommt man Geld zurück, fährt man mehr, muss man drauf zahlen.

Natürlich wird nicht genau auf den Kilometer geschaut, häufig bleiben bis zu 2.500 Kilometer bei der der Berechnung außen vor.

Was ist Restwert-Leasing?

Bei dieser Variante wird ein Wert definiert, den der Kunde dann als Abschlusszahlung an den Leasinggeber zahlen muss, wenn er das Vertragsende erreicht hat. Das ist der Betrag, den das Auto erzielen würde, wenn er es an einen Gebrauchtwagenhändler verkaufen würde. Der Kunde muss allerdings nachzahlen, wenn der ursprünglich errechnete Fahrzeugwert nicht erreicht wird.

Die größten Probleme...

... sind Steinschläge, Dreck und die kleine Delle vom letzten Unfall: Häufig gibt es Streit zwischen den Leasingpartnern darüber, welche Form der Abnutzung bei einem drei bis vier Jahre alten Wagen noch normal ist. Dinge, die beseitigt werden können, sollten auch beseitigt werden. Ansonsten müssen diese Reparaturen nachgezahlt werden und das kann teuer werden.

Die Gründe für das hohe Liquiditätspolster sind vielfältig: So haben laut der Studie viele Unternehmen aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs in Verbindung mit einem milden Winter grundsätzlich Investitionsbedarf. Die Firmen könnten zudem jetzt die Investitionen nachholen, die sie vorab aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung nicht getätigt haben.

Allerdings stellt sich die Frage, warum die Unternehmen nicht schon längst ihre liquiden Reserven dazu genutzt haben zu expandieren oder warum sie sie nicht in neue Projekte gesteckt haben. „Die Kassen vieler mittelständischer Unternehmen sind zwar gut gefüllt. Dennoch investieren sie wenig – und wenn, dann meist in Ersatzbeschaffungen“, beobachtet Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter Zins-, Währungs- und Anlagemanagement bei der Commerzbank.

Für die Banken ist diese Entwicklung zweischneidig. Auf der einen Seite verbessert sich mit der Geldschwemme die Solvenz vieler Unternehmenskunden. Anderseits führt sie dazu, dass die Firmen in Kombination mit der zögerlichen Investitionspolitik nicht mehr so viel Kapital nachfragen und die Geldhäuser dementsprechend weniger Kredite vergeben, als sie könnten.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.10.2014, 11:40 Uhr

Man sollte Ursache und Wirkung nicht verwechseln!
Die politischen Rahmenbedingungen im EUR-/ EU-Raum sind einfach zu volatil, die Konjunktur viel zu wacklig geworden. Deshalb gilt: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Die Probleme werden in Berlin und Brüssel verursacht, nicht im Mittelstand. Der Mittelstand war, ist und bleibt der Garant des seriösen deutschen Wirtschaftsmodells. Aber dieses steht im Rahmen der EUR- und EU-Krise leider unter starkem Beschuss, kein Wunder, dass immer mehr Mittelständler sich Henkel, Weiss, Wall etc anschliessen und von der CDU zur AFD wechseln.

Herr Volker Birk

21.10.2014, 12:01 Uhr

Warum ist das so schwer zu verstehen? Unternehmen investieren dort, wo es Nachfrage gibt. Würgt man die Nachfrage mit der sogenannten “Sparpolitik” rigoros ab, investieren sie auch nicht. Wieso auch?

Das Gejammer über die ausstehenden Investitionen sowie darüber, dass das Geld noch so billig sein kann, keiner will es kaufen, kann man kaum noch hören.

Wenn man schon wirtschaftstheoretisch im Totalversagen der Neoklassik verhaftet ist, so hilft doch wenigstens noch der gesunde Menschenverstand!

Frau Wil Fried

21.10.2014, 13:14 Uhr

Vollkommen richtig, was die Vorkommentatoren von sich geben. Man kann Investitionen nicht erzwingen, auch wenn es noch nie günstiger war, Schulden zu machen. Das Verhalten der Politik in Berlin und Brüssel wie auch das Gebaren der EZB sind regelrecht kontraproduktiv. Niedrige Guthabenzinsen verleiten nur kurzfristig zum Konsum, dann aber wird der Sparzwang eher noch verstärkt, weil das billige Geld nicht als Konsumentenkredite billig weitergegeben wird, sondern an der Börse landet. Damit wird schon die nächste Finanzkrise eingeleitet, die vorhersehbar noch schlimmer enden wird, als die letzte. Dem Ottonormalverbraucher ist das längst klar, der Politik und Draghi leider nicht. Dort scheint eher die Meinung vorzuherrschen, solange die Kurse an der Börse steigen, wird sich das auch auf die Kauflaune positiv auswirken. Das ist mitnichten der Fall, denn die breiten Schichten haben vielleicht ein Sparbuch, aber kaum Aktien. Ist es um die Konsumaussichten schlecht bestellt, sind auch die Anreize für Investitionen im mittelständischen Bereich wenig ausgeprägt. Die Großindustrie, vor allem die Autoindustrie, schaut viel zu sehr nach China, verlagert große Produktionskapazitäten dorthin und zwingt Zulieferer, dort ebenfalls präsent zu sein, obwohl die politische Situation vor Ort Unbehagen auslöst und Rechtssicherheit nicht gegeben ist. Mit bestem Beispiel geht gerade Russland voran. Aber auch in China wird eine Sättigung des Marktes erreicht werden oder das Wirtschaftswachstum unter 5% sich einpendeln, was schon fast einer Rezession gleichkommt. Dazu kommen noch die diversen Kriegsschauplätze dieser Welt. D.h., dass weder global noch national die Stimmung für Investitonen sonderlich gut ist...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×