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17.05.2014

18:32 Uhr

Finanzierung im Mittelstand

Vom Mauerblümchen zum Exportschlager

VonYasmin Osman

Schuldscheine waren schon fast aus der Mode gekommen und wurden durch die Finanzkrise wieder attraktiv. Nun nutzen sie auch viele Mittelständler wie die Paulaner Brauerei, um unabhängiger von Geldinstituten zu sein.

Biergartenbesucherinnen stoßen mit Paulaner an: Erstmals legte die Brauerei einen Schuldschein auf. dpa

Biergartenbesucherinnen stoßen mit Paulaner an: Erstmals legte die Brauerei einen Schuldschein auf.

FrankfurtEs muss nicht immer ein Kredit sein: Als die Paulaner Brauerei ihren neuen Standort in München-Langwied plante, setzte Finanzchef Stefan Schmale auf einen ganzen Mix von Finanzierungsinstrumenten: Er nutzte Eigenmittel, Erlöse aus Grundstücksverkäufen, Kreditzusagen - und 180 Millionen Euro kamen über einen Schuldschein herein. „Das war eine der erfolgreichsten Emissionen des Jahres 2013“, sagt er. Die Nachfrage war siebenmal höher als das Angebot.

Schuldscheine ähneln teils Krediten, teils Anleihen. Sie sind anders als Anleihen keine Wertpapiere, benötigen kein Rating und verpflichten nicht zu voluminösen Wertpapierprospekten. Andererseits stammt das Geld nicht von der Hausbank, sondern von vielen Investoren. Banker sprechen von „Kapitalmarkt light“. „Schuldscheine eröffnen Mittelständlern oft den Zugang zum Kapitalmarkt, sie sind ein ideales Einstiegsprodukt“, sagt Roland Boehm, Leiter Debt Capital Markets Loans der Commerzbank.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Noch vor ein paar Jahren drohte der Schuldscheinmarkt in Vergessenheit zu geraten. Dann kam die Finanzkrise: Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten machten die Anleihemärkte für Industriekonzerne so unattraktiv, dass viele von ihnen, darunter BMW, Daimler oder Siemens, auf Schuldscheine auswichen. „Durch die spektakulären Emissionen von Dax-Konzernen in den Jahren 2008 und 2009 ist der Schuldscheinmarkt auch international in den Fokus gerückt“, sagt Christoph Zender, Leiter Corporate Capital Markets der LBBW.

Längst nutzen Großkonzerne wieder eher Anleihen. „Jetzt entwickelt sich der Schuldscheinmarkt zunehmend wieder zu einem Finanzierungsinstrument überwiegend für den Mittelstand“, sagt Mario Kristl, Analyst der DZ Bank.

Die Unternehmen wissen die Vorzüge von Schuldscheinen zu schätzen: „Er bietet aufgrund der Bonität von Paulaner gute Konditionen, ist sehr unkompliziert zu handhaben und macht aufgrund der Streuung nicht abhängig von einer oder wenigen Banken“, nennt Paulaner-Finanzchef Schmale die Vorzüge des Instruments. „Wir haben grundsätzlich Kapitalmarktfähigkeit bewiesen, ohne dass einzelne Banken Zusatzgeschäft verlangen können.“

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