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15.04.2014

12:22 Uhr

Firmeneigene Geldinstitute

Konzerne sind die besseren Banken

VonMarkus Fasse

BMW, Siemens und Volkswagen gelten mit ihren Banklizenzen als sichere Häfen am Kapitalmarkt. Das verschafft den Unternehmen strategische Wettbewerbsvorteile. Aber auch mittelständische Lieferanten können profitieren.

Eine eigene Bank ist ein gutes Vehikel, um strategische Geschäfte abzuwickeln. dpa

Eine eigene Bank ist ein gutes Vehikel, um strategische Geschäfte abzuwickeln.

DüsseldorfDer Schritt ließ aufhorchen: Mitte Februar kaufte Airbus die Salzburg München Bank. Das kleine, eher unscheinbare Geldhaus in der Münchener Innenstadt hat für den globalen Flugzeugbauer eine strategische Bedeutung. Der gesamte Konzern werde in Zukunft von „einer höheren Flexibilität in der Finanzierung profitieren“, erklärt Finanzchef Harald Wilhelm.

Airbus hat es vor allem auf eine Vollbanklizenz abgesehen. Denn damit kann der Flugzeugbauer direkt Geschäfte mit der EZB tätigen, Geld besorgen oder Geld parken, ohne dass eine andere Bank daran verdient. Zudem ist eine eigene Bank ein gutes Vehikel, um strategische Geschäfte abzuwickeln. So kann man Kunden oder Lieferanten leichter mal Kredite zukommen lassen. Vor allem die mittelständischen Airbus-Lieferanten, die bei einem Ausfall die ganze Produktion lahmlegen können, lassen sich so schnell finanziell unterstützen.

Die beliebtesten Autobanken

Methodik

Bei einer Umfrage unter den Lesern der Autobild wurde die beliebteste Autobank gekürt. Die Befragten mussten angeben, wessen Produkte sie überzeugen.

Platz 10

Mini - 2,1 Prozent

Das Finanzierungsangebot der kleinen BMW-Tochter überzeugt nur die wenigsten der Befragten. Der Anteil an Finanzierungen ist allerdings auch nicht sonderlich hoch.

Platz 9

GMAC - 7 Prozent

Die GM-Finanzierungseinheit bietet unter anderem spezielle Angebote beim Kauf von von Opel, Chevrolet und Saab an. Durch die Übernahme des internationalen Zweigs des amerikanischen Autofinanzierers Ally Financial soll das Angebot verbessert werden.

Platz 8

Toyota - 8,4 Prozent

Um die Weltspitze in Angriff zu nehmen, besteht bei Toyota wohl Nachholbedarf in der Finanzierung. In der Kundenzufriedenheit landet Toyota auf den hinteren Plätzen.

Platz 7

Fiat - 9,1 Prozent

Die Italiener beschwerten sich zuletzt über das "Blutbad bei den Margen", das Volkswagen durch seine Rabatte anrichte. Die eigenen Finanzierungsangebote überzeugen weniger als ein zehntel aller Befragten.

Platz 6

Ford - 14,9 Prozent

Auch beim US-Autobauer sieht die Bilanz nur unwesentlich besser aus. Zuletzt musste Ford Kurzarbeit für das Werk in Köln anmelden, weil die Absätze eingebrochen waren.

Platz 5

Mercedes - 16,3 Prozent

Das hauseigene Kreditinstitut beglückt den Mutterkonzern regelmäßig mit guten Zahlen. In der Kundenzufriedenheit landen die Stuttgarter im Mittelfeld.

Platz 4

Audi - 17,4 Prozent

Die Oberklasse-Tochter des VW-Konzerns verpasst das Treppchen nur knapp.

Platz 3

Santander - 17,6 Prozent

Knapp davor landet die Autofinanzierungssparte der spanischen Bank. Neuerdings denken die Verantwortlichen sogar über einen Börsengang nach, um das Geschäft auszubauen.

Platz 2

BMW - 21,5 Prozent

Jeder fünfte Befragte ist zufrieden mit den Finanzierungsangeboten der Münchener. Damit sichert sich BMW in der Kundenzufriedenheit die Silbermedaille.

Platz 1

Volkswagen - 35,8 Prozent

Nicht nur beim Verkauf sind die Wolfsburger Spitze, auch die Finanzierungsangebote des Autobauers überzeugen die Kunden mehr als bei der Konkurrenz.

Airbus macht nach, was sich in der Industrie schon lange herumspricht: Wer sein solides Industriegeschäft mit einer Banklizenz koppelt, hat einen strategischen Vorteil. Denn mit der Finanzkrise haben viele Geldhäuser wie beispielsweise die Landesbanken ihr Geschäft stark eingeschränkt oder ihr Rating verspielt. Anders aber solide Industrieadressen wie Siemens, Volkswagen oder BMW: Einerseits verwalten sie in ihren Banken ihre großen Liquiditätsreserven, die allein bei Volkswagen 16,9 Milliarden Euro betragen. Die Liquidität nutzen die Unternehmen aber auch als Hebel für ihre Bankgeschäfte, mit denen sie über Anleihen oder Kundeneinlagen ihren Absatz finanzieren.

Und das zu Traumkonditionen. So führt S&P den BMW-Konzern mittlerweile unter „A Plus“ – ein Rating, das sich die benachbarte BayernLB nach zahlreichen Herabstufungen schon gar nicht mehr leistet. Ebenso wie die Kollegen von Volkswagen und Daimler sammelte BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner in den vergangenen drei Jahren mehrere Milliarden am Kapitalmarkt ein zu Zinsen unterhalb von zwei Prozent. Zeitweise zahlten die Anleger sogar negative Zinsen, um ihr Geld bei den mutmaßlich sicheren deutschen Autoherstellern parken zu dürfen.

Das führt zu Wettbewerbsvorteilen: Während sich die Deutschen zu zwei Prozent refinanzieren, zahlte Fiat in den vergangenen Jahren bis zu acht Prozent. So kann VW einen Autokredit über 20.000 Euro um gut 1.000 Euro billiger anbieten als die Konkurrenz aus Italien.

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