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23.05.2014

10:27 Uhr

Flottenmanagement

Die Spritkosten besser in den Griff bekommen

VonAnke Brillen

Tankkarten waren bisher nur von den Betreibern der Markentankstellen wie Aral und Shell zu haben. Seitdem die Spritpreise allerdings so stark schwanken, suchen viele Unternehmen nach einer Alternative.

Tankkarte von Aral: Für Dienstwagenfahrer gibt es nun Alternativen. obs

Tankkarte von Aral: Für Dienstwagenfahrer gibt es nun Alternativen.

WertherEin Liter Diesel für 1,37 Euro signalisiert die Leuchtanzeige der Markentankstelle am Rande des Stadtzentrums. Drei Kilometer weiter an einer „freien“ Tankstelle sind es nur noch 1,27 Euro. Ein kleiner Umweg würde sich da lohnen. Doch die meisten Fahrer eines Dienstwagens lassen solche günstigen Gelegenheiten links liegen. Nicht etwa, weil die Spritrechnung ohnehin ihr Arbeitgeber zahlt, sondern weil ihre Tankkarte nur bei einer der großen Premiumtankstellen gilt.

Doch während die Flottenbetreiber mit den Leasinggesellschaften bei den Raten um jeden Euro hart verhandeln, stehen die laufenden Spritausgaben - oftmals größter variabler Kostenblock - nur selten im Fokus.

Umstrittene „Benzinpreis-Polizei“

Neues Meldesystem

Kurz vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen beschließt die Regierung die Einsetzung einer „Benzin-Polizei“ - Union und FDP weisen den Vorwurf eines Wahlkampfmanövers aber zurück. Ein riesiges neues Meldesystem soll helfen, die mehrmals täglichen Preissprünge an Tankstellen stärker unter die Lupe zu nehmen. Die Politik schürt Hoffnung, dass so der Benzinpreis in den Griff zu bekommen sei. Die Mineralölbranche sieht das anders.

Was soll die Meldebehörde tun?

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch neben einer Überwachung der Strom- und Gasgeschäfte auch die Einrichtung einer „Markttransparenzstelle“ für den Mineralölsektor beschlossen. Künftig sollen Monat für Monat Millionen Daten dorthin gemeldet werden - und zwar nicht einfach nur Preiserhöhungen. Auch Händler und Raffinerien müssen ihre Preise, zu denen sie Rohöl oder Kraftstoffe ein- und verkaufen, offenlegen.

Preisexzesse erkennen und verhindern

Zudem sollen alle gehandelten Mengen und deren Preise gemeldet werden. Die beim Bundeskartellamt angesiedelte Stelle soll so unbotmäßige Erhöhungen und Preisexzesse erkennen und ahnden können, erklärt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Kann das die Preissprünge wirklich eindämmen?

Wohl kaum, denn der Preis an der Tankstelle ist von der Politik kaum zu beeinflussen. Szenarien wie ein möglicher Angriff Israels auf den Iran und sinkende Förderquoten treiben den Ölpreis - das kann eine neue Behörde nicht beeinflussen. Die Gewinnmargen liegen nach Angaben der Ölbranche meist nur bei einem Cent pro Liter - allerdings verdient sie auch gut mit ihren Raffinerien. Weil die Marktführer den Großteil der Produktionskette unter ihrer Kontrolle haben, gibt es viele Möglichkeiten, Gewinne einzustreichen.

Wahlkampfmanöver

Viele Tankstellen verdienen das meiste Geld inzwischen mit ihrem Shopgeschäft. Der Auto Club Europa sieht ein Wahlkampfmanöver, aber keine Initiative für mehr Verbraucherschutz und fairen Preiswettbewerb an Tankstellen.

Gab es in der Vergangenheit Indizien für einen Missbrauch?

Das Bundeskartellamt hatte 2011 eine dreijährige Marktanalyse abgeschlossen - und konnte zumindest keine illegalen Preisabsprachen nachweisen. Zudem ist fraglich, was bei einem Missbrauch passieren soll. Derzeit gehen die Wettbewerbshüter gegen mehrere Mineralölkonzerne vor, weil sie freien Tankstellen Kraftstoff teurer verkauft haben sollen als eigenen Tankstellen. Aber den Nachweis zu führen ist sehr schwierig, und oft geht es nur um Einzelfälle. Gleichwohl: So wird der Druck erhöht, nicht über Gebühr Preise zu erhöhen.

Die Benzinbranche spricht von einem „Bürokratiemonster“ - zu Recht?

Es ist bisher unklar, wie viele Benzin-Kontrolleure in der neuen Behörde beschäftigt werden sollen. Nach Angaben aus der Branche müssten mehrere hundert Leute dort arbeiten, um die ganzen Daten verarbeiten zu können.

Kritik auch von freien Tankstellen

Selbst freie Tankstellen, die die Regierung im Kampf gegen das Oligopol von BP/Aral, ExxonMobil, ConocoPhillips (Jet), Shell und Total stärken wollen, kritisieren die Meldebehörde als Planwirtschaft.

Häme aus der Opposition

Der Grünen-Energiepolitiker Hans-Josef Fell wirft der Regierung Blendwerk vor: „Statt endlich eine offensive Politik 'Weg vom Erdöl' anzugehen, erhöht die Bundesregierung mit einer neuen Behörde lediglich die Bürokratie.“

Dabei gibt es Lösungen, mit denen die Fuhrparkbetreiber auch hier die Kosten senken können. So haben die Mitarbeiter der Sutter GmbH aus Essen eine Novofleet-Netz-Karte an Bord ihres Dienstwagens. Mit der können sie auch preisgünstige Tankstellen ansteuern, so dass ihr Arbeitgeber vom günstigen Preis an der Zapfsäule profitiert.

Je nach Größe des Fuhrparks können Unternehmen auf diese Weise die Höhe der jährlichen Treibstoffkosten um mehrere Tausend Euro senken. Bei einem Unterschied von zehn Cent pro Liter ergibt sich bei sechzig Litern Kraftstoff eine Ersparnis von sechs Euro. Hochgerechnet auf hundert Tankvorgänge pro Jahr entsteht ein Kostenvorteil in Höhe von sechshundert Euro - pro Fahrzeug!

Doch Tankkarten waren bisher nur von den Betreibern der Markentankstellen wie Aral und Shell zu haben. Seitdem die Spritpreise allerdings so stark schwanken und mitunter mehrmals pro Tag an einem Ort geändert werden, suchen viele Unternehmen nach einer Alternative.

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