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17.05.2016

20:04 Uhr

Fortschritte bei der E-Mobilität

Stromtanken leicht gemacht

VonAndreas Schulte

Die Ladeinfrastruktur gilt bislang als Achillesferse von Elektroautos. IT-Unternehmen drehen nun den Spieß um: Smarte Kabel und Ladeboxen vereinfachen die Verbrauchserfassung. Das sorgt für Schub in der Flotte.

Der Stromzähler steckt im Kabel. Ubitricity

Ladesystem von Ubitricity

Der Stromzähler steckt im Kabel.

KölnDie 22 E-Autos von Bridging-IT bereiteten Flottenmanager Dirk Braun einst viel Mühe: Digitale Stromzähler mussten installiert werden, damit die Nutzer ihre Firmenwagen auch zu Hause laden konnten. „Sie mussten einmal im Monat den Zählerstand abfotografieren und mit der Reisekostenabrechnung einreichen“, sagt Braun. Die Firma erstattete dann den über die private Stromrechnung bezahlten Betrag.

Dieser hohe Verwaltungsaufwand gehört der Vergangenheit an: Inzwischen betreibt das Münchener Start-up Eemobility die Ladeinfrastruktur auf dem Firmengelände sowie bei den Fahrern zu Hause. Eemobility liefert den Strom – und rechnet ihn pro Fahrzeug ab. An der Entwicklung der Software war Bridging-IT beteiligt.

Das IT-Unternehmen bezahlt für die Infrastruktur und den verbrauchten Strom eine monatliche Pauschale. Der Betrag erhöht sich nur, wenn ein vereinbartes Kontingent an Kilowattstunden verbraucht wird. „Die Lösung erspart unseren Fahrern lästige Abrechnungen und wir können mit den Pauschalen gut kalkulieren“, sagt Braun.

Kaufanreize für E-Autos in anderen Ländern

China

Dank staatlicher Subventionen beim Kauf eines E-Autos ist das Reich der Mitte 2015 zum größten Markt für Elektrofahrzeuge aufgestiegen. Etwa 188.000 Wagen wurden abgesetzt. Das ist im Vergleich zum Gesamtmarkt – mit jährlich mehr als 20 Millionen Autos – zwar noch verschwindend wenig. Doch Peking hat zuletzt noch einmal unterstrichen, dass die grüne Revolution im Eiltempo voranschreiten soll: 12.000 neue Ladestationen und 4,8 Millionen Ladesäulen sollen laut einer neuen Verordnung bis 2020 landesweit aufgestellt werden. Die Zahl der E-Autos soll bis dahin auf fünf Millionen steigen. China hofft durch einen höheren Anteil von Elektroautos, auch die Smog-Probleme in den Großstädten des Landes in den Griff zu kriegen.

USA

Obwohl es nicht zuletzt dank dem Branchenpionier Tesla mit seinem schillernden Chef Elon Musk einen Hype um Elektroautos gibt, sind die USA von einer E-Revolution meilenweit entfernt. Bislang fristen die Fahrzeuge ein Nischendasein. 2015 hatten nur 0,3 Prozent der knapp 17,5 Millionen verkauften Neuwagen einen E-Antrieb. Zuletzt dämpfte der billige Sprit die Nachfrage noch zusätzlich. Dabei werden E-Autos auch in den USA gefördert. So soll der Kaufpreis für den Chevrolet Bolt EV bei gut 37.000 Dollar liegen, nach Abzug staatlicher Vergünstigungen aber auf etwa 30.000 Dollar sinken.

Großbritannien

Wer sich in Großbritannien für ein Elektroauto entscheidet, kann seit 2011 bis zu 5000 Pfund (6618 Euro) vom Staat als Zuschuss bekommen. Außerdem sind Elektroautos steuerfrei. Bis 2020 will die Regierung fast eine Milliarde Pfund an Fördergeldern beisteuern, damit mehr Elektroautos fahren.

Frankreich

Hersteller können bei Elektroautos und Hybridvarianten seit Jahren eine breite Palette von Fahrzeugen anbieten. 2015 lag der Anteil von reinen E-Autos an den Neuzulassungen aber nur bei unter einem Prozent. In Frankreich gibt es daher einen Bonus von 10.000 Euro für Kunden, die ein mehr als 10 Jahre altes Dieselauto gegen ein Elektro-Auto tauschen.

Norwegen

In Norwegen boomt der Verkauf von Elektrofahrzeugen nach wie vor. Im vergangenen Jahr waren 17 Prozent der neu zugelassenen Autos elektrisch. Zu verdanken ist das vor allem Steuervorteilen. Bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeuges zahlt man in Norwegen keine Mehrwertsteuer. Außerdem entfallen die Kfz-Steuer und die Abgasabgaben. Parken auf kommunalen Parkplätzen ist kostenlos, das Aufladen dort ebenso und man darf die Busspuren benutzen.

Von konventionellen Fahrzeugen sind Flottenmanager dank Tankkarten längst gewohnt, sich nicht um die Abrechnung kümmern zu müssen. Eine wachsende Zahl von Dienstleistern will diesen Komfort nun auch beim elektrischen Laden ermöglichen. Für die Akzeptanz gewerblich genutzter E-Autos ist das ein wichtiger Baustein. Einen ähnlichen Ansatz wie Eemobility verfolgt The Mobility House. Der Anbieter greift minutengenau Daten direkt von den Ladeboxen ab, die am Arbeitsplatz und zu Hause stehen. Auf einem Kundenportal wird das zusammengeführt. Gegen eine monatliche Gebühr übernimmt The Mobility House die komplette Abrechnung.

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