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03.06.2016

12:27 Uhr

Fremdfinanzierung

Neue Quellen erschließen

VonLara Sogorski

Das derzeit günstige Kreditklima bietet Firmen völlig neue Instrumente der Finanzierung. Die Nachfrage nach Konsortialkrediten bei mehreren Banken wächst. Andere Unternehmen setzen auf Transparenz und Crowdfunding.

Dank Crowd konnte der Beleuchtungsspezialist eine wichtige Investition finanzieren. Quelle: Leuchten + Metall Technik Gmb

Produktion bei LMT

Dank Crowd konnte der Beleuchtungsspezialist eine wichtige Investition finanzieren.

Quelle: Leuchten + Metall Technik Gmb

BerlinDie stolze Summe von 150.000 Euro wollten die beiden Unternehmer Michael und Tobias Otterpohl im Sommer vergangenen Jahres bei so genannten Schwarminvestoren einwerben. Das Geld benötigten die beiden Unternehmer für die Entwicklung einer neuen Produktserie von LED-Scheinwerfern. Am Ende gingen auf ihrem Konto 250.000 Euro ein. Damit hatten sie das maximale Finanzierungsziel ihrer Kampagne erreicht, die sie auf der Finanzierungsplattform Unternehmerich.de gestartet hatten. Für die LMT Leuchten und Metalltechnik GmbH aus der Nähe von Nürnberg war es die erste Crowdfinanzierung.

Das Geld benötigte LMT, um in ein neues Geschäfstfeld zu investieren: LED-Leuchten für den Einsatz in Restaurants, Büros und im Einzelhandel. „Jeder Unternehmer sollte über unterschiedliche Bezugsquellen für Kapital verfügen. Nur dann kann er zwischen Alternativen entscheiden und behält so die notwendige unternehmerische Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit“, sagt Michael Otterpohl.

Hier irrte die Schwarmintelligenz

betandsleep

Die Hotelvermittlung sammelte über die Plattform Seedmatch im November 2012 ihr Geld ein. Im August 2013 stellte betandsleep dann den Geschäftsbetrieb ein, nachdem die Crowd schon 100.000 Euro investiert hatte.

Amsaa

Die Spezialmanufaktur für Lederbekleidung sammelte das Geld über die Plattform Deutsche Mikroinvest ein. Das war im April 2013. Ein Jahr später ist das Unternehmen nicht mehr am Markt, über das genaue Datum und die Form der Insolvenz gibt es keine Daten, ebenso wenig ist über die investierte Summe der Crowd bekannt.

Speedcar

Der Geschäftszweig klingt schon ein wenig skurril: Schlaglochbeseitigung, damit wollte Speedcar Geld verdienen. Die nötigen Mittel zum Durchstarten sammelte das Unternehmen im Mai 2013 über die Plattform Deutsche Mikroinvest ein, im Oktober darauf gab es schon das erste ernsthafte Problem: Ein beantragtes Insolvenzverfahren wurde aufgrund mangelnder Insolvenzmasse abgelehnt. Wie viel Geld von Anlegern betroffen ist und was damit passierte, ist nicht bekannt.

sporTrade

Einen eigenen Ort für den Handel mit Sportartikeln schaffen, das war das Ziel von sporTrade. Der Versuch, einen Marktplatz für Sportprodukte zu schaffen, lief nur etwas mehr als ein viertel Jahr: Das Geld sammelte das Start-up im Oktober 2013 über die Plattform Companisto ein, im Februar 2014 kam die Insolvenz. Schätzungsweise 100.000 Euro hatten die Anleger da investiert.

BluePatent

Schutzrechte sind mit Sicherheit ein Thema, das künftig in der digitalen Welt noch an Bedeutung gewinnen wird. Dennoch waren die Dienste der Recherche-Spezialisten für Schutzrechte bei BluePatent offenbar nicht ausreichend gefragt: Die Firma, die erst im November 2011 über die Plattform Seedmatch ihre Mittel eingesammelt hatte, musste im Februar Insolvenz anmelden. 100.000 Euro Anlegergeld gehen mit ein.

Zapitano

Die TV-Community, die über Companisto im Oktober 2013 etwa 100.000 Euro einsammelte hielt in etwa genauso lange durch wie sporTrade, auf der selben Plattform angetreten: Im Februar 2014 ging der Antrag auf Insolvenzprüfung bei den zuständigen Gerichten ein.

foodieSquare

Der Lebensmittel-Versand, der über Seedmatch mehr als 530.000 Euro Kapital eingesammelt hatte, war von nicht gerade langer Haltbarkeit. Von der ersten Sammlung im Herbst 2012 bis zum Insolvenzantrag standen – mit einer weiteren Mittelaufnahme im Herbst 2013 – nur 18 Monate.

Eine Finanzierung per Crowd ist für Mittelständler im Moment eine erfolgversprechende Finanzierungsmöglichkeit unter mehreren. Dank niedriger Zinsen ist das Kreditklima generell günstig — für klassische Bankkredite ebenso wie für Schuldscheine, die in vergangenen Jahren immer stärker nachgefragt werden.

„Derzeit erhalten bonitätsstarke Mittelständler jeder Unternehmensgröße dank des historisch niedrigen Zinsniveaus sehr gute Kreditkonditionen. In Verbindung mit dem intensiven Wettbewerb der im Firmenkundengeschäft tätigen In- und Auslandsbanken führt dies dazu, dass viele Häuser einer Kreditvergabe sehr aufgeschlossen gegenüberstehen“, sagt Wolfgang Jung, Vorstandsmitglied der Südwestbank. Über fünf Jahre seien damit Kredite mit einem festen Zinssatz von zwei Prozent möglich.

Trotz der positiven Stimmung warnen Berater und Bankvertreter allerdings vor zu großer Euphorie, gerade was Bankkredite betrifft. „Es scheint zwar aktuell so, dass bei den Banken sehr viel Geld für Kredite zur Verfügung steht. Das heißt aber lange nicht, dass auch mehr Unternehmen mehr Geld bekommen“, sagt Kai Schimmelfeder, Geschäftsführer von der Mittelstandsberatung Feder Consulting.

Ein Grund dafür ist Basel III. Wegen der neuen Eigenkapitalregeln schauen die Banken bei Kreditanträgen noch genauer hin als in früheren Zeiten. Durch die Regelung sind beispielsweise die Anforderungen an die Eigenkapitaldecke der zu finanzierenden Unternehmen gestiegen. „Dazu kommt die allgemeine Zinssenkung, wodurch sich die Margen fast halbiert haben. Die Banken stehen also unter einem enormen Kostendruck“, so Schimmelfeder. „Dadurch sind sie oft sehr sensibel bei der Geldvergabe, um finanziell nicht in eine schwierige Situation zu kommen.“

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